08.01.2010 · Der iranische Oppositionsführer Karrubi ist einem Angriff eines organisierten Mobs entgangen. Schüsse zerstörten die Fenster seines Autos; die Insassen blieben aber unverletzt. Die Angreifer sollen „Gott verdamme Karrubi!“ gerufen haben.
Der iranische Oppositionsführer Karrubi ist bei einem Angriff eines organisierten Mobs auf seinen Wagen nicht verletzt worden. Die Schüsse zerstörten aber die Fenster des Autos, wie auf der Internetseite Karrubis mitgeteilt wurde. Karrubi hatte in der Stadt Qazwin am Begräbnis von Personen teilgenommen, die bei Protestkundgebungen gegen das Regime getötet worden waren. Qazwin liegt etwa 120 Kilometer nordwestlich von Teheran. Frühere Abgeordnete des Parlaments, die zu den Reformern zählen, hatten die Trauerfeierlichkeiten organisiert. Etwa fünfhundert Mitglieder der Freiwilligenmiliz Bassidsch und deren Sympathisanten hatten das Gebäude umstellt, in dem sich Karrubi aufgehalten hatte. Sie bewarfen das Gebäude mit Steinen und schmissen die Fensterscheiben ein.
Nach vier Stunden sei die Bereitschaftspolizei eingetroffen. Sie habe Karrubi aus dem Haus geleitet. Als die Polizei versucht habe, den gepanzerten Wagen Karrubis aus der Gefahrenzone zu geleiten und es wegfuhr, hätten Unbekannte Schüsse auf das Auto abgegeben. Die Insassen blieben unverletzt.
„Gott verdamme Karrubi!“
Karrubis Sicherheitspersonal habe das Feuer nicht erwidert, teilte Karrubi auf seiner Internetseite mit. Denn dann wären sie, anders als die Angreifer, verhaftet und verurteilt worden. Die Regierung nahm zu dem Vorfall bislang nicht Stellung. Lediglich die staatliche Nachrichtenagentur Fars berichtete über den Vorfall. Sie berichtete, Karrubi sei gezwungen worden, Qazvin zu verlassen. Die Angreifer hätten gerufen: „Gott verdamme Karrubi!“
Nach Angaben von Karrubis Lager skandierten die Angreifer auch Rufe, in denen sie Revolutionsführer Chamenei unterstützten. Ferner riefen, ihre Stadt sei kein Ort für „Heuchler“. Das Regime benutzt diesen Begriff für die verbotene Untergrundorganisation der Volksmudschahedin.
Die iranische Regierung hatte Karrubi im Dezember den staatlichen Personenschutz entzogen und ihm mitgeteilt, sie könne für seine Sicherheit nicht länger garantieren und er sei nun selbst für dafür verantwortlich. Karrubis Sohn hatte darauf gesagt, damit stehe sein Vater praktisch unter Hausarrest. Der Geistliche und frühere Sprecher des iranischen Parlaments Karrubi ist einer der schärfsten Kritiker von Staatspräsident Ahmadineschad, dessen Wiederwahl er bis heute aufgrund von Fälschungsvorwürfen nicht anerkennt.