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Interview Kaufen, was die Experten mögen

31.10.2006 ·  Für den totalen Kunstmarkt: Der Börsenmakler Stephen fern will auf seiner Internetplattform Xalt TV Kunstkäufer erziehen. Swantje Karich führte mit ihm ein Gespräch über Kunst als Mittel der Investitionsindustrie.

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Für den totalen Kunstmarkt: Der Börsenmakler Stephen fern will auf seiner Internetplattform Xalt TV Kunstkäufer erziehen. Ein Gespräch über Kunst als Mittel der Investitionsindustrie.

Auf Ihrer Internetplattform geht es nicht um Bildung und Bildungsvermittlung, sondern um den Markt, den reinen Investment-Markt und die Möglichkeit, mit Kunst sehr viel Geld zu verdienen. Stimmen Sie mir da zu?

Ja, das muß ich ganz offen sagen, ich komme nicht aus der Kunstbranche, ich bin ein Börsenmensch. Meine Erfahrungen in der Wirtschaft bringe ich nun mit dem Expertenwissen eines Philip Hoffman vom Fine Art Fund, mit Experten aus Galerien und Auktionshäusern auf unserer Plattform zusammen. Mein Eindruck ist, daß viele vermögende Leute immer noch skeptisch auf den Kunstmarkt blicken, weil ihnen das Expertenwissen fehlt und sie glauben, die Investition in Kunst sei anrüchig. Dieses Vorurteil wollen wir nun gemeinsam ausräumen. Um das zu schaffen, arbeiten wir mit bekannten Namen zusammen, die aus ihrer Erfahrung professionelle Anleitung beim Kunstkauf geben können.

Wie sieht denn Ihre Kundschaft aus? Wen wollen Sie erreichen?

Es sind Menschen, die in einem anderen Bereich sehr viel Geld gemacht haben und dieses irgendwo und irgendwie einsetzen wollen, um es noch weiter zu vermehren. Uns interessieren schon eher diejenigen, die 100.000 Euro einsetzen können - oder mehr. Das heißt, hier geht es um Summen, die mit denen an der Börse vergleichbar sind.

Ihr Internetfernsehen will die Leute zu Kunstkäufern erziehen. In dem Programm wird ständig betont, daß man Kunst nicht „aus dem Bauch heraus“ kaufen sollte. Was empfehlen Sie also?

Das Wichtige ist - wie an der Börse -, daß man perfekt informiert ist und konkretes Wissen besitzt. Man muß den Markt durchschauen, die Prozesse verfolgen, um eine Idee zu bekommen - und diese Orientierung gibt unser Programm. Am Ende der mindestens hundert Gespräche - in Sektionen wie „Einführung in den Kunstmarkt“ oder „Anleitung zum professionellen Kauf“ - hat man eine Idee, wer die Mitspieler sind und worauf man achten muß, zum Beispiel auf den Datumsstempel bei Editionen oder die Auflagenhöhe.

Es geht um die Rolle der Museen, Auktionshäuser und darum, wer wen und wie repräsentiert. Schon vor dem ersten Einstieg werden eindeutige Empfehlungen ausgesprochen: Das Ziel ist, aus unseren Kunden Kenner der Szene zu machen, die wissen, welche Publikationen und welche anderen Quellen angezapft werden müssen. Endlich, daß es sinnvoller ist, eine Sammlung aufzubauen, als nur nach Lust und Laune Kunst zu kaufen, um das eigene Haus zu schmücken. Wir erziehen unsere Kunden zum klugen und disziplinierten Kunstkauf. Für sie sollte die Zeit der Spontankäufe vorbei sein. Der Kunstmarkt bietet einfach bessere Möglichkeiten.

Wie sieht vor diesem Hintergrund Ihre Einschätzung des Kunstmarkts aus, wie dessen Zukunft?

Es wird demnächst Alltag sein, daß man zwanzig Prozent eines Kunstwerks kauft, diese zwanzig Prozent schnell wieder abstößt und so weiter. Damit das möglich wird, müssen aber noch viel mehr Menschen mit Geld für den Kunstmarkt sensibilisiert werden. Nur ein ganz kleiner Teil kann heute überhaupt an den Möglichkeiten des Kunstmarkts teilnehmen. Deshalb geht immer noch Kapital für diesen Markt verloren. Früher haben wir unsere Programme als DVD vertrieben, nun laufen sie im Internet-TV und erreichen viel mehr Menschen. Wir hatten dafür viermal so viele Anmeldungen wie für unsere normalen Börsenprogramme im Internet. Daran kann man sehen, wie enorm das Interesse am Kunstmarkt ist. Die Interessenten haben uns die Bude eingerannt.

