15.07.2010 · Teheran: Werden Beweise für Entführung Amiris vorlegen
Der iranische Atomphysiker Schahram Amiri ist in seiner Heimat angekommen. Ein Sprecher des iranischen Außenministeriums kündigte an, Iran werde seine Beweise für eine Entführung Amiris öffentlich machen. Amiri hatte sich am Montagabend in Washington in die pakistanische Botschaft begeben, die die Interessen Irans in den Vereinigten Staaten vertritt. Der iranische Leiter der Interessenvertretung, Mostafa Rahmani, habe Amiri zum Flugzeug gebracht, sagte der Sprecher des Außenministeriums.
Für den strahlenden Amiri gab es am Flughafen von Teheran einen großen Empfang - neben Frau, Sohn und Eltern war auch der stellvertretenden Außenminister Hassan Ghashgavi zur Begrüßung des Heimkehrers erschienen. In den Staatsmedien wurden Bilder Amiris mit zum Victory-Zeichen erhobener Hand am Flughafen gezeigt. In einer kurzen Erklärung warf er dem amerikanischen Geheimdienst CIA vor, hinter seiner angeblichen Entführung zu stehen. „Dort wurde ich zwei Monate lang von amerikanischen und israelischen Verhörspezialisten körperlich und geistig gefoltert“, sagte Amiri. Er sei gezwungen worden, zu sagen, dass er freiwillig in die Vereinigten Staaten gekommen sei, um geheime Informationen über das militärische Atomprogramm Irans zu verraten. „Sie drohten mir, mich ansonsten nach Israel zu überstellen“, sagte der iranische Atomwissenschaftler.
Fünf Millionen Dollar für Informationen?
Der Atomphysiker war im Juni 2009 auf mysteriöse Weise während einer Pilgerreise auf dem Weg nach Mekka verschwunden. Die Vereinigten Staaten behaupteten, er habe sich freiwillig abgesetzt. Iran sprach hingegen von einer Entführung und behauptete, der an der Teheraner Universität Malek Ashtar tätige Atomphysiker sei mit Hilfe des saudischen Geheimdienstes in die Vereinigten Staaten verschleppt worden.
Dem widersprach die amerikanische Außenministerin Clinton am Dienstag. Amiri sei freiwillig in den Vereinigten Staaten und könne das Land verlassen, wann immer er wolle. Sie wies auch auf die drei amerikanischen Staatsbürger hin, die in Iran festgehalten würden, seit sie bei einer Bergwanderung iranisches Territorium betreten haben. Iran werde die Entführung von Amiri nun „rechtlich und diplomatisch" verfolgen, kündigte der iranische Außenamtssprecher an. Die halbstaatliche Nachrichtenagentur Fars kommentierte, amerikanische Agenten hätten Amiri zur pakistanischen Botschaft gebracht und die Niederlage der amerikanischen Geheimdienste akzeptiert.
Es wird vermutet, dass Amiri, der auch für die iranische Atomenergiebehörde gearbeitet hatte, über detaillierte Kenntnisse des iranischen Atomprogramms verfügt. Die amerikanische Zeitung „Washington Post“ berichtet unter Berufung auf einen amerikanischen Regierungsbeamten, dass Amiri vom amerikanischen Geheimdienst fünf Millionen Dollar (3,9 Millionen Euro) für Informationen über das iranische Atomprogramm erhalten habe. Amiri habe die Summe zwar erhalten, komme aber nach seiner Rückkehr in Iran nicht mehr an das Geld heran. „Auf alles, was er bekam, hat er keinen Zugriff mehr, dank der Finanz-Sanktionen gegen Iran“, sagte der amerikanische Regierungsbeamte.