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Parwan Geliebte Mundkühlung

 ·  „Mundkühlung“ wird Speiseeis in Afghanistan gern genannt. Warum Schneeverkausfsrechte am Hindukusch teuer sind.

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© AFP Schnee in Kabul

Wenn es Nacht wird über dem Hindukusch, kommen die Schneesammler. Dutzende Lastwagen parken dann auf dem Salang-Pass auf 3800 Metern Höhe. Junge Männer mit Eimern springen von den Ladeflächen und steigen hinauf zu den Gipfeln, die selbst im Hochsommer noch weiß sind.

Vor Sonnenaufgang rasen sie zurück ins Tal, damit ihre wertvolle Fracht nicht schmilzt. Im 150 Kilometer entfernten Kabul warten schon die Eisfabrikanten. Denn das traditionelle afghanische Speiseeis Schir Jach (Kalte Milch) wird seit jeher mit Schnee zubereitet.

Die bekanntesten und besten Eisdielen des Landes findet man eine Autostunde nördlich von Kabul in Charikar, der Hauptstadt der Provinz Parwan, am Fuße des Hindukusch. Hadschi Jan Agha zum Beispiel gilt als Meister seiner Zunft. Schon seit 30 Jahren verkauft er „Mundkühlung“, wie Speiseeis in Afghanistan gern genannt wird. Weder die sowjetischen Besatzung in den achtziger Jahren noch der Bürgerkrieg der neunziger Jahre oder das Taliban-Regime haben ihn davon abgehalten. Sein Laden liegt nahe der Hauptstraße im Salangtal, wo hitzegeplagte Hauptstädter gern ihre Wochenenden verbringen.

Bunte Neonleuchten und Bilder von ehemaligen afghanischen Politikern und Königen schmücken das Café, in dem 50 Kunden gleichzeitig Platz finden. Auch der Abzug des einzigen bekannten Fotos von Taliban-Führer Mullah Omar hängt an der Wand. An Freitagen müssen seine Kunden zum Teil Stunden in der Schlange warten, um einen der Sitzplätze zu ergattern. Die zehn Kellner haben auch unter der Woche alle Hände voll zu tun. Ihr Arbeitstag beginnt morgens um sechs Uhr, wenn die Lastwagen vom Salang-Pass den Schnee anliefern.

Agha kommt die Eismaschine nicht ins Haus

Dieser wird mit Salz vermischt und in große Bottiche gefüllt, die auf Tischen befestigt sind. Darin werden Eimer mit gezuckerter Milch stundenlang hin- und hergedreht, bis die Flüssigkeit gefroren ist. „Manche Leute glauben, der schwierigste Teil der Herstellung ist, den Schnee von den Berggipfeln herunterzubringen“, sagt Ahmad Samad, der an einem der Bottiche steht und den Eimer in seinen Händen so heftig herumdreht wie ein Lastwagenfahrer sein Lenkrad, wenn er die Kontrolle über seinen Wagen verloren hat. „Aber wer nur eine Stunde meinen Job übernehmen würde, wüsste, was es heißt, Schir Jach herzustellen.“

Vor zwei Jahren hat ein afghanischer Ingenieur eine Eismaschine entwickelt. Aber Hadschi Jan Agha kommt so etwas nicht ins Haus. Das Maschineneis schmecke fade und könne dem handgemachten Original nicht das Wasser reichen, sagt er immer. Umgerechnet rund 50 Euro-Cent kostet eine Portion, die in traditionellen Tonschalen serviert wird. Sahne oder Pistaziensoße kosten extra. Zu Aghas Kunden zählen ranghohe Politiker wie Vizepräsident Mohammad Qasim Fahim, der sich neulich Eis für ein Picknick in eines der umliegenden Dörfer liefern ließ.

Seit sich die Stromversorgung in den großen Städten verbessert hat, haben in Kabul und Herat zwei Fabriken geöffnet, die Stieleis produzieren, und immer mehr Eisdielen steigen auf moderne Herstellungsverfahren um. Doch die Beliebtheit von Schir Jach ist ungebrochen.

Jedes Jahr im März versteigert die Regierung im Gouverneurspalast von Charikar die Rechte am Schneeverkauf. In diesem Jahr bekam ein örtlicher Unternehmer den Zuschlag. Er zahlte 24 000 Dollar für das Recht, seine Mitarbeiter mit Eimern auf die Gipfel über dem Salang-Pass zu schicken.

Bei den Autoren unserer Serie handelt es sich um afghanische Journalisten, die aus dem ganzen Land für www.afghanistan-today.org berichten.

Quelle: F.A.Z.
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