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Christian Giacomotto im Interview Konsequenzen für das System

29.06.2008 ·  Das französische Auktionswesen bleibt nicht wie es ist, einschneidende Veränderungen stehen bevor. Christian Giacomotto hat die Entwicklung genau im Blick - Angelika Heinick im Gespräch mit dem Vorsitzenden des nationalen Versteigerungsrats.

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Fragen zur Europäischen Dienstleistungsrichtlinie an den Vorsitzenden des französischen Versteigerungsrates.

Anlässlich der Umsetzung der Europäischen Dienstleistungsrichtlinie wird der französische Auktionsmarkt innerhalb weniger Jahre zum zweiten Mal reformiert. Was steht dabei auf dem Spiel?

Die Reform von 2000 war zwar ein erster Schritt in Richtung Marktöffnung, aber sie hat die Auktionshäuser nicht neu organisiert, sondern eine Art Mischwesen geschaffen aus Handelsgesellschaften und freiberuflicher Tätigkeit der früheren Commissaires-Priseurs. Mit der Dienstleistungsrichtlinie werden die Auktionshäuser ihre Gesellschaftsform, beispielsweise als Personengesellschaft oder Kapitalgesellschaft, frei wählen können. Vor allem geht es um die Frage, ob der französische Markt gewichtige Firmen und damit neue Konkurrenten hervorbringen kann oder ein Markt bleiben wird, auf dem die großen internationalen Auktionshäuser sich bedienen, um anderswo Versteigerungen abzuhalten. Das hängt davon ab, ob die Richtlinie mit minimalem Anspruch oder mit der Vision einer Neuorganisation des Markts umgesetzt wird.

Kürzlich sind drei Vorschläge zur Modernisierung des französischen Kunstmarkts vorgelegt worden. Welche Maßnahmen werden Ihrer Meinung nach der Situation am ehesten gerecht?

Alle drei stellen die Diagnose, dass der Anteil Frankreichs am Weltmarkt schrumpft, obwohl das Land alle Trümpfe in der Hand hält, um eine Rolle zu spielen. Es ist wahrscheinlich noch immer das wichtigste Reservoir von Kunstwerken. Einer der Vorschläge stellt fest, dass die Vertreter der Auktionsbranche zu individualistisch vorgehen, anstatt sich zusammenzuschließen. Die Möglichkeit von Zusammenschlüssen ist eine Vorbedingung für die Liberalisierung: Man könnte sich zum Beispiel steuerliche Anreize für Fusionen vorstellen.

Bevor man aber Maßnahmen zur Liberalisierung ergreift, sollte man über die Konsequenzen für die Struktur des aktuellen französischen Systems nachdenken. Mit der Umsetzung der Dienstleistungsrichtlinie wird die Zulassung für Auktionshäuser wegfallen. Über die Frage, ob damit allen Häusern private Abschlüsse und die Gewährung von Garantiesummen für Einlieferer von Kunstwerken erlaubt ist, besteht noch keine Einigkeit. Die Galeristen sagen: Wenn die Auktionshäuser Privatgeschäfte tätigen können, warum können wir dann keine Auktionen abhalten? Das ist eine gute Frage. Ich will gern liberal sein, aber dann sollte man überall in Europa liberal sein. Der französische Markt liefert dem Weltmarkt viel mehr Objekte als England, Finnland oder Polen. Versuchen Sie einmal, in Italien oder in Spanien für ein Kunstobjekt eine Ausfuhrlizenz zu bekommen, zwei Länder, die ein reiches Kulturerbe haben - wie Frankreich.

Was schlagen Sie vor, um den französischen Markt zu schützen?

Es geht darum, den Markt wieder nach Frankreich zu verlagern. Die Mehrwertsteuer bei der Einfuhr ist sinnvoll bei Stahl oder Autos, bei Kunstwerken ist sie eine Katastrophe. Es ist absurd, bei der Einfuhr in die Europäische Union eine Steuer auf Objekte des europäischen Kulturerbes zu bezahlen. Wir haben den Vorschlag einer Steuergutschrift bei Kunstimporten in die EU gemacht, um die Mehrwertsteuer bei der Einfuhr auszugleichen.

Die Dienstleistungsrichtlinie sieht eine Zentralstelle für behördliche Formalitäten vor. Wird der Versteigerungsrat diese Rolle für den Auktionsmarkt übernehmen, und wird es ähnliche Instanzen in den anderen EU-Ländern geben?

Die Situation in den einzelnen Ländern ist sehr unterschiedlich. Die Richtlinie bezweckt höhere Qualität und mehr Transparenz des Markts: In Frankreich haben wir 400 Auktionsfirmen, da ist es normal, dass es eine schlichtende Stelle gibt. In Italien oder Spanien, wo es nur wenige Auktionshäuser gibt und der Markt im geschlossenen Kreislauf funktioniert, ist das weniger wichtig. In England regelt das Oligopol der Auktionsriesen den Markt selbst.

Der französische Europa-Abgeordnete Jacques Toubon will das Europäische Parlament in Straßburg zum Thema "Der Versteigerungsmarkt: Eine Herausforderung für die Europäische Union auf dem Weltmarkt" auf die Problematik des internationalen Auktionsgeschäfts hinweisen. Beteiligt sich der Versteigerungsrat an dieser Initiative?

Wir werden demnächst in Straßburg die Abgeordneten treffen und einen Informationstag zur Umsetzung der Dienstleistungsrichtlinie organisieren: Es geht darum, den EU-Parlamentariern die Besonderheit des Auktionsmarkts und die Rolle eines Regulativs verständlich zu machen.

Die Fragen stellte Angelika Heinick.

Quelle: F.A.Z.
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