Wie hat denn alles angefangen?

Begonnen hat alles damit, daß die Barkleys Bank 2005 Anlegern empfohlen hat, stets fünf Prozent ihres Kapitals auch in den Kunstmarkt zu investieren. Daraufhin dachten auch die wenig kunstinteressierten Kunden der Bank darüber nach, in Kunstwerke zu investieren. Sie verstanden, daß es nicht nur so sein muß, daß man reich ist, Kunst liebt und daher Kunst kauft, sondern daß man auch Profit daraus schlagen kann: Kunst ist ein Werkzeug der Investment-Industrie. Es hat sich jedoch gezeigt, daß viele Künstler und Kunstliebhaber immer noch gegen unsere „money-making“-Welt sind und daß es einige Zeit dauern wird, bis wir auch sie erreichen.

Eine weitere Schwierigkeit ist, daß nur ganz wenige Leute Kontakt herstellen können zu ganz wenigen, wirklich wichtigen Leuten, von denen die ernsthaften Geschäfte gemacht werden - ich spreche hier von den Millionen-Deals. Aber das marktorientierte Denken schließt, so glaube ich, Passion und Hingabe nicht aus: Mein Vater ist auch Künstler, und er hat leider wenig Verständnis für meine Arbeit - wie die meisten Künstler. Aber was habe ich davon, etwas zu kaufen, was die Experten nicht mögen? Es wird später wertlos sein.

Aber es gibt doch immer noch eine breite Mehrheit, die Kunst aus reiner Passion kauft, und diese Käufe bewegen sich in erster Linie unter 20.000 Euro. Wollen Sie diesen Markt auch erschließen?

Nein, eigentlich beginnt erst oberhalb von 20.000 Euro der Markt, der uns interessiert. Es ist immer noch schwierig, Kunst für 1000 Euro zu kaufen und diese dann später gewinnbringend zu verkaufen - auch wenn es natürlich immer wieder Überraschungen gibt. Das ist ein Problem auf dem Kunstmarkt, und man muß schon sehr viel Glück haben, damit man überhaupt mehr herausbekommt, als man hineingegeben hat. Geld mit Kunst verdienen kann man erst ab einem Einsatz von 100.000 Euro - das ist die Grenze, die wir nennen.

Philip Hoffman empfiehlt den Nutzern unserer Plattform in einer der Sendungen, ein Viertel des Kapitals, das sie investieren wollen, in Alte Meister und ein Viertel in moderne Kunst zu stecken. 25 bis dreißig weitere Prozent sollen sie in zeitgenössische Kunst investieren und noch einmal zwischen fünfzehn und zwanzig Prozent in Impressionisten, um das Kapital zu streuen. Damit das möglich ist, braucht man eben eine gewisse Summe. Dabei verfolgen wir zwei Kriterien: Entweder erwarten wir einen Anstieg des Werts um vierzig Prozent innerhalb eines Jahres oder einen langsameren, aber stetigen Anstieg über zehn Jahre hinweg.

Wie überprüfen Sie, ob ihr Programm den Nutzern als sinnvoll erscheint? Bekommen Sie Rückmeldung?

Eine unserer Kundinnen hat mir geschrieben, nachdem sie das Programm durchlaufen hatte. Sie beschrieb ihre Erfahrung: Nach dem ersten Interview dachte sie, daß der Inhalt nur etwas für den Investor sei, nicht aber für den Sammler. Nach den weiteren Teilen stellte sie fest, daß die Informationen auch für sie von Interesse waren, weil sie ganz grundsätzlich - von A bis Z - in diesen Markt eingeführt worden sei. Sie habe danach ihr Sammelverhalten überdacht, und - was noch viel wichtiger für sie war - sie fühlte sich nun sicherer und kompetent bei Verhandlungen und Verkaufsgesprächen.

Das Gespräch führte Swantje Karich.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 31.10.2006 Seite K4
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