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Vogelgrippe Vom Wildvogel zum Menschen

02.06.2006 ·  Die Weltgesundheitsbehörde hat den ersten Fall einer direkten Übertragung des Virus H5N1 von einem Wildvogel auf einen Menschen bestätigt. Bislang ging man nur von einer Ansteckung über Zuchtgeflügel aus.

Von Anne Bogdanski
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Während Mitte Februar die ersten Vogelgrippe-Fälle in Deutschland bekannt wurden und in den nachfolgenden Wochen heiß diskutiert wurde, ob man sich am verendeten Schwan anstecken könne, hätte ein Blick nach Osten möglicherweise weiterhelfen können. Denn in Aserbaidschan ist es zu diesem Zeitpunkt passiert - die Vogelgrippeübertragung von Schwan zu Mensch.

Es handelt sich hierbei um den ersten bekannten Fall, bei dem Vogelgrippe vom Wildvogel - nicht vom Zuchtgeflügel - an den Menschen weitergegeben worden ist. Still und leise und ohne große Wellen zu schlagen, steht es seit dem 5. Mai in einer Veröffentlichung der Weltgesundheitorganisation (WHO). Die neuesten Erkenntnisse zu diesem Fall wurden allerdings erst auf der internationalen Konferenz zum Thema Vogelgrippe bekannt, die in dieser Woche von der Landwirtschaftsorganisation (FAO) und der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) in Rom ausgerichtet wurde. Etwa 300 Experten aus über 100 Ländern berieten über die Rolle der Wildvögel bei der Ausbreitung des hochpathogenen Vogelgrippe-Erregers H5N1.

Angst vor Bestrafung

Bei dem Fall in Aserbaidschan handelte es sich um neun erkrankte Menschen südöstlich von Baku, der Hauptstadt des kleinen Kaukasus-Staates. Als der Fall vom Gesundheitsamt in Aserbaidschan am 6. März an die WHO weitergeleitet wurde, lagen sechs der neun Opfer schon mit Symptomen wie Fieber, Kopfschmerzen und Husten im Krankenhaus. Nach etlichen Laboruntersuchungen konnte am 18. März bestätigt werden, daß es sich bei den Erkrankungen tatsächlich um H5N1 handelte. Die Ansteckungsquelle aber blieb zunächst unklar. Ein Ausbruch der Krankheit bei Schwänen in derselben Gegend kurz zuvor lieferte Anlaß zu vermuten, daß diese Tiere eine Rolle als Überträger spielen könnten. Aber auch die Ansteckung an Hausgeflügel blieb eine Möglichkeit. Doch die Tests an Geflügel in der Gegend waren negativ, berichtet Caroline Brown von der WHO, und die Tiere konnten somit als Überträger ausgeschlossen werden.

Blieb nur der Schwan - doch dies zu überprüfen schien unmöglich. Wegen der Angst vor Bestrafung - Jagd auf Wildvögel ist illegal - verweigerte die örtliche Bevölkerung die Zusammenarbeit mit den Gesundheitsbehörden. Zudem wollten die Menschen nicht wahrhaben, daß es sich bei den Erkrankungen tatsächlich um Vogelgrippe handelte. Erst die späte Aussage eines betroffenen Familienmitglieds, man habe einige der toten Schwäne entfedert, um das Gut zu verkaufen, hat etwas Licht ins Dunkel gebracht. Brown schließt ebenfalls nicht aus, daß es bei der Zubereitung von Schwanenfleisch zur Übertragung gekommen ist. Phylogenetische Vergleiche der Viren, die in den Patienten gefundenen wurden, und von Erregern in erkrankten Schwänen, die sowohl in dieser Gegend als auch in anderen Gebieten wie Iran und Italien isoliert worden waren, zeigten enge Verwandtschaft.

Risiko einer Pandemie durch Wildvögel gering

Die WHO wiederholte daher ihren Rat, den Kontakt mit toten oder kranken Tieren zu vermeiden. Alles in allem aber ist der menschliche Kontakt zu infizierten Wildtieren weit weniger häufig als der zu Zuchtgeflügel. Daher hat der Virus weniger Möglichkeiten, sich an den Menschen anzupassen, als es im Kontakt mit Hausgeflügel passieren könnte. Das Risiko einer Pandemie, ausgelöst durch Wildvögel, sei somit gering, sagte Brown. Wichtig sei es, die Bevölkerung in gefährdeten Gebieten bestmöglich über die Ansteckungsgefahr zu informieren und sie somit zu schützen. Denn die eigentliche Gefahr gehe oft vom falschen Verhalten des Menschen aus, nicht vom Vogel, waren sich die Experten in Rom einig.

Quelle: F.A.Z., 02.06.2006, Nr. 127 / Seite 34
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