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Design Zu schön für den Gebrauch: Die Kölner Galerie Ulrich Fiedler feiert ihr zwanzigjähriges Bestehen

22.08.2006 ·  „Wenn man einen ganzen Messestand um einen Aschenbecher aufbaut, dann ist das eine Aussage, die verstanden wird“, erinnert sich Fiedler heute an die Anfänge seiner Galerie, die er seit nun genau zwanzig Jahren mit seiner Frau Katharina Evers in Köln betreibt. In den vergangenen Dekaden haben sie das mitgeprägt, was heute als „Modern Design“ bezeichnet wird.

Von Catrin Lorch
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Der Designer Jasper Morrison erinnert sich noch an das Schaufenster, er hatte es nachts entdeckt, mitten in der Kölner Innenstadt: „Es war das erste Mal, daß ich Stücke von Breuer oder Rietveld in der Wirklichkeit sah.“ Doch nicht allein die Ausstellungsstücke beeindruckten den Londoner - rückblickend würdigt der Star-Entwerfer auch „diese besondere deutsche Atmosphäre, mit Linoleumböden und einem Mangel an Dekor“. Bald schließt Morrison Bekanntschaft mit den Galeristen, Katharina Evers und Ulrich Fiedler, eine erste Ausstellung seiner Arbeiten folgt, und seither ist das Gespräch nie mehr abgerissen: „Immer haben wir diskutiert, alte Sachen und neue Sachen. Es ist nicht nur die Atmosphäre, es ist eine Institution.

Die Institution in der Kölner Lindenstraße feiert. Das zwanzigjährige Bestehen ist Anlaß für den Katalog „20/20“, in dem insgesamt vierzig Objekte versammelt sind - die erste Hälfte zeigt Trophäen, die einmal in Räumen in der Lindenstraße den Besitzer wechselten: ein Silberkännchen aus der Werkstatt Henry van de Veldes, ein ledergepolsterter Hocker von Le Corbusier oder ein Glastisch von Carlo Mollino. Noch einmal zwanzig Stücke bietet die Galerie im Jubiläumsjahr an. Die Auswahl reicht von den kantig ineinandergesteckten, farbig lackierten Holztafeln des „Brugman Tisches“ aus der Werkstatt eines Gerrit Thomas Rietveld über die aus Metall und Glas zusammengewürfelte Komposition Naum Slutzkys aus dem Jahr 1920 bis zum Kinderstuhl „TI 3b“ von Marcel Breuer oder einer versilberten Teedose von Hans Przyrembel. Mitte der zwanziger Jahre am Bauhaus entstanden, war sie lange im Gebrauch, auf dem Boden der schlanken, glänzenden Säule finden sich immer noch Teekrümel: Ulrich Fiedler würde nie auf die Idee kommen, dem Aussehen einer Ikone mit Silberputztuch und Spülmittel nachzuhelfen - er ist kein Antiquitätenhändler, bei dem man Frühstücksgeschirr, komplettierbare Eßzimmer oder Sofa-Ecken ersteht.

Ikonen der Design-Geschichte

In den vergangenen Dekaden haben Ulrich Fiedler und seine Frau das mitgeprägt, was heute als „Modern Design“ bezeichnet wird: herausragende Entwürfe der Moderne, die als Einzelstücke den Status von Ikonen der Design-Geschichte einnehmen oder sich als Kunst auch außerhalb ihrer ursprünglichen Funktion behaupten. Wer bei Fiedler einkauft, ist Museumskurator (zu seinen Kunden gehört das Museum of Modern Art genauso wie das Centre Pompidou oder die Pinakothek der Moderne in München), oder er begreift als Privatsammler, daß diese Stücke größer sind als der Alltag. Seit Modern Design sprunghaft an Wert gewinnt, sind es vor allem solche herausragenden Objekte, die ihren Preis so rasant fortentwickeln wie die hoch gehandelte zeitgenössische Kunst. Ein Tisch von Mollino, vor drei Jahren für 120 000 Euro in Köln verkauft, erzielte jetzt bei einer Auktion fast vier Millionen Euro.

