27.10.2006 · Noch in diesem August sind Vater und Sohn in Monaco gegeneinander ans Pult getreten, doch damit ist jetzt Schluß. Jacques Tajan wird nun Berater bei Artcurial - das von seinem Sohn François zusammen mit Francis Briest geleitet wird.
Von Angelika HeinickNoch in diesem August sind Vater und Sohn in Monaco gegeneinander ans Pult getreten: Während Jacques Tajan bei den Schmuckauktionen des Hauses Tajan SA im Café de Paris den Hammer schwang, schlug der Sohn François Tajan im Hotel Metropole für Artcurial ebenfalls Juwelen in Millionenhöhe zu. Diese interfamiliäre Rivalität vor dem Hintergrund erbittert konkurrierender Auktionsfirmen hat nun ein Ende gefunden. Wie Nicolas Orlowski, der Präsident von Artcurial, mitteilte, tritt der Vater Jacques Tajan als Mitglied des „Entwicklungskomitees“ und Berater des Hauses in die Firma ein.
Seit Mai 2005 leitet sein Sohn François zusammen mit Francis Briest das Auktionsgeschäft von Artcurial. Wenige Monate zuvor war er aus dem, von seinem Vater gegründeten, Haus Tajan SA ausgeschieden - nicht zuletzt wegen Meinungsverschiedenheiten mit dessen Eigentümerin Rodica Seward, die Tajan SA Ende 2003 vom Luxusgüterkonzern LVMH übernahm. Wenig später kehrte Jacques Tajan als „exklusiver Berater und Akquisiteur“ in diese, seine frühere Firma zurück und leitete Prestigeauktionen mit Orientalismus und Alten Meistern.
Prestige-Gewinn
Dieses Glück währte aber nicht lange, wie man sieht. Nun ist Rodica Seward nur noch Emmanuel Tajan geblieben, der im Gegensatz zu seinem Vater und Bruder das Rampenlicht scheut. Dagegen bedeutet für Artcurial ein Mitarbeiter von der Statur Jacques Tajans einen weiteren erheblichen Zugewinn an Prestige und Kontakten
Im vergangenen Jahr hat Artcurial-Briest-Le Fur-Poulain-F. Tajan mit einem Umsatz von 77,6 Millionen Euro der Konkurrenz Tajan SA erstmals den Rang als größtes französisches Auktionshaus abgelaufen. Die jüngste Episode aus der Familiensaga Tajan zeigt auch, daß es selbst für eine mit allen Wassern des amerikanischen Kapitalismus gewaschene Geschäftsfrau wie Rodica Seward schwierig ist, im subtilen Spiel der Allianzen unter den alteingesessenen französischen Marktakteuren entscheidende Fäden zu ziehen.