Home
http://www.faz.net/-2b6-ryk3
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER
Aktuelle Nachrichten online - FAZ.NET

Medizin Antivirale Medikamente: Tamiflu & Co.

15.02.2006 ·  Die antiviralen Medikamente Tamiflu und Relenza gelten bei einer Grippe-Pandemie als die vielversprechendsten Mittel. Die Bundesländer wollen bis Ende 2006 mehr als acht Millionen Dosen beider Medikamente kaufen. Für Privatleute lohnt sich der Vorratskauf aber nicht.

Artikel Bilder (1) Video (1) Lesermeinungen (0)

Die antiviralen Medikamente Tamiflu (Roche) und Relenza (GlaxoSmithKline) gelten bei einer Grippe-Pandemie als die vielversprechendsten Mittel.

Die deutschen Bundesländer wollen bis Ende 2006 mehr als acht Millionen Dosen beider Medikamente als Vorsichtsmaßnahme kaufen. Sie sollen die Monate zwischen einem Pandemie-Ausbruch und der Entwicklung eines Impfstoffs überbrücken. Der Tamiflu-Hersteller Roche verzeichnet seit der Ausbreitung der Vogelgrippe eine große Nachfrage und will Herstellungslizenzen an andere Firmen vergeben. Dies braucht aber Zeit: Laut Roche dauert es in der Regel sechs bis acht Monate und zehn Fertigungsschritte.

Das Bundesgesundheitsministerium rät Privatleuten davon ab, sich antivirale Medikamente selbst zu kaufen. Das bayerische Gesundheitsministerium hat aber Asien-Reisenden geraten, sich vor Abflug Tamiflu zu besorgen. Ein Tamiflu-Vorrat ist nach Ansicht der Behörde auch für größere Firmen sinnvoll, weil sie bei einer Pandemie ihre Belegschaft schützen und Ausfallkosten senken können. Experten betonen, daß man die antiviralen Medikamente nur unter ärztlicher Aufsicht bei der echten Influenza und nicht bei einem grippalen Infekt einnehmen soll.

Video: H5N1 in Deutschland nachgewiesen

Neuraminidase-Hemmer

Die beiden rezeptpflichtigen Arzneien mit den Wirkstoffen Oseltamivir beziehungsweise Zanamivir werden auch Neuraminidase-Hemmer genannt.

Neuraminidase ist eine Eiweißstruktur an der Virushülle. Wird diese Struktur von den Medikamenten blockiert, können neu gebildete Influenza-Viren die Wirtszelle nicht mehr verlassen. Der Erreger kann sich nicht weiter im Körper ausbreiten. Die zum Teil schweren Komplikationen einer Grippe können mit den Medikamenten verhindert werden. Beide Mittel können auch prophylaktisch eingenommen werden, obwohl in Deutschland nur Tamiflu eine Zulassung dafür hat. Bei ersten Influenza-Symptomen müssen Erkrankte innerhalb von zwei Tagen ein antivirales Mittel nehmen. Tamiflu gibt es als Tablette oder Saft, Relenza als Pulver, das inhaliert wird. Tamiflu wird wesentlich häufiger verschrieben als Relenza.

Keine Resistenzen gegen Tamiflu bekannt

Bereits vor der Zulassung von Tamiflu und Relenza 1999 gab es die antiviralen Medikamente Amantadin und Rimantadin, so genannte M2-Hemmer. Sie haben zwar mehr Nebenwirkungen, sind aber billiger als die neuen Arzneien. Sie wurden erfolgreich bei Menschen eingesetzt, die sich 1997 in Hongkong mit dem Vogelgrippe-Virus infiziert hatten. Seitdem hat sich aber das Virus verändert und ist gegen die Arzneien resistent geworden.

Nach Aussage von Roche und GlaxoSmithKline sind bei Tamiflu und Relenza noch keine Resistenzen bekannt. Allerdings wurde inzwischen der Fall eines vietnamesischen Mädchens veröffentlicht, das sich mit der Vogelgrippe ansteckte und nicht auf Tamiflu reagierte. Relenza schlug dagegen an. Forscher schließen daraus, daß man möglichst beide Arzneimittel auf Lager haben sollte.

Quelle: FAZ.NET mit Material von AP
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel