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Interview Diesmal zugunsten der Alten Meister: Ein Interview mit Gunter Sachs

15.07.2006 ·  Gunter Sachs ist als Sammler moderner und zeitgenössischer Kunst bekannt. Jetzt ersteigerte er in London für die Rekordsumme von 4, 6 Millionen Pfund die „Prozession zum Kalvarienberg“ von Pieter Brueghel d.J. Im Gespräch erklärt er, warum.

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Bei der Londoner Altmeisterauktion von Sotheby's am 5. Juli hat Gunter Sachs Pieter Brueghels d.J. „Prozession zum Kalvarienberg“ ersteigert. Der Zuschlag für das mit 120 mal 170 Zentimetern ungewöhnlich große, vielfigurige Bild aus dem Jahr 1607 erging bei 4,6 Millionen Pfund. Inklusive Aufgeld liegt der Preis bei 5,16 Millionen Pfund, ein Auktionsrekord für den jüngeren Pieter Brueghel. Zuletzt hatte Gunter Sachs im Mai in New York hochdotierte Werke von Warhol und Yves Klein aus seinem Besitz versteigern lassen.

Herr Sachs, Sie haben gerade in London Pieter Brueghels d.J. „Prozession zum Kalvarienberg“ ersteigert. Der Öffentlichkeit sind Sie bekannt als Sammler der Moderne und der Gegenwartskunst. Man verbindet Ihren Namen mit Jean Fautrier oder Yves Klein, vor allem mit der Pop-art und Andy Warhol. Jetzt also dieser niederländische Altmeister. - Warum gefällt Ihnen dieses Bild?

Wir haben im Familienbesitz einige sehr gute Alte Meister. Deswegen dachte ich, der junge Brueghel wäre eine schöne Ergänzung. Da er so wundervoll gemalt ist und eigentlich alles Große des Meisters beinhaltet, entschloß ich mich zum Kauf. Wie in dieser Zeitung berichtet, hatte ich ja in jüngster Vergangenheit - durch den frühen Erwerb meiner modernen Bilder - zwei günstige Verkäufe getätigt. Deswegen war es naheliegend, in Kunst zu bleiben, diesmal zugunsten der Alten Meister.

Das Sujet des Brueghel-Gemäldes ist der Passionsweg Christi. Hat Sie an dem Bild auch dieses Thema berührt?

Fast alle Motive unserer „Familien-Bilder“ sind kirchlicher Natur, obwohl die meisten Vorfahren evangelisch waren. Eine Ausnahme bildet der Selbstmord der Lucretia von Cranach, die ich als junger Mann - sehr fälschlicherweise - auch für eine Christin hielt.

Also ist die Vermutung falsch, daß Sie nun Ihren ersten Alten Meister erworben hätten?

Wenn Sie es so wollen. Mein verstorbener Bruder kümmerte sich und ergänzte damals die Familiensammlung.

Die Alten Meister waren bisher - im Verhältnis zur modernen und zeitgenössischen Kunst - auf dem Markt unterbewertet. Und die Alten Meister brauchen Kenntnisse, die Leidenschaft, wirklich etwas wissen, begreifen und erkennen zu wollen. Sie haben immer wieder davor gewarnt zu kaufen, was gefällt, woran man ohnehin schon gewöhnt ist. Nach dieser Maxime haben Sie selbst auch Ihre Modernen und Zeitgenossen gekauft, ehe sie am Markt durchgesetzt waren. Sind Sie nun, einmal mehr, Vorreiter?

Meine Warnung vor dem Gefälligen bezog sich hauptsächlich auf avantgardistische Bilder. Ich wage keine Voraussagen über einen Wertevergleich der Modernen mit den Alten. Die Modernen befinden sich in einem außergewöhnlichen, nicht nachzulassen scheinenden Boom - und die Alten sind, wie ich sehe, auch nicht gerade billig.

Die Fragen stellte Rose-Maria Gropp.

Quelle: F.A.Z., 15. Juli 2006
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