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Handball-EM Nervenstark gegen Schweden

 ·  Torwart Silvio Heinevetter war der Rückhalt der deutschen Mannschaft, die Schweden mit 30:29 besiegte und damit in die Hauptrunde der Handball-EM einzog. Dort wartet als erster Gegner am Sonntag Olympiasieger Frankreich.

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Wenn Männer offen miteinander reden, kann das manchmal doch sehr ergiebig sein. Das haben gerade die deutschen Handballspieler erlebt. Dass sie nämlich am Freitagabend in prächtiger Stimmung die Innsbrucker Arena verließen, hatte nicht zuletzt mit einem Gespräch zwischen Johannes Bitter und Silvio Heinevetter zu tun. Der Hamburger Bitter verzichtete dabei auf seinen Platz im Tor, er fühlte sich nicht wohl. „Wir haben das unter aus ausgemacht“, sagte Heinevetter, der seine Chance entschlossen nutzte.

Der Berliner war eine Stütze der Deutschen beim 30:29 gegen die Schweden, die deutsche Nationalmannschaft erreichte damit die Hauptrunde der Europameisterschaft. Allerdings nimmt sie nur einen Punkt aus der Vorrunde mit - vermutlich blieben die Deutschen, trotz aller Genugtuung über den Sieg, auch deshalb realistisch. „Ich werde jetzt nicht in Euphorie verfallen“, sagte Holger Glandorf, der acht Tore warf. Bundestrainer Heiner Brand sagte, dass er froh sei, dass sein Team nun weitere Erfahrungen bei der EM sammeln könne. Er hielt ihm zugute, spielerisch zu sich gefunden zu haben. Und er pries seinen unermüdlichen Einsatzwillen. Zum Auftakt der Hauptrunde trifft das Team nun am Sonntag (16.30 Uhr) auf Olympiasieger und Weltmeister Frankreich, am Dienstag auf den Olympia-Dritten Spanien sowie am Donnerstag auf Außenseiter Tschechien.

In Innsbruck tummeln sich auch einige deutsche Handball-Größen von gestern, Christian Schwarzer zum Beispiel oder Stefan Kretzschmar. Sie sind immer noch am Ball, inzwischen allerdings als Beobachter für das Fernsehen. Brand wäre zuletzt vermutlich froh gewesen, wenn er etwa auf einen Mann wie Schwarzer hätte zurückgreifen können. Schließlich fehlte dem deutschen Team bisher ein Anführer von Format. Aber es soll ja nun vieles besser werden - und die Darbietung vom Freitag ließ wenigstens teilweise erkennen, dass die Deutschen es ernst meinen mit ihren guten Vorsätzen. Da warfen sie sogar das erste Tor, das war ihnen zuvor kein einziges Mal gelungen. Der Hamburger Torsten Jansen traf per Siebenmeter. Und selbst Oliver Roggisch, der für gewöhnlich nur in der Abwehr eingesetzt wird, erzielte einen Treffer. Er hatte sich am Kreis durchgesetzt.

Brands Spieler wirkten wesentlich konzentrierter als zuletzt, offensichtlich hatten sie die Belehrungen des Bundestrainers verstanden. Sie bestimmten von Anfang an das Geschehen. Der Fortschritt machte sich speziell in der Offensive bemerkbar: Die Deutschen brachten mehr Struktur in ihre Angriffe, die Fehlerquote war deutlich geringer als in den ersten beiden Spielen. Frischen Elan offenbarten nicht zuletzt Spielgestalter Michael Kraus und Glandorf. Kraus ersetzte bisweilen auch im linken Rückraum den manchmal sehr ungestümen Lars Kaufmann, der Kapitän agierte selbstbewusst und trug mit seiner Dynamik dazu bei, dass die Deutschen sich schon in den ersten dreißig Minuten eine Führung erarbeiten konnten.

In der deutschen Gemeinschaft gab es jedoch immer noch einige Risse. Beim Stand von 23:21 zum Beispiel vergaben Brands Spieler gleich mehrere Tormöglichkeiten, was wieder für beträchtliche Unruhe beim Bundestrainer sorgte. Zumal die Schweden mit 27:27 den Gleichstand herstellten und der Verteidigungsspezialist Roggisch nach seiner dritten Zeitstrafe endgültig das Feld verlassen musste. Allerdings war das deutsche Team doch stabil genug, um auch eine solche Schwächephase zu überstehen. Außerdem konnte es sich in den aufregenden letzten Minuten auf Heinevetter verlassen.

Der Handball steckt manchmal voller Überraschungen

So darf Innsbruck nun also weiterhin die Deutschen beherbergen, was die Österreicher bestimmt sehr begrüßen, weil hinter Brands Team eine stimmgewaltige Fangemeinde steht. Austria hofft jetzt, dass auch das eigene Nationalteam dem Turnier noch eine Weile erhalten bleibt. Nach dem überraschenden 37:37 gegen Island muss Österreich allerdings an diesem Samstag gegen Serbien nachlegen. In Linz war Markus Wagesreiter der Mann der Stunde: Er hatte in letzter Sekunde den Ausgleich geschafft mit einem Wurf aus der eigenen Hälfte. „Dieses Finish“, sagte Tormann Nikola Marinovic, „war ein Wunder.“

Dieser Meinung war auch Gudmundur Gudmundsson, der isländische Coach, er hatte das jedoch aus einer anderen Warte gesehen. Er haderte mit den rumänischen Schiedsrichtern, denen er vorwarf, am Schluss eine bisher unbekannte Handball-Regel ins Spiel gebracht zu haben. „Sie haben in den letzten zwei Minuten bei jeder Unterbrechung und jedem Tor von Österreich die Zeit gestoppt. Als Österreich das letzte Tor gemacht hat, haben sie die Zeit dann auf einmal nicht mehr angehalten.“ Ja, der Handball steckt manchmal voller Überraschungen. In Österreich wurde das eindrucksvoll auch durch die Deutschen bestätigt - am Freitag zumindest wieder auf positive Art.

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Jahrgang 1957, Sportredakteur.

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