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Siebte Partie der Schach-WM Kramnik erkämpft mit Schwarz Remis

23.10.2008 ·  Bei der Schach-WM hat Herausforderer Kramnik seine Niederlagenserie gestoppt und zumindest ein Remis gegen Weltmeister Anand erreicht. Die russische Schachlegende Karpow hat unterdessen das WM-Reglement kritisiert.

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Unentschieden endete die siebte Runde des Schach-WM-Zweikampfes zwischen Viswanathan Anand und Wladimir Kramnik. Damit führt der Weltmeister aus Indien weiter mit drei Punkten Vorsprung. 1,5 Punkte muss er aus den noch anstehenden fünf Partien holen, um seinen Titel zu verteidigen.

Anand hatte in der siebten Runde Weiß und blieb seinem Stil während treu, mit dem Damenbauern zu eröffnen. Kramnik dagegen wendete erstmals in dem Match die so genannte Slawische Verteidigung an, die ansonsten zu den von ihm am häufigsten gespielten Eröffnungen zählt. Was folgte, war ein eher ruhiges Abspiel, indem Anand immer über einen minimalen Vorteil verfügte, weil er einen größeren Teil des Brettes mit seinen Figuren kontrollierte. Kramnik hielt geschickt dagegen und konnte die Damen und ein Turmpaar tauschen. Das resultierende Endspiel versandete schnell in einer keine Gewinnchancen mehr zulassenden Situation. Nach 37 Zügen und etwas mehr als drei Stunden Spielzeit vereinbarten die Kontrahenten Remis.

Die Experten loben Anand

„Kramnik steht am Abgrund, die Zeit läuft ihm davon“, erklärte der deutsche Großmeister und Kommentator Helmut Pfleger nach der siebten Partie in der Bonner Kunsthalle. „Ich kann nur hoffen, dass jetzt ein Ruck durch ihn geht und er den psychologischen Ballast abwirft, um nicht total unterzugehen“, sagte Pfleger. Der 65-jährige Münchner bewunderte die bisherige Leistung von Weltmeister Anand. „Kramnik zu schlagen, ist etwas ganz Seltenes. Und dann gleich dreimal“, sagte Pfleger (Siehe: FAZ.NET-Sonderseite Schach).

Der frühere WM-Kandidat Artur Jussupow lobte ebenfalls die starke Vorstellung Anands. „Ich würde dem Herausforderer empfehlen, die Eröffnung zu wechseln. Man muss dem Gegner Überraschungen präsentieren, um eine Chance zu bekommen“, sagte Jussopow.

„Wir sind keine Bewegungssportart“

Die russische Schachlegende Anatoli Karpow hat unterdessen am Rande der WM die Führung des Weltverbandes Fide, das bestehende WM-Reglement und die erstmals durchgeführten Dopingkontrollen kritisiert. „Ich bin für die klassische Linie und will keine Experimente mehr: Kandidatenturniere - WM-Match - Punkt“, sagte der langjährige Weltmeister der zeitung „Neues Deutschland“.

In der Vergangenheit hatte es Kandidatenturniere zur Ermittlung des WM-Herausforderers gegeben. 2006 gab es einen Vereinigungskampf zwischen dem „klassischen“ Weltmeister Wladimir Kramnik (Russland) und Fide-Champion Wesselin Topalow. 2007 wurde der Weltmeister in Mexiko-Stadt in Turnierform ermittelt - es siegte der Inder Anand.

„Aufputschmittel helfen einem Großmeister nicht“

Karpow nahm auch Fide-Präsident Kirsan Iljumschinow unter Beschuss: „Iljumschinow hat keine guten Berater und trifft manchmal falsche Entscheidungen. Er braucht echte Schachprofis als Ratgeber. Die jetzigen Seilschaften denken nur an ihren Vorteil und verstehen zu wenig vom Schach. Darum dümpelt der Verband vor sich hin. Er muss dringend erneuert werden.“ Er selbst stehe derzeit als Präsident nicht zur Verfügung, aber, so fügte Karpow an, „Neuwahlen sind erst in zwei Jahren. Fragen Sie mich dann noch einmal.“

Als „völligen Quatsch“ bezeichnete der 57-jährige Karpow die in Bonn nach der sechsten Partie durchgeführten Dopingkontrollen bei Anand und Kramnik. „Die Föderation will unbedingt, dass Schach olympisch wird, darum diese Geste. Wir sind aber keine Bewegungssportart. Und Aufputschmittel helfen einem Großmeister nicht, besser zu denken“, erklärte Karpow, der zwei Tage lang WM-Ehrengast war und am Dienstag die sechste Partie symbolisch eröffnet hatte (Siehe: Großmeister Hübner: „Schach ist kein Sport“ ).

7. Partie (Damengambit)
Weiß: Viswanathan Anand (Indien) - Schwarz: Wladimir Kramnik (Russland) 0,5:0,5

1.d4 d5; 2.c4 c6; 3.Sf3 Sf6; 4.Sc3 dxc4; 5.a4 Lf5; 6.e3 e6; 7.Lxc4 Lb4; 8.00 Sbd7; 9.De2 ;Lg6 10.e4 00; 11.Ld3 Lh5; 12.e5 Sd5; 13.Sxd5 cxd5; 14.De3 Te8; 15.Se1 Lg6; 16.Lxg6 hxg6; 17.Sd3 Db6; 18.Sxb4 Dxb4; 19.b3 Tac8; 20.La3 Dc3; 21.Tac1 Dxe3; 22.fxe3 f6; 23.Ld6 g5; 24.h3 Kf7; 25.Kf2 Kg6; 26.Ke2 fxe5; 27.dxe5 b6; 28.b4 Tc4; 29.Txc4 dxc4; 30.Tc1 Tc8; 31.g4 a5; 32.b5 c3; 33.Tc2 Kf7; 34.Kd3 Sc5+; 35.Lxc5 Txc5; 36.Txc3 Txc3+

Stand: Anand - Kramnik 5,0:2,0

Quelle: FAZ.NET mit dpa
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