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Kabul Bodybuildingmeister

 ·  Bodybuilding ist Volkssport in Afghanistan. Der Fanatismus der Fans kann schnell gefährlich werden. Warum der Kandidat aus Kundus nicht zur Endrunde durfte.

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© Pilar, Daniel Fitnessstudio in Kabul

Als vor kurzem in Kabul der „Mister Afghanistan“ gekürt wurde, waren Bodybuilder aus 33 Provinzen vertreten. Einer fehlte: der Mann aus Kundus. Er war disqualifiziert worden, weil seine Fans sich schlecht benommen hatten. Zwei Wochen vor dem Finale hatte in der Provinz vor Hunderten von Zuschauern das Qualifikationsturnier stattgefunden. Einige der Fans versuchten mit Sturmgewehren in die Halle zu gelangen, aber ihnen wurde der Zutritt verweigert. Andere gaben ihre Messer bereitwillig an der Eingangskontrolle ab, wo sich Dutzende von Waffen stapelten.

Vor dem Beginn der ersten Runde konnte man die knapp bekleideten, ölig glänzenden Bodybuilder dabei bewundern, wie sie massiert wurden. Einige ließen sich Anabolika spritzen. Sie gaben sich wenig Mühe, das zu verheimlichen, obwohl Doping auch in Afghanistan verboten ist - und obwohl das diesjährige Turnier dem Bodybuilder Arif Sakhi gewidmet war, der 2010 an den Folgen des exzessiven Konsums von anabolen Steroiden gestorben war.

Wie bei solchen Wettkämpfen üblich, wurden die Teilnehmer über Lautsprecher aufgefordert, die Regeln einzuhalten und die Entscheidungen der Jury zu respektieren. Das Schiedsrichterteam bestand aus drei Männern, die eigens aus Kabul angereist waren, um sicherzustellen, dass es keine Absprachen und Manipulationsversuche gibt. Die erste Runde verlief ohne größere Zwischenfälle. Die muskelbepackten Männer wurden in Gewichtsklassen eingeteilt und posierten in Badehosen.

Doch als es daranging, die beiden Teilnehmer der Endrunde zu bestimmen, kündigte sich Ärger an. Es dauerte mehr als eine Stunde, bis die Namen bekanntgegeben wurden. Sofort erhob sich ein Raunen in der Halle, denn einer der Titelkandidaten, Faisal, entsprach nicht den Erwartungen des Publikums. Der Mann ist vergleichsweise schmächtig, stammt aus einer reichen Familie und war schon vor zwei Jahren ins Gerede gekommen, als er die Schiedsrichter zugunsten eines Freundes bestochen haben soll. Auch diesmal machten Gerüchte die Runde, der Bodybuilder habe sich die Teilnahme an der Endrunde erkauft. Der zweite Finalkandidat, Yar Muhammad, war dagegen der klare Favorit. Ein Mann aus einfachen Verhältnissen mit einem wuchtigen Körper.

Shukrullah ist „Mister Afghanistan“

Ein Trainer stellte die Schiedsrichter zur Rede, und das Gespräch endete in wilden gegenseitigen Beschimpfungen. Irgendwann traf der erste Faustschlag eines der Jury-Mitglieder. Das war das Signal zum Angriff. Die Fans von Yar Muhammad stürzten sich auf die Schiedsrichter und den vermeintlichen Übeltäter Faisal. Einige zogen sogar Messer, die an der Eingangskontrolle offenbar übersehen worden waren. Die anrückenden Polizisten und Soldaten hatten Mühe, die Menge unter Kontrolle zu bringen.

Verärgert und aufgebracht machten sich die Fans schließlich auf den Heimweg. Eine knappe Stunde später raste ein Konvoi durch Kundus und erklärte Yar Muhammad zum Sieger. Doch als er nach Kabul reiste, um an der landesweiten Ausscheidung teilzunehmen, wurde er abgewiesen.

Den Titel „Mister Afghanistan“ holte schließlich zum vierten Mal der professionelle Bodybuilder Shukrullah. Er stammt aus Helmand, einer Provinz, in der der Krieg noch viel heftiger tobt als in Kundus. Die Bodybuildingfans sind dort aber offensichtlich friedfertiger.

Die Autoren unserer Serie sind afghanische Journalisten, die aus dem ganzen Land für www.afghanistan-today.org berichten

Quelle: F.A.Z.
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