11.02.2008 · Ohne Frauen wäre das Kino nichts. Das zeigt sich auch wieder auf der Berlinale: Outi Mäenpää hält den missratenen finnischen Wettbewerbsbeitrag „Musta Jää“ am Leben. Und auch der chinesische Film „Zuo You“ hätte uns über längere Passagen in Schlaf versetzt, wäre da nicht Liu Weiwe.
Von Verena LuekenFast dreißig Prozent der Filme, die auf der Berlinale gezeigt werden, wurden von Frauen gedreht. Im Wettbewerb sind es zwar von einundzwanzig nur zwei („Elegy“ und Doris Dörries „Kirschblüten“), aber dennoch ist das eine passable Quote.
Dass ohne Frauen das Kino nichts wäre, wissen wir ja ohnehin - auch wenn wir dabei vor allem an Schauspielerinnen denken, deren Art, den Kopf zu drehen, durch eine Tür zu kommen oder uns einfach nur anzusehen, einen großen Brocken unserer Kinoerfahrung ausmacht.
Ein Lächeln in Ruhestellung
Nicht immer rettet das einen ansonsten unerheblichen Film. Auch im diesjährigen Programm nicht. Aber hätten wir zum Beispiel den finnischen Wettbewerbsbeitrag „Musta Jää“ (Schwarzes Eis) von Petri Kotwica länger als eine halbe Stunde durchgehalten, wenn nicht Outi Mäenpää uns immer wieder überrascht und in Bann gezogen hätte mit ihrem ernsten Gesicht, in dem manchmal Sympathie mit der Frau, deren Verderben sie plant, meistens aber Rachlust zu spüren war, ohne dass sich ein Muskel bewegte?
Ihr großer geschwungener Mund scheint in Ruhestellung zu lächeln, deshalb sieht sie nie böse aus, obwohl ihre Phantasie sie an Plätze führt, an denen Frauen nicht lächeln (Männer auch nicht, es sind Orte schneidend kalt geplanter Schweinereien). Wenn wir „Musta Jää“ längst vergessen haben werden, werden dieses Gesicht und diese Gestalt einer erwachsenen Frau bleiben, die, ohne ihre Würde zu verlieren, durch eine blödsinnige Geschichte schreitet.
Sie hätte einen besseren Film verdient
Auch der chinesische Film „Zuo You“ hätte uns über längere Passagen in Schlaf versetzt, wäre da nicht Liu Weiwe. Zwar kann sie (was sie mit einem besseren Drehbuch vielleicht geschafft hätte) uns die emotionale Unbedingtheit nicht vermitteln, mit der sie ihren Exmann zur Zeugung eines zweiten Kindes treibt, weil ihr erstes einen Knochenmarkspender braucht. Aber sie geht so verschlossen, so einsam durch diesen Film, dass wir uns lange damit beschäftigen, was sie wohl umtreibt und wie es wohl in ihr aussehen mag.
Auch das - uns davon abzuhalten, einfach die Augen zu schließen und das Ganze an uns vorbeiplätschern zu lassen - ist eine Kunst, mit der Frauen missratene Filme über ihre Laufzeit am Leben halten. Vor allem, wenn sie Tilda Swinton heißen. Wie sie am Anfang von Erick Zoncas „Julia“ immer wieder betrunken torkelt, fällt, stöckelt, im trockenen Mund mit der Zunge nach etwas Feuchtigkeit forscht, wie sie später ein Kind entführt, vor dem sie offenbar Angst hat, weil Kinder für sie wie Außerirdische sind, wie sie schließlich doch eine Beziehung zu diesem Jungen hinkriegt, dann aber auch wieder nicht, und wie sie am Ende eine Entscheidung trifft, die sie selbst verblüfft - das hätte einen besseren Film verdient. Einen Film wie „Gloria“ zum Beispiel, der 1980 fast dieselbe Geschichte erzählte. Mit einer anderen großen Frau: Gena Rowlands.