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Weltmeister Anand im Gespräch „Über diesen Zug habe ich eine Woche nachgedacht“

31.10.2008 ·  Nach der WM will Anand erstmal abschalten. Die Flüge nach Indien sind schon gebucht. Sein nächstes Turnier wird er im März 2009 spielen - wo die Besten der Welt gegeneinander antreten. Ob es dann einen weiteren WM-Zweikampf geben wird, verrät er nicht.

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Nach der Weltmeisterschaft in Bonn will Anand erstmal abschalten. Die Flüge nach Indien sind schon gebucht. Sein nächstes Turnier wird er im März 2009 im spanischen Linares spielen - wo jedes Jahr die Besten der Welt gegeneinander antreten. Ob es im September dann einen weiteren WM-Zweikampf geben wird, verrät er nicht. FAZ.NET hat mit dem Weltmeister gesprochen.

Was bedeutet Ihnen dieser WM-Sieg?

Ich freue mich, endlich Zweikampfweltmeister zu sein. Meinen ersten WM-Titel 2000 habe ich ja innerhalb eines Jahres verloren. Dann folgten einige Jahre, in denen ich keine Chance bekam, um den Titel zu spielen. Nach meinem Sieg in Mexiko war es mein Recht, meinen Titel hier zu verteidigen.

Von außen wirkte Ihr Sieg leicht.

Es wird leichter, wenn man eine Partie gewonnen hat.

Sie gewannen drei der ersten sechs.

Ein Drei-Punkte-Vorsprung ist enorm, aber wenn man hier und da eine Partie abgibt, ist alles wieder offen. Es war entscheidend, dass ich die achte und neunte Partie halten konnte...

... in denen Sie trotz Ihrer Führung riskante Eröffnungen wählten, warum?

Ich wollte bei meiner Vorbereitung bleiben. Man sollte den Kurs nicht völlig ändern, solange man noch anderthalb Punkte braucht. Es gibt viele Beispiele von Leuten, die passiv spielten, und noch alles verloren.

Hat Kramnik Sie überhaupt überrascht?

In der zehnten Partie sind wir ihm in eine fantastische Vorbereitung gelaufen. In der Meraner Variante sind wir ihm zuvorgekommen, im Nimzoinder haben wir das nicht geschafft.

Die dritte und fünfte Partie gewannen Sie mit einem verblüffenden Läuferzug nach b7. Wie kamen Sie darauf?

Ich fand ihn selbst, aber den größten Anteil hat Rustam Kasimdschanow. Als er in mein Team kam, habe ich ihm von einer Idee im Meraner System erzählt. Es stellte sich heraus, dass Rustam den Zug schon ein Jahr vorher gefunden und viel tiefer als ich analysiert hatte. Das war eine gute Basis.

Wie lange analysierten Sie diesen Zug?

Eine Woche oder ein bisschen mehr.

Normalerweise eröffnen Sie mit Weiß mit dem Königsbauern. Wann haben Sie sich entschieden, gegen Kramnik als erstes den Damenbauern zu ziehen?

Schon voriges Jahr. Ich habe die Entscheidung früh getroffen und mir vorgenommen, dabei zu bleiben, um genug Zeit zu haben, und selbst dann 1.d4 zu spielen, wenn ich bei Matchbeginn nicht völlig bereit dazu bin.

Sie haben in Bonn auffällig häufig nicht rochiert. Wird die Königssicherheit überschätzt?

Es kam einfach so. Es ist ein typisches Motiv in einigen Eröffnungen, die ich gespielt habe, dass man so viele Bauern in der Mitte hat, dass der König in der Mitte sicher steht.

Gibt es Stellungsmerkmale, die Kramnik anders als Sie beurteilt?

Ich bin etwas taktischer orientiert, er spielt lieber Endspiele und technische Stellungen. Aber im allgemeinen denken wir nicht so verschieden.

Kramniks früherer Sekundant Jewgeni Barejew hat in einem Buch über dessen frühere WM-Kämpfe viele Interna ausgebreitet. War das wertvoll für Sie?

Jewgeni ist ein bekannter Spaßvogel. Meine Sekundanten haben das Buch vorsichtshalber gelesen. Aber ich war mir nicht sicher, was ich ernst nehmen sollte und was nicht.

Kramnik sagte nach dem Kampf, er müsse sein ganzes Spiel umstellen. Ist das der Rat, den Sie ihm geben würden?

Dem will ich nicht widersprechen. Auch der Gewinner hat viel aus so einem Wettkampf zu lernen. Ich habe mich noch fast überhaupt nicht mit den Partien befasst, aber meine Sekundanten haben mich schon darauf hingewiesen, dass ich zweimal den nahezu gleichen Zug übersehen habe: In der dritten Partie konnte ich mit Läufer f5 schlägt d3 sofort gewinnen, in der neunten Partie hätte ich umgekehrt mit Läufer d3 schlägt f5 Remis erzwingen können. Das Match war eine Chance, mich als Schachspieler etwas weiterzuentwickeln.

Viele Medien haben Ihr harmonisches Verhältnis mit Ihrem Gegner herausgestrichen. Dabei hat Kramnik Sie nie wirklich als Weltmeister anerkannt.

Ich habe das als Teil der psychologischen Kriegsführung vor so einem Kampf gesehen. In Bonn gab es keine Konflikte, wir konnten uns völlig auf Schach konzentrieren. Kramniks Aussage, dass ich seinen Titel nur geliehen hätte, habe ich als Ansporn genutzt.

Was wird Sie in Zukunft motivieren?

Etwas wird sich ergeben. Im Moment denke ich nur an Erholung. Die nächsten vier Monate verbringe ich in Indien.

Es gibt bereits Berichte, dass Sie Ihren Titel im September 2009 verteidigen.

Darüber können wir in ein paar Wochen reden. Nun möchte ich diesen Titel genießen.

Das Gespräch führte Stefan Löffler.

Quelle: F.A.Z.
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