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Lashkar Gar Wandel durch Klima

 ·  In Helmand herrschen Krieg - und Hitze. Das brachte Esmatullah auf den Plan. Wie ein Ofenbauer den Ruf der Provinz verbesserte.

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© AFP

Gemeinhin wird meine Heimatprovinz Helmand mit Opium und Krieg in Verbindung gebracht. Aber in jüngster Zeit hat sie einige Berühmtheiten hervorgebracht, von denen das Ausland noch wenig Notiz genommen hat. Da ist zum Beispiel der Bodybuilder Shukerullah Helmandi, der nicht nur den Titel „Mister Afghanistan“ trägt, sondern im Juni sogar die Südasien-Meisterschaft gewonnen hat.

Oder Qari Mohammad Ali Khusrawi, der im Mai im Kabuler Luxushotel Serena den Landeswettbewerb im Koran-Rezitieren für sich entschieden hat. Und dann gibt es noch Esmatullah, den Erfinder einer neuartigen Klimaanlage, die mit Solarenergie betrieben wird.

Vor drei Jahren war Esmatullah noch ein einfacher Ofenbauer. Bis er an einem heißen Sommertag, an dem wie so oft der Strom ausgefallen war und sein Ventilator stillstand, eine gute Idee hatte. Er baute den Ventilator auseinander, setzte eine Wasserpumpe davor, baute ein Motorradgetriebe ein, mit dem das Wasser an die richtige Stelle manövriert wird, und schloss das Ganze an eine aufladbare Batterie an. Fertig war die Klimaanlage. Das Gerät funktionierte so gut, dass die ersten Bestellungen von Nachbarn und Freunden nicht lange auf sich warten ließen.

Schließlich tat sich Esmatullah mit einem Händler zusammen, der in Helmands Provinzhauptstadt Lashkar Gar Solaranlagen verkauft, mit denen Dorfbewohner ihre Handys aufladen oder Glühlampen zum Leuchten bringen. Seither sind seine Klimaanlagen solarbetrieben und seine Kunden vor allem Dorfbewohner, die weder Strom haben noch das nötige Geld für teure Importgeräte aus China oder Pakistan. Statt 100 bis 200 Euro kostet Esmatullahs Konstruktion gerade einmal 30 Euro.

Schon 3000 Stück verkauft

Helmand ist eine der heißesten Provinzen des Landes, die Temperaturen steigen hier oft auf mehr als 40 Grad. Jede Abkühlung sei hier ein Segen, sagt der Bauer Mojtaba, der im Nad-Ali-Distrikt seine Felder bestellt. „Weil unsere Dörfer keinen Strom haben, mussten wir bislang die Hitze ertragen, aber dank der neuen Klimaanlagen ist das vorbei.“

Allein in diesem Jahr hat Esmatullah schon 3000 Stück verkauft. Längst kommen die Bestellungen für seine „Erfan Coolers“ nicht mehr nur aus Helmand, sondern auch aus den Nachbarprovinzen Kandahar, Nimruz und Farah. Inzwischen haben auch andere das Potential von kostengünstigen, solarbetriebenen Klimaanlagen erkannt und ähnliche Geräte auf den Markt gebracht. Deshalb setzt Esmatullah jetzt auf eine weitere Innovation: Kundendienst. Obwohl es in Afghanistan kein gesetzlich verankertes Umtauschrecht gibt, werde er die Ware bei technischen Mängeln anstandslos zurücknehmen, verspricht der Unternehmer.

Um die Nachfrage zu bedienen, hat er zehn Mitarbeiter eingestellt, die in seinen beiden Werkstätten bis zu 70 Geräte am Tag produzieren können. Einer von ihnen ist der elf Jahre alte Sayed Mehdi, der morgens eine Koranschule besucht und anschließend bis spät in die Nacht bei Esmatullah arbeitet. „Ich will Mechaniker werden“, sagt der Junge. „Wenn ich eine Ausbildung bekomme, kann ich noch bessere Klimaanlagen bauen.“

Esmatullah gilt in Lashkar Gar als Vorbild, weil er die Jugend von der Straße holt. „Wenn wir mehr solcher Fabriken hätten, dann gäbe es keine Taliban. Die Regierung und die internationale Gemeinschaft sollten so etwas unterstützen“, sagt der Kunde Zainullah, der gerade seine zweite Klimaanlage kauft.

Das findet der Jungunternehmer auch und verlangt vom Provinzgouverneur kostenloses Bauland für eine größere Werkstatt. Schließlich, sagt Esmatullah, habe er den guten Ruf von Helmand wiederhergestellt.

Die Autoren unserer Serie sind afghanische Journalisten, die aus dem ganzen Land für www.afghanistan-today.org berichten.

Quelle: F.A.Z.
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