Home
http://www.faz.net/-2b0-rzge
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER
Aktuelle Nachrichten online - FAZ.NET

Malerei in der BRD „Warum wirst du nicht Galerist?“: Jubiläum in der Düsseldorfer Galerie Wolfgang Gmyrek

26.01.2006 ·  „Figuration, das war mein Thema“, erinnert sich der Galerist Wolfgang Gmyrek an seine Anfangszeit in Düsseldorf. Nun feiert er mit ebendieser figurativen Malerei ein äußerst konsequentes Jubiläum.

Von Catrin Lorch
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Das rote Stück Fleisch sieht aus, als habe man es doppelt erlegt: Das Gewicht des Knochens hält es bereits am Boden, und es ist auch noch ein Ast hineingespießt. Das „Kotelett am blühenden Kirschblütenzweig“ von Dieter Krieg ist eine dieser malerischen Alliterationen, die Anfang der achtziger Jahre nicht jedem Kunstfreund wohl klangen.

„Figuration, das war aber mein Thema“, erinnert sich der Galerist Wolfgang Gmyrek an seine Anfangszeit in Düsseldorf. Nun feiert er mit ebendieser figurativen Malerei ein äußerst konsequentes Jubiläum. Die ersten Ausstellungen galten den Jungen Berliner Wilden wie Helmut Middendorf, Rainer Fetting und Bernd Zimmer oder Peter Chevalier und Norbert Tadeusz - jetzt hängen sie alle wieder beieinander, „1980 - 2005 Die Sammlung“ ist die Ausstellung überschrieben.

Schockierende Schwangerschaft

Mehr als zwanzig Künstler sind vertreten, und in der Auswahl zeichnet sich das Leben eines Galeristen ab, der „als Sammler zum Händler wurde“: Dazu gehört auch ein Bild wie Norbert Tadeusz' „Schwanger“, das vor vierzig Jahren in Düsseldorf noch so viel Aufsehen erregte, daß die Ausstellung geschlossen werden mußte. Ermattet und dick hat Norbert Tadeusz die Frau auf grüne Polster gebettet, im blauen Kittelkleid wirft sich ihr Bauch auf, wie ein Wellengebirge. Die Diskrepanz zwischen dem sanften Motiv und der öffentlichen Aufregung schockierte den jungen Kunstfreund. „Damals wurde auch in Berlin Malerei, dort Baselitz, von der Kripo abgehängt, das war für mich unfaßbar.“

Das Kunstverständnis des Gymnasiasten war immerhin von einem Lehrer wie Gotthard Graubner geprägt; sein erstes Bild kaufte er mit 15 Jahren. Als junger Journalist, der über Jazz und Wirtschaftsthemen schrieb, war die Kunstleidenschaft für ihn dann zunächst nur „eine Nebenschiene“. Gmyrek begann Grafikeditionen von jüngeren Künstlern zu verlegen und half dem großen Galeristen Alfred Schmela schon einmal beim Messeaufbau, bis nicht nur er sich fragte: „Warum wirst du eigentlich nicht Galerist?“

Die Väter der neuen Figuration

Es war die richtige Frage zur rechten Zeit, kaum hat der Nachwuchshändler Räume gegenüber dem Benrather Schloß bezogen, und sein Programm steht - mit Künstlern wie Peter Chevalier, Bernd Finkeldei, Helmut Middendorf, Bernd Zimmer und Norbert Tadeusz. Da wird Malerei zum Thema. Die achtziger Jahre eröffnen mit Großausstellungen wie „Zeitgeist“, und die Nachfrage steigt mit dem Interesse der Kuratoren und Museen.

Als die Formate größer werden, zieht Wolfgang Gmyrek in die Mutter-Ey-Straße auf der Rückseite der Kunsthalle und nimmt die „Väter der Neuen Figuration“ wie K. H. Hödicke, Bernd Koberling, Dieter Krieg und Johannes Brus ins Programm. Als Ende des Jahrzehnts Thomas Krens seine erste Ausstellung für das Guggenheim-Museum macht und unter dem Titel „Refigured Painting - The German Image, 1960 - 1988“ deutsche Malerei zeigt, da vermittelt Wolfgang Gmyrek schon mehr als ein Drittel aller Leihgaben.

Spagat zwischen zwei Standorten

Anfang der neunziger Jahre besetzt er wieder neue Räume. Das Areal in der Mühlenstraße, unmittelbar an der Kunstakademie, hat er selbst bebaut. Doch schon vier Jahre später geht der Galerist, der von sich selbst sagt, er sei vor allem „Initiator und Kommunikator“ nach Berlin und gründet dort in Konkurrenz zur Art Cologne, der rheinischen „Mutter aller Messen“, das Art Forum und eröffnet eine Dependance auf der Friedrichstraße, als die Mieten dort noch billig sind.

Aber der Spagat zwischen zwei Standorten zehrt: „Man muß selbst ständig vor Ort sein, und das protestantische Preußen ist ein kargerer Nährboden als die katholischen Rheinlande.“ Inzwischen zählt er in Düsseldorf „mehr als fünfzig ernst zu nehmende Galerien“ und schätzt das Rheinland, in dem sich mehr als dreißig Museen um zeitgenössische und moderne Kunst kümmern.

Entdecken und ermöglichen

Das Wort „Entdeckungen“ hört Wolfgang Gmyrek im Zusammenhang mit der Kunst nicht gerne, es ist ihm zu marktorientiert - dazu habe er schon zu viele Talente gesehen, die nach drei, vier Jahren ausgebrannt und vergessen waren. Er spricht lieber vom „Ermöglichen“ - zeigt die unerprobte Kunst in thematischen Gruppenausstellungen, wie einer Gegenüberstellung von Düsseldorfer und Leipziger Malern, die im vergangenen Jahr seine Galerie-Direktorin Andrea Peters kuratierte, oder gibt den Schülern seiner Künstler Raum im Studioprogramm. Demnächst wird er Miriam Vlaming ausstellen, eine Düsseldorferin, die in Leipzig studiert hat. „Ich gucke mir die Leute lange, lange an. Wie ist ihr Standing, wie viel Kraft haben sie, halten sie es durch.“

„1980 - 2005, Die Sammlung“ in der Galerie Wolfgang Gmyrek geht bis 28. Januar.

Quelle: F.A.S., 22. Januar 2006
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel