30.07.2009 · David Rozehnal ist der fünfte und letzte Neuzugang beim HSV. Nur der FC Bayern gab mehr aus. Doch ein Beiersdorfer-Nachfolger ist noch nicht da vor dem Auftakt in der Europa League an diesem Donnerstag. Teil 10 im Bundesliga-Countdown.
Von Frank Heike, HamburgAls sich der schwedische Stürmer Marcus Berg vor zehn Tagen in Hamburg vorstellte, war Bernd Hoffmann ganz in seinem Element. Einen weiteren Transfer nach langem Hin und Her konnte er verbuchen, die Abwicklung des nächsten schien der Vorstandsvorsitzende des Hamburger SV aber schon im Kopf zu haben: „Gedulden Sie sich, wir sind guter Dinge, bald wieder etwas zu vermelden zu haben.“ Es ging um den noch fehlenden Innenverteidiger im Kader des HSV – nach Alex Silvas Kreuzbandriss hatte Trainer Bruno Labbadia Nachbesserung verlangt.
Ziemlich sicher scheint inzwischen, dass Hoffmann zu Beginn der vergangenen Woche die Verhandlungen mit Lazio Rom längst aufgenommen hatte und also wusste, dass David Rozehnal willens war, nach Hamburg zu wechseln. In der aufgeheizten Medienszene ist es immer ein besonderer Erfolg, den Namen eines möglichen Einkaufs lange geheim zu halten – das war Hoffmann im Falle Rozehnal gelungen. Das übliche Gezerre folgte: Lazio verlangte 6,5 Millionen Euro, der HSV wollte nur knapp 5 Millionen zahlen. Nun ist seit Dienstag klar, dass der tschechische Nationalspieler der letzte Neue bei den Hamburgern in diesem Transfersommer sein wird. Am Mittwoch überstand der 29 Jahre alte Innenverteidiger auch den medizinischen Check beim HSV problemlos.
Nach Robert Tesche, Zé Roberto, Eljero Elia und Marcus Berg ist Rozehnal fünfter und letzter Einkauf des Duos Hoffmann/Labbadia. Hoffmann hat sein Versprechen also gehalten, die Einkaufsliste zum ersten Pflichtspiel der Saison abgearbeitet zu haben – ein Seitenhieb auf den im Streit mit ihm entlassenen Sportchef Dietmar Beiersdorfer. Er hatte sich immer viel länger Zeit gelassen, gern bis Ende August.
„Wir kriegen noch Geld für van der Vaart und de Jong“
Das erste Pflichtspiel: so weit ist es schon an diesem Donnerstag (20.30 Uhr); nach nur drei Wochen Vorbereitung spielt der HSV in der Qualifikationsrunde zur Europa League beim dänischen Klub Randers FC. Gegen die selbst für dänische Verhältnisse mittelmäßigen Jütländer (trainiert vom ehemaligen Hamburger Profi John Jensen) will der HSV zu einer langen europäischen Kampagne aufbrechen, die erst im Mai enden soll: das Finale der neuen Europa League findet dann nämlich in der Hamburger Arena statt.
Bruno Labbadia vergisst an keiner Stelle zu erwähnen, wie eng er bei den Transfers mit „Herrn Hoffmann“ zusammengearbeitet hat, dass er schon bei seinem Vorstellungsgespräch Ende Mai eine „lange Liste mit Namen“ gehabt habe, von denen viele nun auch zum HSV gekommen sind. Fast 24 Millionen Euro haben die Hamburger auf dem Transfermarkt ausgegeben, übertroffen nur von den Bayern.
Eigentlich hatte es ja geheißen, es stünden nur 16 bis 18 Millionen Euro zur Verfügung; ein Umstand, der neben anderen den alten Trainer Martin Jol vertrieben hatte. Nun ist es dank der Risikobereitschaft der Kontrollgremien mehr geworden. Das Geheimnis lautet Ratenzahlung. Räte-Chef Horst Becker sagt: „Die Liquidität ist genau geprüft. Wir kriegen noch Geld für van der Vaart und de Jong, und unsere Belastungen verteilen sich auf mehrere Jahre.“
Schlechte Einkaufsbilanz des letzten Winters als Problem
Niemand kann heute sagen, ob die Einkäufe des Bernd Hoffmann allesamt Volltreffer werden. Noch ist kein wichtiges Spiel gespielt. Doch der noch im Juni vorausgesagte Untergang des HSV ohne Jol und Beiersdorfer scheint bis auf weiteres auszubleiben: alle Transfers von Tesche bis Rozehnal sehen nach Verstärkungen oder zumindest sinnvollen Ergänzungen aus.
Einer der Gründe des Zerwürfnisses zwischen Hoffmann und Beiersdorfer war ja die schlechte Einkaufsbilanz des letzten Winters, als Masse statt Klasse kam, die den HSV keinen Schritt weiterbrachte. Vor allem Zé Roberto mit seiner Passgenauigkeit und David Rozehnal mit seiner Athletik und Zweikampfstärke könnten Labbadias Team sofort voranbringen. So gibt es auch nur zuversichtliche Stimmen aus der Mannschaft darüber, was Vorstand und Trainer auf dem Transfermarkt bewegt haben.
Mitte August soll der Beiersdorf-Nachfolger feststehen
„Erst die Stars, dann der Sportchef“, das war Hoffmanns Motto der arbeitsintensiven Monate Juni und Juli. Die Doppelaufgabe hat ihn aufgerieben, der Erfolg bei den Verhandlungen aber auch motiviert. Trotzdem wird ein Beiersdorfer-Nachfolger kommen. Spätestens Mitte August soll eine Entscheidung gefallen sein. Es gibt viele Namen: Stefan Reuter, Oliver Kreutzer, Bernd Wehmeyer, Michael Schröder.
Reuter soll Hoffmanns Favorit sein, bei den Räten gibt es auch einige Stimmen für den derzeitigen Team-Manager Bernd Wehmeyer. Der hatte diesen Job schon von 1996 bis 1998 inne, holte Spieler wie Butt, Yeboah, Cardoso, Gravesen. Sicher nicht der schlechteste Ausweis. Zuletzt durfte Wehmeyer schon mal alte Kenntnisse auffrischen: mit Hoffmann telefonisch verbunden, führte er die Verhandlungen in Rom.