Die Befürchtung, das Vogelgrippevirus H5N1 könne eines Tages zu einem weltweiten Ausbruch, einer Pandemie, führen, ist nicht abwegig. Denn nicht nur der eigentliche Wirt, der Vogel, ist mobil, sondern auch die Weltbevölkerung. Und daher könnte sich das Virus rasch überall verbreiten, wenn es sich so weit entwickeln sollte, daß es leicht von Mensch zu Mensch übertragen wird. Forscher um Ben Cooper von der britischen Health Protection Agency in London richten nun in einer Studie, die in der Zeitschrift „Plos“ veröffentlicht wurde, besonderes Augenmerk auf die Rolle des Flugverkehrs bei der möglichen Ausbreitung der Vogelgrippe.
Die Eindämmung des Flugverkehrs ist nur einer von vielen Faktoren, die der Verbreitung des Virus entgegenwirken können. Andere Maßnahmen umfassen die Behandlung und Vorbeugung mit antiviralen Medikamenten, eine Quarantäne für schon Infizierte, die rechtzeitige Impfung der noch gesunden Bevölkerung und die Eindämmung des Reiseverkehrs im allgemeinen. Dennoch kommt dem Fliegen durch die stetige Zunahme des internationalen Verkehrs ein immer höherer Stellenwert zu. Bisher war allerdings unklar, ob es im Fall des Krankheitsausbruchs notwendig ist, weltweit alle Flughäfen zu schließen - mit allen wirtschaftlichen Folgen.
Das Virus ist schneller als das Flugzeug
Um der Realität möglichst nahe zu kommen, stellen Forscher mathematische Modelle auf, die den Politikern im Fall der Fälle helfen können, schnell zu reagieren und geeignete Maßnahmen zur Eindämmung des Virus einzuleiten. Gelernt wird aus alten Fällen wie der Spanischen Grippe, die 1918 rund fünfzig Millionen Menschen das Leben kostete, oder der Hongkong-Grippe von 1968, die auch Deutschland mit 30 000 Opfern traf.
Die Ergebnisse der jüngsten Studie sind eindeutig. Demnach können die Flughäfen geöffnet bleiben, denn das Virus ist schneller als das Flugzeug. Die Übertragung von Mensch zu Mensch erfolgt beim allgemeinen Grippevirus im Vergleich zu anderen Krankheiten außerordentlich rasch. Vergleichbar schnell wäre wohl die Übertragung von H5N1. Bloße zwei bis drei Wochen Aufschub würde man durch die Schließung der Flughäfen gewinnen. Das haben Neil Ferguson und Kollegen vom Imperial College in London in einer ähnlichen Studie, die in der Zeitschrift „Nature“ veröffentlicht worden ist, herausgefunden.
Mehr Medikamente
Wichtiger sei es, so die Forscher, antivirale Mittel zur Behandlung Infizierter und zur Vorbeugung für Familienangehörige zu verteilen. Dafür müßten allerdings große Vorräte an diesen Medikamenten angelegt werden, wenigstens für die Hälfte der Bevölkerung. Zusammen mit der Schließung von Schulen könnte so die Infektionsrate halbiert werden. Die Impfung von Kindern könnte die Rate nochmals vermindern. Die Forscher raten daher, die noch unzureichenden Vorräte an Medikamenten aufzustocken und sich bei den Vorsorgemaßnahmen auf die lokale Ausbreitung zu konzentrieren.
