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Keanu Reeves’ Dokumentarfilm Ein Kämpfer für die Kunst

16.02.2012 ·  Auf der Berlinale kann man den Schauspieler Keanu Reeves in einer ungewohnten Rolle erleben: In der Dokumentation „Side by Side“ über den digitalen Wandel im Kino stellt er die Fragen.

Von Bert Rebhandl, Berlin
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© dapd Wenn jemand wie Keanu Reeves einen Film macht, in dem er die Fragen stellt, muss am Ende natürlich doch auch wieder er selbst welche beantworten

Für den digitalen Wandel im gegenwärtigen Kino ist Keanu Reeves einer der besten Zeugen. Schließlich finden sich in seiner Filmographie als Schauspieler einige Meilensteine der Virtualisierung: Er war „Johnny Mnemonic“ in Robert Longos Datenthriller, und er war Neo in den „Matrix“-Filmen der Wachowskis. Und doch kam bei ihm der Moment der Einsicht, dass da gerade etwas grundlegend anders wird, erst vor eineinhalb Jahren. „Es war im Herbst 2010, als mir durch den Kopf schoss: Oh, mein Gott, Film ist tot. Film wird verschwinden.“ Die Sache ließ ihm keine Ruhe, und so konnte man ihn nun auf der Berlinale in einer ungewohnten Rolle erleben: In der Dokumentation „Side by Side“ von Christopher Kenneally stellt Reeves die Fragen. Er will von Martin Scorsese wissen, ob die digitalen Formate mit Realitätsverlust einhergehen. Und er lässt sich von James Cameron erklären, dass von dem Dschungel in „Avatar“ keine Faser, kein Tropfen, kein Erdklumpen jemals wirklich existiert hat.

Wenn jemand wie Keanu Reeves einen Film macht, in dem er die Ablöse des fotochemischen durch das digitale Paradigma thematisiert, muss am Ende natürlich doch auch wieder er selbst Fragen beantworten. Und so fläzt er sich in der Lounge eines Uhrenherstellers hoch über dem Potsdamer Platz auf ein weißes Sofa und macht noch einmal den Vermittler zwischen zwei höchst unterschiedlichen Welten. „Ich möchte, dass beide existieren - die kleinen, unabhängigen Projekte, die mit dem herkömmlichen Apparat des Kinos nicht gemacht werden könnten, aber auch die technikverliebten Erfinder, die Pioniere dessen, was bald darauf auf unser aller Computer möglich sein wird.“

„Da steckt eine Menge Philosophie dahinter“

Man könnte bei „Side by Side“ tatsächlich das Gefühl bekommen, dass hier vor allem ein neuer Schulterschluss zwischen Industrie und Kunst gefeiert wird - das rührt nicht zuletzt von der stark auf Amerika beschränkten Perspektive her. Aber der Film hält dezidiert die Balance - „wir hatten keine Agenda“, wirft Regisseur Christopher Kenneally ein - und verweist beispielsweise auf die Bedeutung des Zelluloids für die Archivierung des filmischen Erbes.

Die Arbeit an „Side by Side“ brachte es auch mit sich, dass Keanu Reeves im Katalog zu Tacita Deans „FILM“ (noch bis März in der Tate Modern) auftaucht, wo er neben Künstlern wie Jeff Wall oder Jean-Luc Godard firmiert und so etwas wie die Fragen eines denkenden Filmarbeiters formuliert. Eine zufällige Begegnung in London führte zu diesem Schulterschluss zwischen bildender Kunst und Hollywoodkino. Reeves interessiert sich eindeutig stärker für die Auswirkungen des Digitalen auf das Mainstream-Kino, aber er ist enthusiastisch genug, um die Extrameilen der Reflexion zu gehen: „Da steckt eine Menge Philosophie dahinter, nicht wahr?“ Damit wirft er sich wieder nach hinten auf dem Sofa, runzelt die Stirn, richtet sich aber sofort wieder auf, um den Gedanken zu entkräften, das digitale Kino mache alles zu einfach: „Filmemachen gibt dir immer etwas zu kämpfen. Warum ist es so schwierig? Das Leben ist kompliziert.“

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