16.08.2009 · Die seit mehr als sechs Wochen in Iran inhaftierte Französin Clotilde Reiss ist gegen Zahlung einer Kaution entlassen worden. Sie sei bei „guter Gesundheit“ und befinde sich nun in der französischen Botschaft in Teheran, teilte der Elysée-Palast am Sonntagabend in Paris mit.
Die seit mehr als sechs Wochen in Iran inhaftierte Französin Clotilde Reiss ist gegen Zahlung einer Kaution entlassen worden. Sie sei bei „guter Gesundheit“ und befinde sich nun in der französischen Botschaft in Teheran, teilte der Elysée-Palast am Sonntagabend in Paris mit. Dort werde sie auf ihre Rückkehr nach Frankreich warten.
Staatspräsident Nicolas Sarkozy habe bereits mit ihr telefoniert. Vor einigen Tagen hatte die iranische Justiz bereits angedeutet, Reiss gegen Kaution aus dem Gefängnis entlassen zu können. Sie habe aber „keinesfalls das Recht, das Land zu verlassen, bis das Urteil verkündet ist“.
Vor einer Woche vor Gericht gestanden
Reiss und eine bereits am Dienstag entlassene franko-iranische Botschaftsmitarbeiterin (siehe dazu auch: Teheran lässt Botschaftsmitarbeiterin frei) hatten vor einer Woche zusammen mit mehr als hundert weiteren Demonstranten vor Gericht gestanden.
Die am 1. Juli bei der Ausreise am Flughafen Teheran festgenommene Reiss hatte an der Universität Isfahan fünf Monate Französisch unterrichtet. Die iranische Justiz wirft ihr unter anderem vor, Berichte über die Demonstrationen nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl vom 12. Juni verfasst und Fotos davon per E-Mail verschickt zu haben.
Noch 300 Oppositionelle inhaftiert
Jüngsten Oppositionsangaben zufolge sind bei den Protesten nach der Präsidentenwahl mindestens 69 Menschen ums Leben gekommen. „Wir haben dem Untersuchungsausschuss des Parlaments am Montag eine Liste mit den Namen von 69 getöteten und 220 festgenommenen Personen überreicht“, sagte Ali Resa Beheschti, ein Berater von Oppositionsführer Mir Hossein Mussawi, vergangene Woche. Auf der Liste befänden sich Personen aus dem ganzen Land, deren Namen von den Angehörigen gemeldet worden seien. Noch immer kämen weitere dazu.
Nach offiziellen Regierungsangaben soll es etwa 30 Tote bei den Demonstrationen gegeben haben. Menschenrechtsgruppen vermuten jedoch eine weitaus höhere Opferzahl.