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Snowboard Sprünge in den Himmel

07.01.2008 ·  Sechs-Sterne-Snowboarden in Davos: Die Ticket-To-Ride-Tour zeichnet sich in Konkurrenz zum Snowboard-Weltcup durch „ständige Innovation, Lebensfreude und positive Provokation“ aus - und hat mächtige Sponsoren gewonnen.

Von Michael Eder, Davos
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Am Abend gibt es viele Ziele in Davos. Thomas Manns Zauberberg auf der Schatzalp zum Beispiel - oder für weniger besinnliche Geister auch Dutzende von Hotelbars, Clubs, Konzerten. In der Neujahrswoche ist eine Attraktion hinzugekommen, und die Skibusse, die zwischen Rinerhorn und Parsenn pendeln, laden am Bahnhof Davos-Platz jede Menge Schaulustige ab, tagsüber und auch am Abend.

Ziel von Alt und Jung ist die Bolgenschanze am Fuß des Jakobshorns, wo innerhalb von zwei Wochen die aktuell aufregendste Schnee- und Eislandschaft für Snowboarder in den Alpen entstand. Als Bühne für die „O'Neill Evolution“ modellierten die Davoser unter mobilen Flutlichtmasten eine Halfpipe mit fünfeinhalb Meter hohen Wänden, daneben, ebenfalls im überdimensionierten Maßstab, eine zehn Meter hohe Quarterpipe, ein Absprung also, über den sich die besten Snowboarder der Welt geradewegs in den Himmel katapultieren.

Event mit sechs Sternen

Schon das Training und die Qualifikation auf dieser Anlage lockten die Zuschauer in Massen, und bei der Stunt-Show, die sie zu sehen bekamen, sorgte zunächst Seb Toots für Erstaunen. Der erst 15 Jahre alte Kanadier sprang in der Qualifikation siebeneinhalb Meter über die Absprungkante hinaus, erreichte damit eine Flughöhe von 17,5 Meter und zog überraschend ins Finale ein, das der 19 Jahre alte Norweger Kim Rune Hansen vor 7000 Zuschauern für sich entschied. Den Wettbewerb in der Halfpipe gewann der Amerikaner Andy Finch, der damit auch die Führung in der Weltrangliste übernahm.

Die „O'Neill Evolution“ zählt zu den bedeutendsten Snowboardevents, sie ist mit 100.000 Dollar dotiert. Im Kalender der Ticket-To-Ride-Tour (TTR) ist sie eine von weltweit sechs Veranstaltungen, die mit der höchsten Wertung (sechs Sternen) geführt werden. Genau so viele Punkte für die TTR-Weltrangliste sind nur noch beim Air&Style in München, dem X-Trail in Tokio, den European Open in Laax, der Arctic Challenge in Oslo und den US Open in Stratton Mountain zu gewinnen.

Die Musik wird von der TTR gemacht

Die TTR-Serie umfasst weltweit alle wichtigen und verbandsunabhängigen Freestyle-Snowboardveranstaltungen und hat den konkurrierenden Internationalen Skiverband (FIS) mit seinem Snowboard-Weltcup weit hinter sich gelassen. Die Musik im Snowboarden wird längst von der TTR gemacht, und es war ein langer Anlauf, bis sie so weit war. Vor sechs Jahren von der norwegischen Snowboard-Ikone Terje Haakonsen und dem australischen Partylöwen und Workaholic Drew Stevenson auf den Weg gebracht, operiert die TTR mittlerweile als Verein nach Schweizer Recht hauptsächlich von Innsbruck aus.

Aus der Idee, eine (ski-)verbandsunabhängige Snowboard-Bewegung zu schaffen, die mit einem klapprigen Laptop als Ausstattung begann, ist eine millionenschwere, professionell aufgestellte Organisation geworden. Im Jahr 2006 hat die TTR den entscheidenden Schritt geschafft, als sie den Schweizer Uhrenhersteller Swatch als Sponsor gewann.

Lebensfreude und positive Provokation“

Den endgültigen Durchbruch und die dauerhafte finanzielle Unabhängigkeit - Swatch engagiert sich mit schätzungsweise drei Millionen Dollar - markierte im Oktober vergangenen Jahres die Verlängerung des Kontraktes bis 2010. „Für uns schafft die Partnerschaft mit Swatch eine solide Basis für die Weiterentwicklung der dynamischsten und progressivsten Snowboard-Plattform der Welt“, sagt TTR-Manager Hannes Schönegger. Der Kalender umfasst mittlerweile mehr als hundert Veranstaltungen weltweit, Tendenz steigend.

Swatch-Chef Nicolas Hayek lobte die Philosophie der TTR als „ständige Innovation, Lebensfreude und positive Provokation“ - was gleichzeitig als Mängelliste für den Skiverband gelten kann. Die Maßstäbe im Freestyle-Snowboarden werden von der TTR gesetzt; die FIS hat den Anschluss verloren, als einzige Trumpfkarte bleiben ihr die Olympischen Spiele, für die sie in Sachen Snowboarden - das IOC will es so - nach wie vor die Nominierungshoheit hat.

Quelle: F.A.Z., 07.01.2008, Nr. 5 / Seite 30
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Jahrgang 1957, Sportredakteur.

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