Ulrich Fiedler sagt, er sei eher „organisch autodidaktisch“ auf den Geschmack gekommen. Nachdem er als Zivildienstleistender die Wohnung eines Onkels aufgelöst hatte und dabei zu seiner eigenen Überraschung viel verdient hatte, begann er auf dem Flohmarkt zu handeln. Zunächst auf Art déco spezialisiert, faszinierten ihn bald die funktionale, sperrige Schönheit der Entwürfe aus der Bauhauszeit. Anfang der achtziger Jahre fand man einen „Wassily“-Stuhl in der Architektenstadt Aachen noch auf dem Sperrmüll. Fiedler belieferte Händler mit Trouvaillen aus Bugholz und Stahlrohr, kaufte sich vom Gewinn die wenigen Bücher über Bauhaus und Behrens, die damals zu haben waren, und hörte am Nachmittag, nach Dienstschluß, Kunstgeschichte. Sein explizites und detailgenaues Fachwissen fiel dort seiner Kommilitonin Katharina auf; bald wurden die beiden ein Paar, und die Flohmarktzeiten waren vorüber.

Eigentlich hatten die beiden nur ein kleines Geschäft eröffnen wollen, mit reduzierten Öffnungszeiten - doch nur ein Laden in der Kölner Innenstadt paßte. Die teure Miete des hohen, langgestreckten Raums im schicken Belgischen Viertel zwang Ulrich Fiedler und Katharina Evers zur umgehenden Professionalisierung. Das Konzept ergab sich fast intuitiv: Andere mochten Design wie Möbel verkaufen, Fiedler und Evers planten Ausstellungen. Bugholzmöbel, Breuer-Stühle, eine Walter-Gropius-Schau oder Aluminium-Teile von Donald Judd - nur was herausragend war, was auf einem Sockel frei gestellt werden oder gerahmt an der Wand prangen konnte, paßte in das Angebot.

Sieben Tage, sieben Stücke

Im sammelwütigen und kunstverständigen Köln der Achtziger und Neunziger ging das Konzept auf. Als der Kunstverein seine Ausstellung „Bauhaus“ eröffnete, ließen die Vernissagegäste die Party bei Ulrich Fiedler ausklingen, vor Vitrinen voller erstklassiger Bauhauskeramik, seltener Metall-Entwürfe, Teppiche und Stühle. Den ersten Messestand entwarf Jasper Morrison und trieb damit das Konzept auf die Spitze: sieben Tage, sieben Stücke. Die teure Koje in den Kölner Messehallen bestand aus einem Podest und einem dahinter versteckten Regal; jeden Tag stand ein anderes Objekt im Mittelpunkt, „wenn man einen ganzen Messestand um einen Aschenbecher aufbaut, dann ist das eine Aussage, die verstanden wird“, erinnert sich Fiedler heute.

Pointiert entwickelte sich das Programm fort. Das Paar versteht die Moderne ganzheitlich, da wäre es grundfalsch gewesen, sich nur auf bestimmte Bereiche der Gestaltung zu beschränken. Bald gehörte Architekturfotografie zum Angebot; als Kunsthändler Ende der achtziger Jahre gerade die Begrifflichkeiten des Mediums geklärt hatten, verkaufte Fiedler bereits Vintages aus den zwanziger Jahren. Er entdeckte die Arbeit der heute weltberühmten Bechers und gewann ihre Schüler Boris Becker und Claus Goedicke als Künstler für seine Galerie. Seit Mitte der neunziger Jahre vertritt die Galerie auch junge Foto- und Medienkunst, ein zweiter Raum im Hinterhof, inzwischen von Thomas Taubert als „fiedler contemporary“ fast unabhängig geführt, zeigt Arbeiten von Dunja Evers, Dionisio Gonzales, Hiroshi Sugimoto.

Die Galeristen sind selbst Sammler, allerdings von zeitgenössischer Kunst. Als die „Vogue“ zur Homestory anrückte, mußte der Redakteur erstaunt vermerken, daß Fiedlers zu Hause keine Schätze vor den Kunden verstecken. Ulrich Fiedler sagt, seine Frau habe es irgendwann nicht mehr ertragen, daß die Tische, Schränke und Stühle, immer wenn sie sich gerade an sie gewöhnt hatte, verkauft wurden. Die beiden sind nun in leuchtenden Farben möbliert, reduziert und absolut zeitgenössisch. In Paris, ihrer erklärten Lieblingsstadt, haben sie jedoch eine Etage gegenüber dem Louvre angemietet, eingerichtet mit Klassikern der Moderne, ein Büro gehört genauso dazu, wie der Salon auch zum Showroom taugt. Ob aus der Auslandsunternehmung nun eher ein zweiter Wohnsitz wird oder eine Filiale - das wollen sie, wie alles andere auch, „intuitiv“ entscheiden.

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