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Shah Rukh Khan in Berlin Der Film der Stunde

 ·  Hoffentlich hat er keinen Schupfen: Die Berlinale huldigt dem indischen Superstar Shah Rukh Khan und empfiehlt sich als Außenstelle Bollywoods.

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Seit Dieter Kosslick die Berlinale leitet, kommen ständig neue rote Teppiche dazu. Der vor dem Friedrichstadtpalast im ehemaligen Osten der Stadt ist länger als der vor dem Berlinalepalast, und das aus gutem Grund: Hier laufen die wirklich populären Sachen, die für den Wettbewerb viel zu publikumswirksam sind. Am Samstagabend wurde der indische Superstar Shah Rukh Khan erwartet, dessen Stab die Fans und die Öffenlichkeit in den Tagen davor mit beinahe stündlich aktualisierten Schweiß- und Schnupfenbulletins auf Trab gehalten hatte: Kommt er, oder kommt er nicht?

Diese vorgeblich mit Khans Immunsystem zusammenhängende Frage erwies sich kurz nach Mitternacht als gegenstandslos, als der keineswegs fit gespritzt wirkende Hauptdarsteller des Hindi-Blockbusters "Don - The King Is Back" die Bühne des Friedrichstadtpalasts betrat. Unter starkem Gekreische, muss hinzugefügt werden, wenngleich ein Jubelconnaisseur möglicherweise einen kleinen Unterschied zu dem Gekreische vor dem Film hätte feststellen können - nach 140 Minuten mit einem Supergangster namens Don, der mit den stark ausgebeulten Wangen der Selbstironie seine Aufgabe versieht, war ein wenig die Luft draußen.

Bollywood, Außenstelle Berlin

So geriet auch die Huldigungsszene nach dem Film eher matt. Für Dieter Kosslick ist die Freundschaft mit Shah Rukh Khan allerdings zu wichtig, als dass er nicht gerade hier noch einmal sein Bestes gegeben hätte. Nicht nur holte er bei einer durch Khan vorgegebenen akrobatischen Übung das Maximum aus seinem bekanntermaßen durch regelmäßiges Yoga flexibilisierten Körper heraus, er schaffte es auch, Kirsten Niehuus, die Geschäftsführerin des Medienboards Berlin-Brandenburg, auf die Bühne zu holen, ohne dass diese Konzession an deutsche Standortpolitik im weltweiten Filmbusiness gar zu beflissen gewirkt hätte. Vermutlich ist tatsächlich jeder Euro, mit dem "Don - The King Is Back" gefördert wurde, gut angelegt. Denn Berlin kommt hier so ausführlich ins Bild, dass man gleich noch ein paar Hostels in Auftrag geben kann und vielleicht sogar das eine oder andere Spitzenhotel.

Die Berlinale ist zu einer Außenstelle von Bollywood geworden, und zwar just in dem Moment, in dem die indische Filmindustrie sich als Glollywood neu aufstellt. Shah Rukh Khan ist dabei ein globaler Spieler wie sonst vielleicht nur noch Tom Cruise. Dass in "Don - The King Is Back" ein Spitzenbanker dem Spitzengangster Immunität zusichern kann, ist dabei eine so bezeichnende Konfusion der institutionellen Zuständigkeiten, dass man fast von einer aktuellen Allegorie sprechen kann. Wie anders auch könnte man es deuten, dass hier ein internationaler Abräumer sich die Druckplatten für Eurogeldscheine sichert? Will hier noch jemand Geld drucken? In seiner naiven Abkupferungslogik erweist sich "Don - The King Is Back" als der Film der Stunde bei dieser Berlinale. Er ist das Derivat auf der Grundlage des Starwerts, und das Festival sorgt mit der Liberalisierung der roten Teppichmärkte für die richtigen Rahmenbedingungen.

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