28.09.2007 · Zerstörte Häuser und Dörfer, wachsende Flüchtlingslager, immer neue Militärcamps: Mit Satellitenbildern aus dem Südosten Burmas machen amerikanische Wissenschaftler Druck auf die Militärregierung in Rangun.
Von Joachim Müller-JungMit einer Serie von außerordentlich detailreichen Satellitenbildern wollen amerikanische Wissenschaftler mindestens zwei Dutzend Menschenrechtsverletzungen des Militärs im Südosten Burmas belegt haben. Die Fotos wurden am Freitagnachmittag zusammen mit einem 43-seitigen Bericht der größten Wissenschaftsorganisation der Welt, der amerikanische American Association for the Advancement of Science (AAAS), in Washington veröffentlicht.
Seit vielen Jahren arbeitet die amerikanische Forschungsorganisation mit Menschenrechtsgruppen zusammen, um Verbrechen an der Bevölkerung mit wissenschaftlichen Verfahren zu belegen. Drei dieser Menschenrechtsgruppen hatten dem AAAS-Forscher Lars Bromley in letzter Zeit immer öfter von Menschenrechtsverstößen durch das herrschende Militär vor allem im Ostteil Burmas berichtet.
Insbesondere in einem etwa zweitausend Quadratkilometer großen Gebiet im südlichen Bundessstaat Karen, in dem die Distrikte Papun, Toungoo und Dooplaya liegen, sowie in Teilen des Shan-Bundesstaates nördlich davon und dem entsprechenden Grenzgebiet zu Thailand soll es zu Übergriffen gekommen sein. Häuser sollen nach Augenzeugenberichten reihenweise angezündet und zerstört, Anbaugebiete vernichtet und Dörfer umgesiedelt worden sein. Militärcamps sind demnach im großen Stil ausgebaut oder neu errichtet worden.
Präsidentengattin Bush klagt an
Der amerikanische Botschafter Jackie Sanders wird von den Wissenschaftlern mit den Worten zitiert, in den Regionen seien Frauen und Mädchen von den Soldaten „systematisch vergewaltigt worden“, speziell Frauen einiger Minderheiten. Wie diese Äußerung lässt auch der explizite Hinweis in der AAAS-Pressemitteilung auf die Bestürzung der amerikanischen Präsidentengattin, Laura Bush, vermuten, dass möglicherweise das Weiße Haus an einer schnellen Veröffentlichungen interessiert ist und die Publikation, die eigentlich für Mitte der kommenden Woche geplant war, entsprechend forciert wurde.
Laura Bush wird in dem Text mit den Worten zitiert: „Burma ist ein Land, in dem schon dreitausend Dörfer zerstört, 1300 politische Häftlinge gefangen gehalten und mehr als 500.000 Menschen zwangsweise umgesiedelt wurden.“
Anschwellende Flüchtlingslager
Den Beweis für solche Menschenrechtsverletzungen glauben Bromley und seine Mitarbeiter mit hoch aufgelösten Satellitenbildern zumindest für 25 Plätze in Ost-Burma erbringen zu können. Ausgewertet wurden siebzig konkrete Hinweise von Menschenrechtsgruppen und von Mitarbeitern der für die Satellitenspionage zuständigen Geheimdienstabteilung. Die Forscher nutzten dazu Bilder von zwei kommerziellen Satelliten - „Ikonos“ und „OrbView-3“ - mit je einem Meter Auflösungsvermögen sowie Bilder des modernen „Quickbird“-Satelliten, der farbige Bilder mit einer Auflösung von sechzig Zentimetern zu liefern imstande ist.
Allerdings waren die Bedingungen vor und nach den mutmaßlichen Übergriffen nicht immer so optimal, dass man scharfe und wolkenfreie Bilder zur Verfügung hatte. Deshalb konzentrierte man sich auf 31 Dörfer und Plätze. Achtzehn dieser Siedlungen zeigten nach Bromleys Angaben eindeutige Zeichen der Zerstörung - abgebrannte Felder, niedergebrannte oder zerstörte Häuser.
Neue Militärcamps im Südosten
Im Papun-Distrikt sollen in den vergangenen achtzehn Monaten mindestens 33 neue Militärlager eingerichtet worden sein. Auch nördlich davon, im Toungoo-Distrikt soll die Präsenz von Soldaten verstärkt, Straßen gebaut und Dämme für die Militärcamps errichtet worden sein. Im Dooplaya-Distrikt und in bestimmten Gebieten des Shan-Bundessstaates sollen 23.700 Dorfbewohner vertrieben worden sein.
Seit vergangenem Jahr haben sich die Flüchtlingscamps jenseits der Grenze zu Thailand erweitert, auf 160.000 schätzt man die Zahl der burmesischen Flüchtlinge. Mit ähnlichen Menschenrechtsberichten und Satellitenbildern hatte sich die amerikanische Wissenschaftsorganisation schon bei den Unruhen in Dafur und Zimbabwe eingeschaltet.
Merkwürdig
Ferdinand Reemtsma (Reemtsma)
- 28.09.2007, 21:27 Uhr
Seltsam auch:
Ulrich Hinderer (eisbaer_78)
- 28.09.2007, 22:20 Uhr
Traue keiner Statistik
Claus Behrens (chipin)
- 29.09.2007, 00:16 Uhr
Cui bono?
Martin Enzinger (FlorianGeyer)
- 29.09.2007, 01:24 Uhr
Unglaublich peinlich
Gabor von Zoltan (Putinras)
- 29.09.2007, 06:51 Uhr
Joachim Müller-Jung Jahrgang 1964, Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.
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