12.02.2006 · Vier Monate nach dem Auftreten der ersten Fälle von Vogelgrippe in Rumänien und der Türkei hat das Virus H5N1 auch die Europäische Union erreicht. Wildschwäne in Italien, Griechenland und Bulgarien verendeten an dem Erreger.
Das Vogelgrippevirus H5N1 hat die Europäische Union erreicht. In Italien und Griechenland wurde der Erreger erstmals nachgewiesen. Außerdem wurde das Virus am Wochenende in Bulgarien erstmals offiziell bestätigt.
Ein Virus der H5-Gruppe wurde auch bei einem Schwan in Slowenien festgestellt. Die italienischen, griechischen und slowenischen Behörden richteten am Wochenende Kontrollzonen um die Fundorte ein. Die Europäische Union (EU) will auf einem Krisentreffen am Donnerstag und Freitag in Brüssel über Vorkehrungen gegen die Vogelgrippe beraten. Fachleute halten die Ausbreitung des Erregers allerdings für nicht wahrscheinlich, da das Virus bei Wildtieren entdeckt wurde und nicht bei Nutztieren.
Auf einer Hühnerfarm könne sich das Virus schneller ausbreiten. Dort kämen auch leichter Menschen mit dem Erreger in Kontakt. Hühnerfleisch könne daher weiter unbesorgt verzehrt werden.
In Sizilien, Kalabrien und Apulien waren 21 tote Schwäne gefunden worden. Die meisten waren mit dem gefährlichen H5N1-Virus infiziert. Wahrscheinlich seien die Tiere wegen der Kälte in den Balkanstaaten nach Italien geflogen. Die italienische Regierung schafft nun Sicherheitszonen um die Seuchenherde. Im Umkreis von drei Kilometern muß Geflügel in den Ställen bleiben und regelmäßig auf den Erreger getestet werden. Im Radius von zehn Kilometern müssen Hygienevorkehrungen eingehalten werden. Das Jagen in beiden Zonen ist untersagt. Die Vorschriften gelten zunächst für 21 Tage. Kontakte mit Wildvögeln sollen möglichst vermieden werden.
Die Europäische Kommission hatte am Freitag dieselben Vorgaben für Griechenland beschlossen. In der Nähe von Thessaloniki waren drei tote Schwäne mit dem Virus H5N1 gefunden worden. Jetzt sei es wichtig, die Infektion von Hühnern und anderen Hausvögeln abzuwenden, sagte der griechische Gesundheitsminister Nikitas Kaklamanis. Auch Bulgarien verstärkte am Sonntag die Vorkehrungen. Die EU-Kommission kündigte für Bulgarien ein Importverbot von Geflügelprodukten an.
Auch aus Slowenien wird von einem Vogelgrippe-Verdachtsfall berichtet. Wie die EU-Kommission am Sonntag in Brüssel mitteilte, verendete ein Schwan an dem H5-Virus. Ob das Tier an dem H5N1-Virus einging, werde nun im EU-Labor in Weybridge bei London geklärt. Die Bundesregierung erwartet unterdessen keine Handelsbeschränkungen mit den betroffenen Ländern.
Berlin und Paris wollen in den nächsten Tagen Fachleute nach Nigeria und möglicherweise in die Nachbarländer schicken, um internationale Organisationen im Kampf gegen die Vogelgrippe zu unterstützen. Das teilte der französische Außenminister Philippe Douste-Blazy in Paris mit. In Nigeria war am 8. Februar der gefährliche Erreger H5N1 erstmals aufgetreten. Auch die für Tiergesundheit zuständige Welternährungsorganisation FAO kündigte die Eindämmung des in Nigeria ausgebrochenen Virus an. In Afrika sollten Laboratorien zur Schnellanalyse errichtet werden, um die Routen der Zugvögel und den Verlauf der Krankheit zu verfolgen, sagte ein Sprecher dem Nachrichtenmagazin „Focus“.
In China und Indonesien fielen drei Menschen der Vogelgrippe zum Opfer. Nach Regierungsangaben vom Samstag starb in der chinesischen Provinz Hunan eine Zwanzigjährige an dem gefährlichen Virustyp H5N1. Sie sei die achte Vogelgrippe-Tote in China. Die Behörden in Indonesien meldeten am Samstag den Tod einer 27 Jahre alten Frau und eines 23 Jahre alten Mannes. Sollte die WHO das bestätigen, wären in Indonesien 19 Menschen an Vogelgrippe gestorben. Auf der Welt sind bislang mehr als 80 Menschen an der Krankheit gestorben.