17.09.2008 · Wer trägt Verantwortung für den Krieg zwischen Russland und Georgien? Was geschah am 7. August in den Stunden vor dem georgischen Angriff auf die südossetische Hauptstadt Zchinwali kurz vor Mitternacht? Aussagen russischer Soldaten wecken Zweifel an der offiziellen Version des Kreml.
Von Michael LudwigWer die Verantwortung dafür trägt, dass in Südossetien aus heftigen Scharmützeln Anfang August ein Krieg zwischen Russland und Georgien wurde, ist noch immer umstritten. Dabei geht es vor allem darum, was am 7. August in den Stunden vor dem unbestrittenen georgischen Angriff auf die südossetische Hauptstadt Zchinwali kurz vor Mitternacht geschehen ist: Wo stand die 58. russische Armee zu dieser Zeit - in Russland oder schon in Südossetien?
Die EU will die Frage, wer welchen Anteil am Ausbruch der Kämpfe hatte, durch eine unabhängige Untersuchungskommission klären lassen. Russlands Nato-Botschafter Dmitrij Rogosin lehnt das ab: Für Russland ist die Schuldfrage längst beantwortet. Seine Führung habe nach Beginn des georgischen Angriffs auf Zchinwali keine andere Wahl gehabt, als am 8. August Truppen durch den Roki-Tunnel nach Südossetien in Marsch zu setzen, um die russischen Friedenssoldaten in Zchinwali und die russischen Staatsbürger in der Region zu schützen, lautet die offizielle Version in Moskau.
Telefonmitschnitte als Beweismittel?
Der georgische Präsident Saakaschwili dagegen behauptet, Georgien habe nur auf einen schon begonnenen russischen Einmarsch reagiert. Er übergab den Amerikanern sowie dem französischen Präsidenten Sarkozy Mitschnitte von zwei abgehörten Telefongesprächen südossetischer Grenzschützer vom Mittag und Nachmittag des 7. Augusts, die belegen sollen, dass schon zu dieser Zeit gepanzerte russische Einheiten nach Südossetien einrückten, das zum Staatsgebiet Georgiens gehört.
Die „New York Times“ veröffentlichte den Text dieser Mitschnitte, die nach Angaben des georgischen Innenministers Wano Merabischwili Präsident Saakaschwili einige Stunden nach deren Aufzeichnung übergeben worden waren. Georgiens Präsident habe daraus abgeleitet, dass Russland eine Invasion begonnen habe.
Zweifel an der offiziellen Version
General Nikolaj Uwarow vom russischen Verteidigungsministerium spielte die Bedeutung des Inhalts der abgehörten Telefongespräche gegenüber der „New York Times“ herunter: Es sei immer wieder schwere militärische Ausrüstung durch den Roki-Tunnel gebracht worden. Dies sei ein normaler Vorgang gewesen, um die Ausrüstung der russischen Friedenssoldaten auszutauschen. Uwarow sagte weiter, die erste Einheit des 135. Motorisierten Schützenregiments zur Verstärkung der russischen Friedenssoldaten in Südossetien habe erst am 8. August um 14.30 Uhr den Roki-Tunnel passiert - vierzehn Stunden nach Beginn des georgischen Vormarsches auf Zchinwali.
In der russischen Presse sind indes zwei Artikel erschienen, die - wohl unabsichtlich - die offizielle Version des Kremls über den Beginn des Krieges in Zweifel ziehen. Die Armeezeitung „Krasnaja Swesda“ (“Roter Stern“) druckte am 3. September ein Gespräch mit einem Kompanieführer des 135. Motorisierten Schützenregiments der 58. russischen Armee, die in Nordossetien stationiert ist.
Russische Soldaten: Schon am 7. August in Zchinwali
Der bei den Kämpfen in Zchinwali schwer verwundete Hauptmann Denis Sidristyj erzählte, seine Einheit habe nach dem Manöver „Kaukasus 2008“ in Nordossetien, das am 2. August zu Ende ging, nahe zur Grenze zu Südossetien biwakiert. Am 7. August sei Kampfbereitschaft angeordnet worden und an seine Einheit der Befehl ergangen, nach Zchinwali vorzurücken. Dort angekommen, habe man Stellungen bezogen. Man habe bemerkt, dass die Georgier „irgendetwas vorbereiteten“. Sidristyj berichtete von dem massierten Beschuss Zchinwalis durch die Georgier, der kurz nach Mitternacht, also in den ersten Sunden des 8. Augusts, begonnen habe.
Nachdem die Internetzeitung „Newsru.com“ das Interview mit Sidristyj am vergangenen Donnerstag einer breiten Leserschaft zugänglich gemacht hatte, wurde der Text des Gesprächs auf der Internetseite von „Krasnaja Swesda“ zunächst korrigiert, dann wurde der Artikel ganz aus dem Netz genommen. In der nachgebesserten Textredaktion hieß es, Sidristyj habe gesagt, der Marschbefehl sei am 7. August nachts gegeben worden und seine Einheit habe Zchinwali erst am 8. August erreicht. In der Regionalzeitung „Permskije Nowosti“ wiederum war schon am 15. August ein Bericht über die Soldaten aus der Region Perm erschienen, die gemeinsam mit der 58. Armee in Südossetien kämpften.
Die Zeitung druckte ein Telefongespräch eines dieser Soldaten mit seiner Mutter. Der Soldat berichtete, seine Einheit sei schon seit dem 7. August in Zchinwali, wie die gesamte 58. Armee.
Überfall
Markus Teuber (arathorn)
- 17.09.2008, 13:26 Uhr
Das erste Opfer im Krieg
Robert Klemme (rklemme)
- 17.09.2008, 13:29 Uhr
Lustig
Art Vogel (mojtra)
- 17.09.2008, 14:06 Uhr
Sind die Zweifel berechtigt.......?
wolf haupricht (emilgilels)
- 17.09.2008, 14:06 Uhr
Weitere russische Quellen, die die georgische Version bestätigen
Kacha Macharadse (waschli)
- 17.09.2008, 14:30 Uhr
Michael Ludwig Jahrgang 1948, politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.
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