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Vogelgrippe Drittes türkisches Kind erliegt der Vogelgrippe

06.01.2006 ·  Auch das dritte infizierte Kind einer Familie aus dem Osten der Türkei ist an der Vogelgrippe gestorben. Dennoch gibt es keine Hinweise, daß sich das Virus von Mensch zu Mensch übertragen hat. Doch es paßt sich immer mehr an.

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In der Türkei ist das dritte Kind einer Familie an der Vogelgrippe gestorben. Eine Schwester der beiden ersten Opfer sei der Krankheit erlegen, teilten die Ärzte in Van im Osten des Landes am Freitag mit. Das Mädchen lag bereits seit mehreren Tagen auf der Intensivstation und wurde künstlich beatmet. Ein viertes Kind der Familie aus der Ortschaft Dogubeyazit wird ebenfalls mit Vogelgrippe-Symptomen in Van behandelt.

Daß sich an der Tierseuche, an der zuvor nur in Südostasien und China Menschen erkrankten, auch im Osten der Türkei nahe der Grenze zu Iran Menschen leicht infizieren könnten, wurde von Wissenschaftlern schon seit längerem befürchtet. Das Virus H5N1, mit dem sich seit 2003 nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mehr als 140 Personen angesteckt haben, von denen mehr als die Hälfte starben, trat schon im Oktober in der Türkei auf. Allerdings in der Nähe eines Vogelschutzgebietes im Westen des Landes.

Man nimmt an, daß die Seuche von Zugvögeln eingeschleppt wurde. Personen, die im westlichen Teil der Türkei nur wenig Kontakt mit Geflügel haben, wurden damals nicht infiziert. In Ostanatolien aber halten viele Bewohner Hühner, Enten und Puten zu ihrem Eigenbedarf. Die Tiere laufen tagsüber im Freien umher und werden abends mit in die Häuser genommen. Deswegen sprach der türkische Landwirtschaftsminister Mehdi Eker, der am Donnerstag zu einem Besuch in die Region aufbrach, auch von einem „ernsten Problem“.

Toter war „höchstwahrscheinlich“ infiziert

Noch ist nicht eindeutig geklärt, ob es sich in Ostanatolien um das Virus H5N1 handelt. Nach Angaben der WHO war zumindest der 14 Jahre alte Junge, der schon am vergangenen Sonntag starb, „höchstwahrscheinlich“ mit dem vor allem aus Asien bekannten Influenzavirus infiziert. Das Nationale Referenzlabor in Ankara hat die Annahme der Weltgesundheitsorganisation durch Untersuchungen bestätigt. Eindeutig nachgewiesen wurde die fünfte Variante des Hämagglutinins (H5) bei mittlerweile sechs Patienten. Eine genaue Bestimmung der Neuraminidase-Variante steht noch aus. Die Proben wurden zur endgültigen Klärung ans EU-Referenzlabor im britischen Weybridge geschickt.

Am Donnerstag nachmittag war die Rede von mindestens dreizehn Verdachtsfällen auf Vogelgrippe in der Türkei. Eine solche plötzliche Häufung hat es schon mehrfach gegeben, unter anderem im Norden Vietnams. Bislang hatten alle Erkrankten aber Zugang zu jeweils nur einer Infektionsquelle: Geflügel. Einen Hinweis auf eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung gibt es auch in der Türkei bislang nicht. Das Risiko, daß das Vogelgrippevirus H5N1 eine Pandemie auslöst, ist deswegen nach Meinung von Fachleuten zwar immer noch vorhanden, aber durch die Todesfälle in der Türkei nicht sehr viel größer geworden. Das bestätigt unter anderem auch die Sprecherin des Robert-Koch-Instituts in Berlin, Susanne Glasmacher: „An unserer Risikoeinschätzung hat sich nichts geändert.“

Tamiflu-resistentes Virus

Allerdings steht außer Frage, daß, je mehr sich das Virus verbreitet und vermehrt, die Wahrscheinlichkeit steigt, daß es sich auch verändert und weiter an den Menschen anpaßt. Aus Vietnam liegen Nachweise vor, daß sich eine neue, gegen das Grippemittel Tamiflu (Wirkstoff: Oseltamivir) resistente Variante des H5N1 entwickelt hat. Ein 13 Jahre altes vietnamesisches Mädchen hatte zunächst auf die Behandlung von Tamiflu reagiert, starb aber dann doch acht Tage später an der Vogelgrippe.

Das resistente Virus hatte sich vermehrt und war ursächlich für den Tod des Kindes. Wenige Tage später starb noch ein weiteres Mädchen. Für Susanne Glasmacher ist eine Resistenz gegen Tamiflu nicht überraschend: „Neu ist, daß es ein mutiertes Virus gibt, das offenbar die Ursache für den Tod der beiden Mädchen war.“ Da dieses Virus sich aber nicht von Mensch zu Mensch verbreitet habe, liege keine unmittelbare Gefahr vor. Es zeige nur, wie bedrohlich das Virus werden könne.

Tamiflu - ein Neuraminidase-Hemmer - ist ein bekannter Grippe-Arzneistoff. In Japan ist es so beliebt, daß schon Resistenzen bei einigen Influenzaviren nachgewiesen wurden. Da Tamiflu im Gegensatz etwa zu dem Neuraminidase-Hemmer Relenza (Wirkstoff: Zanamivir), der inhaliert werden muß, oral eingenommen wird, wird dem Mittel der Firma Roche meist der Vorzug gegeben - auch im Nationalen Pandemieplan für Deutschland. Da das Mittel zudem im Blut wirkt und nicht nur - wie Relenza - in der Lunge, könnte der Arzneistoff auch besser gegen ein neuartiges Pandemievirus wirken.

Quelle: pps., F.A.Z., 06.01.2006, Nr. 5 / Seite 7
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