Home
http://www.faz.net/-2b5-wg3b
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER
Aktuelle Nachrichten online - FAZ.NET

Liechtensteiner Landesbank Anklage gegen vier mutmaßliche Erpresser

29.02.2008 ·  In Rostock hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen vier Männer wegen Erpressung der Liechtensteiner Landesbank erhoben. Ihnen wird zur Last gelegt, sich im Mai 2005 Kontenbelege verschafft zu haben, um die Bank zu erpressen. Die zum Teil erheblich vorbestraften Männer müssen mit mehrjährigen Freiheitsstrafen rechnen.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (2)

Die Staatsanwaltschaft Rostock hat gegen vier Männer Anklage wegen Erpressung der Liechtensteiner Landesbank (LLB) erhoben. Die in Untersuchungshaft befindlichen Männer zwischen 51 und 50 Jahren sind der Erpressung in besonders schweren Fällen verdächtig, wie die Ermittlungsbehörde am Freitag mitteilte. Den vier Männern werde zur Last gelegt, sich im Mai 2005 mindestens 2.325 Kontenbelege, die zuvor der LLB von einem Bankmitarbeiter gestohlen worden seien, verschafft zu haben, um sie erpresserisch zu verwerten, hieß es.

Dazu sollen die Verdächtigen Michael F. und Thomas K. zunächst den Kontakt zu LLB-Kunden in Deutschland aufgenommen haben. Unter einem Decknamen habe Thomas K. bei ihnen angerufen und Geld gefordert, sonst würden die Kontoinformationen an Finanzbehörden weitergegeben. Die geforderten Summen entsprachen den Angaben zufolge etwa einem Zehntel der bei der LLB angelegten Geldsummen. Zur Übergabe der Geldbeträge sei es aus unterschiedlichen Gründen nicht gekommen.

Rund 13 Millionen Euro gefordert

Nach den erfolglosen Erpressungsversuchen haben die Angeschuldigten nach den Ermittlungen dann von der LLB im Juli 2005 rund 13 Millionen Euro gefordert. Als Gegenleistung hätten die Männer angeboten, die Kontendaten nicht zu veröffentlichen oder den deutschen Finanzämtern zu übergeben.

Im Lauf der über Kontaktpersonen geführten Verhandlungen waren nach bisherigen Erkenntnissen Michael F. im August 2005 in einem Hotel in Zürich 7,5 Millionen Schweizer Franken gegen die Aushändigung der ersten 700 Kontenbelege in bar ausgezahlt worden sein. Ende August 2007 folgten weitere 900 Kontenbelege gegen vier Millionen Euro der LLB. Eine dritte für August 2009 vorgesehene Zahlung für weitere Kontenbelege platze wegen der Festnahme von Michael F. im September 2007.
Die von der LLB entwendeten Kontenbelege sollen Kundennamen und -adresse, Kontonummer und die Vermögenswerte enthalten. Die Angeschuldigten haben sich zu dem Verbleib der noch nicht an die LLB herausgegebenen Belege bislang nicht geäußert.

Die vier zum Teil erheblich vorbestraften Angeschuldigten befinden sich wegen des dringenden Tatverdachts und Fluchtgefahr in Untersuchungshaft. Sie haben mehrjährige Freiheitsstrafen zu erwarten. Für drei Angeschuldigte hat die Staatsanwaltschaft Rostock die Prüfung der Sicherungsverwahrung veranlasst.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen