28.04.2006 · Kaum sind in Rügen die Sperrbezirke aufgehoben, drängt der mecklenburgische Agrarminister, die bundesweite Stallpflicht für Geflügel zu lockern. Doch deutschlandweit sind 300 an Vogelgrippe erkrankte Wildvögel gefunden worden.
Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Till Backhaus (SPD) dringt auf eine Lockerung der bundesweiten Stallpflicht für Nutzgeflügel, die zum Schutz vor der Vogelgrippe verhängt worden ist. „Wir haben in Deutschland kein flächendeckendes Problem mit der Vogelgrippe, wir haben das Problem an ganz klar eingegrenzten Standorten“, sagte Backhaus . In Mecklenburg- Vorpommern habe sich Rügen und die Küstenregion bei Wismar als Vogelgrippe-Herd herauskristallisiert. Am Donnerstag sind sämtliche Vogelgrippe-Sperrbezirke auf Rügen aufgehoben worden.
Doch bundesweit sind 300 an Vogelgrippe erkrankte Wildvögel gefunden worden. Nach Auskunft des Bundeslandwirtschaftsministerium werden laufend neue Sperrbezirke eingegrenzt, und andere aufgehoben. Rügen ist als erster Ort, an dem ein infizierter Vogel gefunden wurde, im besonderen Blickpunkt der Medien.
Bislang konnten sich die Agrarminister von Bund und Ländern nicht über eine Regelung zur Stallpflicht einigen. Die Zeit drängt jedoch, da am 11. Mai die Frist ausläuft, nach der Hennenhalter die Eier trotz Stallpflicht als Freilandware verkaufen dürfen. „Bis dahin brauchen wir eine klare Regelung, sonst gibt es in Deutschland keine Freilandeier mehr, und wir werden damit aus anderen Regionen Europas überschwemmt“, befürchtet Backhaus. Zudem brauchten Enten und Gänse für eine artgerechte Haltung Freilauf.
Hühner erkranken am schnellsten
Backhaus zufolge sollte das Aufstallungsgebot beibehalten werden, aber an Betriebe, Gemeinden und Regionen nach Einzelfallbewertungen Ausnahmegenehmigungen erteilt werden. Diese hingen dann unter anderem von der Nähe zu Rastplätzen und Brutkolonien von Wildvögeln ab, aber auch von Sicherheitsmaßnahmen der Betriebe wie Desinfektion und Kontakten zu anderen Tierbeständen.
Zum zweiten will Backhaus so genannte Bioindikatoren einsetzen. „Wir wissen aus der Wissenschaft, daß hühnerartige Vögel für das Vogelgrippevirus empfänglicher sind und schneller erkranken als Enten und Gänse. Deshalb wollen wir Hühner als Bioindikatoren in Enten- und Gänsebestände geben“, sagte er. „Das wäre ein Weg zur besseren Überwachung der Geflügelhaltungen.“
In Mecklenburg-Vorpommern ist Backhaus zufolge seit dem 10. April kein neuer Vogelgrippefall bekannt geworden. Bleibe es dabei, könnten in der zweiten Maiwoche alle Schutz- und Beobachtungszonen aufgehoben werden. Insgesamt sei im Land in 194 Fällen das gefährliche Virus H5N1 nachgewiesen worden.
Achtjähriges Mädchen in China erkrankt
In China ist ein achtjähriges Mädchen an der gefährlichen Variante der Vogelgrippe erkrankt. Es ist damit der 18. Fall einer Vogelgrippeerkrankung beim Menschen in China, teilte das Gesundheitsministerium am Donnerstag mit.
Tests hätten bestätigt, daß das Mädchen aus der Provinz Sichuan an dem Virus H5N1 erkrankt sei, hieß es. Sie werde derzeit im Krankenhaus behandelt. Im Zuhause des Mädchens sei eine Reihe von Hühnern gestorben, bevor die Achtjährige Fieber und eine Lungenentzündung bekommen habe, berichtete eine Zeitung. Alle Personen, die engen Kontakt zu ihr gehabt hätten, seien unter medizinischer Beobachtung.
In Indonesien starb unterdessen ein 30jähriger Mann an dem H5N1-Virus, der sich bei erkranktem Geflügel angesteckt hatte, wie die Behörden mitteilten. Es wäre bereits der 25. Vogelgrippe-Todesfall in Indonesien. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) prüfte den Fall noch. An der Vogelgrippe sind bislang weltweit mindestens 113 Menschen gestorben. In China erlagen zwölf der 18 Erkrankten der Krankheit. Das chinesische Gesundheitsministerium hatte zu Beginn der Woche örtlichen Behörden vorgeworfen, zu langsam auf Verdachtsfälle zu reagieren oder sie sogar zu verschweigen.