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Schach-WM Kramniks Kontakt zum Kreml

14.10.2008 ·  Herausforderer Kramnik hat mehr Zweikampferfahrung als der Weltmeister. Einer seiner ehemaligen Gegner berät ihn jetzt: Der ungarische Supergroßmeister Peter Leko. Diese Personalie kommt aber nicht völlig überraschend, weil beide dem gleichen Manager vertrauen.

Von Stefan Löffler
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Vor vier Jahren kämpften sie gegeneinander um den Titel, nun sind sie ein Team: Der ungarische Supergroßmeister Peter Leko ist Sekundant von Wladimir Kramnik. Die Personalie kommt nicht völlig aus dem Nichts, da beide dem gleichen Manager vertrauen. Dennoch sollte das Anand unangenehm überraschen. Leko ist nicht nur einer seiner schwierigsten Gegner, sondern hat auch ein ähnliches Eröffnungsrepertoire wie der Weltmeister aus Indien.

Während der vergangenen zehn Monate hat sich Kramnik auf das WM-Match vorbereitet. Fast zwei Monate trainierte er nahe Bonn in der Vulkaneifel mit seinem Team, zu dem neben Leko sein Landsmann Sergei Rubljewski und der Franzose Laurent Fressinet zählen. Dort hat Kramnik sich auch körperlich in Form gebracht. Täglich zog er seine Bahnen im Schwimmbecken bis zu eineinhalb Kilometern. Seinen Physiotherapeuten hat er diesmal aber nicht dabei. Vor zwei Jahren plagten ihn so starke Schmerzen im Rücken und in den Beinen, dass er ohne Massage nicht einschlafen konnte. Inzwischen kontrolliert Kramnik sein Arthritisleiden, das ihn 2006 zu einer mehrmonatigen Turnierpause zwang, mit Medikamenten.

Kramnik sieht sich nicht als Herausforderer

In Bonn sieht er sich selbst nicht in der Rolle des Herausforderers. Dabei wurde er bei der voriges Jahr in Mexiko-Stadt als Achterturnier ausgetragenen WM nur geteilter Zweiter hinter Anand. Der wahre Weltmeister werde im Zweikampf ermittelt, betont Kramnik ebenso trotzig wie eigennützig. Tatsächlich spricht die größere Zweikampferfahrung für ihn. Seine Duellstärke wird aber oft übertrieben. 1998 unterlag er Alexei Schirow in einem Kandidatenfinale. Trotzdem spielte er im Jahr 2000 gegen den damaligen Weltmeister Garri Kasparow und eroberte die Schachkrone. Der Triumph über den wohl stärksten Spieler der Schachgeschichte ließ Kramnik schon im Alter von 25 Jahren den Gipfel seiner Karriere erklimmen. In der Weltrangliste kam er an Kasparow aber nicht heran. Als Kramnik seinen Titel 2004 gegen Leko verteidigte, rettete er sich in letzter Minute in ein Unentschieden. Das genügte ihm damals, um Weltmeister zu bleiben. Vor zwei Jahren behielt er dann gegen den Bulgaren Wesselin Topalow in einem Schnellschach-Stechen den kühleren Kopf.

Seinen Lebensmittelpunkt hat der vor 33 Jahren in Tuapse am Schwarzen Meer geborene Russe seit sieben Jahren in Paris, wo er mit einer Journalistin verheiratet ist. Jüngst sind die Bande zu seiner Heimat aber wieder stärker geworden. Im Juli schloss er einen Sponsoringvertrag mit einem Baustoffkonzern. Im August spielte er entgegen seinen ursprünglichen Plänen ein Turnier in Moskau. Und obwohl er erwartet, nach dem WM-Kampf eine mehrmonatige Pause zu brauchen, will er nur zehn Tage später bei der Schacholympiade in Dresden für sein Land antreten.

Finanzminister Steinbrück ist sein Fan

Dahinter steckt nicht nur Patriotismus. In dem stellvertretenden russischen Ministerpräsidenten Alexander Schukow, der auch Vorsitzender des Russischen Schachverbandes ist, hat er einen wichtigen Fürsprecher. Nach Kasparows Abschied im März 2005 war der gegen diesen errungene inoffizielle WM-Titel kaum noch etwas wert, zumal der Weltschachbund Fide sich damals klugerweise vom K.-o.-Modus verabschiedete und den nächsten Weltmeister in einem Rundenturnier ermittelte. Von den führenden Spielern fehlte dabei nur Kramnik, Topalow gewann überlegen. Schukow setzte für Kramnik ein Match gegen den Bulgaren durch. Denn da Fide-Präsident Kirsan Iljumschinow zugleich Gouverneur der südrussischen Teilrepublik Kalmückien ist, musste er sich dem Kreml-Wunsch fügen.

Schukow ist aber nicht der einzige mächtige Freund Kramniks. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück bekennt sich als Fan des Russen und schreibt sich zu, die WM persönlich nach Deutschland geholt zu haben. Um den Hauptsponsor an Land zu ziehen, habe er den früheren Wirtschaftsminister Werner Müller angerufen, der heute den aus der RAG hervorgegangenen Mischkonzern Evonik leitet. Abgerundet wird das Netzwerk des Herausforderers Kramnik von der Firma Universal Event Promotion (UEP). Sie gehört dem aus Russland stammenden Rohstoffhändler Josef Resch, der Kramnik ebenfalls eng verbunden ist.

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