03.01.2011 · Die Regierung Irans bietet internationalen Beobachtern den Besuch seiner Atomanlagen an. In einer Einladung schlägt Teheran für den Besuch das Wochenende 15. und 16. Januar vor. Ins Auge gefasst würden Treffen mit hochrangigen Vertretern der EU, Russlands, Chinas und arabischer Staaten.
Iran hat der Europäischen Union (EU), Russland, China und weiteren Staaten angeboten, seine Atomanlagen zu besichtigen. In einer Einladung, die der Nachrichtenagentur AP vorliegt, schlug Teheran für den Besuch das Wochenende 15. und 16. Januar vor. Ins Auge gefasst würden Treffen mit hochrangigen Vertretern der angesprochenen Staaten, darunter auch arabische Länder, hieß es.
Die Vereinigten Staaten sind nach Angaben eines Gewährsmanns der Nachrichtenagentur nicht aufgeführt. Mit der Einladung will sich die iranische Regierung offenbar Unterstützung vor einer neuen Runde internationaler Gesprächen über ihr Atomprogramm sichern. In dem auf den 27. Dezember datierten Schreiben, das der AP am Montag zugänglich gemacht wurde, ist von einem „Besuch der iranischen Atomanlagen“ die Rede, für den sämtliche Kosten übernommen würden. Das Schreiben sei an Russland, China, Ägypten, Kuba, die Gruppe der Blockfreien und die Mitglieder der Arabischen Liga bei der IAEA sowie an Ungarn als derzeitige EU-Ratspräsidentschaft gerichtet.
Besucht werden sollten Buschehr und Natans, sagte der bei der internationalen Atomenergiebehörde IAEA in Wien akkreditierte Diplomat der AP. Außerdem seien Treffen mit dem amtierenden iranischen Außenminister Ali Salehi geplant, der außerdem Leiter der iranischen Atombehörde ist, und mit dem iranischen Chefunterhändler Saed Dschalili.
Anfang Dezember hatten sich iranische Beamte mit Vertretern aus Deutschland, den Vereinigten Staaten, China, Russland, Frankreich, Großbritannien und der EU in Genf getroffen, um über das Teheraner Atomprogramm zu verhandeln. Die Gespräche gingen ohne konkrete Ergebnisse zu Ende, vereinbart wurde lediglich ein weiteres Treffen zu Beginn dieses Jahres in der Türkei. Vorläufig ist ein Termin Ende Januar in Istanbul vorgesehen.
Die Vereinigten Staaten und andere westliche Staaten beschuldigen Iran, sein nach eigenen Angaben ziviles Atomprogramm als Deckmantel für die Entwicklung von Atomwaffen zu benutzen. Teheran weist die Vorwürfe zurück.
Salehi: Buschehr erst im Februar ans Netz
Zuvor hatte die iranische Atomenergiebehörde bekannt gegeben, das erste Kernkraftwerk des Landes solle jetzt erst im Februar ans Netz gehen. Das sagte Salehi, der iranischen Nachrichtenagentur ISNA. Ursprünglich war angekündigt worden, der 1000-Megawatt-Reaktor im südiranischen Buschehr könne bis spätestens Januar 2011 erstmals Strom produzieren und ans nationale Netz gehen. Salehi sagte nun, die Anlage werde im nächsten Monat so weit sein. Im Februar feiert der Iran den 32. Jahrestag der Islamischen Revolution von 1979.
Das in Kooperation mit Russland errichtete AKW Buschehr ist nach Angaben Salehis der Start eines Programms, mit dem insgesamt zusätzliche 20 000 Megawatt Strom in das iranische Netz eingespeist werden sollen.