13.02.2006 · Landwirtschaftsminister Seehofer hat noch keinen neuen Termin für die Stallpflicht von Geflügel zum Schutz vor der Vogelgrippe festgelegt. Die Beratungen im Ministerium sollten am Dienstag fortgesetzt werden.
Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) hat noch keinen neuen Termin für die Stallpflicht von Geflügel zum Schutz vor der Vogelgrippe festgelegt. Die Beratungen im Ministerium sollten an diesem Dienstag fortgesetzt werden, teilte eine Sprecherin am Montag abend mit.
Seehofer wird die Stallpflicht für Geflügel wegen des Heranrückens der Vogelgrippe voraussichtlich vorziehen. Grund sei, daß am Wochenende in der Nähe der österreichischen Grenze ein toter Schwan gefunden wurde, der vermutlich an dem für Menschen gefährlichen Vogelgrippevirus H5N1 verendet sei, sagte Ministeriumssprecherin Ulrike Hinrichs. Damit gebe es eine neue Risikolage.
Ursprünglich sollte die Stallpflicht am 1. März wieder in Kraft treten. Das bedeutet, daß Geflügel in Deutschland für mindestens zwei Monate ausnahmslos im Stall bleiben muß. Damit soll verhindert werden, daß Zugvögel das aggressive Virus nach Deutschland einschleppen.
Entscheidung am Nachmittag
Am Wochenende hatten die Behörden das Virus bei verendeten Schwänen in Italien, Griechenland und Bulgarien entdeckt. Zugleich wurde ein Virus der H5-Gruppe bei einem Schwan in Slowenien nahe der österreichischen Grenze festgestellt.
Seehofer will sich gegen 15 Uhr in Berlin mit den Experten des Ministeriums und des Friedrich-Loeffler-Instituts zusammensetzen, um das weitere Vorgehen zu beraten. Wann die Stallpflicht in Kraft treten soll, ist bisher noch nicht klar. Dazu sei eine Eilverordnung nötig, die zwei bis drei Tage dauere, sagte Hinrichs.
Verbot für Geflügelschauen denkbar
Zugleich erwägt Seehofer, Geflügelschauen in Deutschland komplett zu verbieten. Bislang können solche Veranstaltungen noch mit Sondergenehmigungen stattfinden. Außerdem sollte bei Schwänen in Deutschland das sogenannte Monitoring verschärft werden, um eine breitere Überwachung zu gewährleisten, hieß es.
Der in Slowenien verendete Schwan wurde nahe der Stadt Maribor entdeckt, die nur 15 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt liegt. Ob es sich bei dem in diesem Fall festgestellten Erreger um den Virenstamm H5N1 handele, sei noch unklar, teilte die EU-Kommission am Sonntag mit. Das slowenische Labor für Vogelgrippe habe seine Proben zu weiteren Tests an das EU-Referenzlabor im britischen Weybridge geschickt.
18. Vogelgrippe-Toter in Indonesien
In Indonesien ist die Zahl der offiziell bestätigten Todesfälle durch die Vogelgrippe auf 18 gestiegen. Eigene Tests der Weltgesundheitsorganisation WHO wiesen bei zwei Frauen, die vorige Woche gestorben waren, ebenfalls eine Infektion mit dem aggressiven Virustyp H5N1 nach, wie ein Sprecher der indonesischen Gesundheitsbehörden am Montag mitteilte. Die 22 und 27 Jahre alten Opfer lebten in Orten östlich der Hauptstadt Jakarta.
Durch die Vogelgrippe starben bislang rund 90 Menschen. Am stärksten betroffen ist Vietnam, wo seit Ausbruch der Seuche Ende 2003 mehr als 40 Menschen dem Virus erlagen.