14.06.2009 · Die iranische Künstlerin Parvin hat ihre Kritik am islamischen Regime immer deutlich gezeigt. Ihr Medium war die Internetplattform Facebook. Nun spricht aus ihren Botschaften die Angst vor der Geheimpolizei. Jeder Mut ist verschwunden.
Von Swantje Karich„Bitte ruft nicht an, hinterlasst hier keine Nachrichten, schreibt keine E-Mails. Stellt keine Fragen.“ Dieser Appell steht in Persisch auf der Internetseite der iranischen Künstlerin Parvin. Sie lebt in Teheran. Und sie hat durch ihre Kunst immer deutlich gezeigt, wie kritisch sie das herrschende islamische Regime sieht. Ihr Medium, um ihre Botschaften auch international zu verbreiten, war die Internetplattform Facebook, wo sie ein Netzwerk Gleichgesinnter aufgebaut hatte.
Nun spricht aus den Sätzen auf ihrer Seite Angst vor der Geheimpolizei. Jeder Mut ist verschwunden. In Teheran herrscht wieder offener Krieg, Krieg auf der Straße zwischen der Regierung und ihren Gegnern, aber auch Krieg zwischen den geistigen Anführern und der Geheimpolizei. Bereits in den vergangenen Wochen hieß es, dass Facebook von der iranischen Regierung gesperrt worden sei. Aber dort tat sich nichts, und so wurde die Plattform weiter als Treffpunkt der politisch aktiven Intellektuellen Irans genutzt. Die Schreiber wurden unvorsichtig. Der Ruf nach einem freien Iran wurde hier unverhohlen ausgesprochen.
Mit Knüppeln und Tränengas niedergestreckt
Auch bei Parvin wuchs die Hoffnung, doch noch auf demokratischem Wege die Situation zu verbessern - immer mehr Solidaritätsgruppen bildeten sich und diskutierten. Der Schock war unbeschreiblich, als die Nachricht des vermeintlich deutlichen Siegs von Mahmud Ahmadineschad bekannt wurde: Die Gruppe „Where is my vote?“ gründete sich und rief zu Demonstrationen, nicht nur in Iran, sondern auch in London, Paris und Berlin auf, obwohl auch Parvin nach der Revolution von 1979 eigentlich nicht mehr an den Kampf auf der Straße glaubte.
Die Wiederwahl von Präsident Ahmadineschad hat im Iran die schwersten Unruhen seit 1999 ausgelöst. Ahmadineschad sagte am Sonntag, die Wahl sei sauber verlaufen. Bundesaußenminister Steinmeier kritisierte das Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen die Demonstranten.
Jetzt ist es still geworden bei Facebook. Denn nicht sie selbst hat sich unter ihrem Namen auf Facebook an ihre Freunde gewandt, sondern Ana aus Berlin, eine Freundin, die sie schützen und ihre Bekannten warnen will. Parvin ist festgenommen worden. Ihre letzten Filmzeugnisse zeigen kämpfende Massen auf den Straßen, eingekesselt, mit Knüppeln niedergestreckt und mit Tränengas zu Boden gedrängt. Neben der Warnung, Parvins Facebook-Seite zu meiden, steht in blutroter Farbe ein persischer Schriftzug: „Die Universität lebt.“