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Filmfestival Berlinale im Zeichen der Wirtschaftskrise

27.01.2009 ·  Das ungehemmten Wirtschaftswachstum und der darauffolgende Absturz dominieren laut Festivalchef Dieter Kosslick die diesjährige Berlinale. Das Programm des Filmfestes, das Anfang Februar beginnt, ist am Dienstag vorgestellt worden.

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Mit der Kamera ganz nahe an der Realität: Die Filme der 59. Berlinale (5. bis 15.2.) zeigen, wie die Opfer und Täter von Globalisierung und Kriegen aussehen. „Die Wirklichkeit hat die Fiktion in diesem Jahr wirklich eingeholt“, sagte der Direktor der Internationalen Filmfestspiele Berlin, Dieter Kosslick am Dienstag. „Die Finanzkrise hat Auswirkungen auf das Berlinale-Programm.“ Es seien viele Filme über die Folgen des ungehemmten Wirtschaftswachstums und den darauffolgenden Absturz zu sehen.

Mit einer Weltpremiere aus Deutschland wird das Festival am 5. Februar im Berlinale-Palast am Potsdamer Platz eröffnet. Tom Tykwers Finanzthriller „The International“ erzählt von den Machenschaften einer internationalen Großbank - mit den britischen Stars Clive Owen („Children Of Men“) und Naomi Watts („King Kong“) in den Hauptrollen. Das aktuelle Geschehen habe aus dem bereits vor Monaten ausgewählten Eröffnungsfilm plötzlich eine Art Dokumentarfilm über den Zustand der Welt gemacht, meinte Kosslick. „Viele Spielfilme geben die Wirklichkeit besser wieder als alles andere.“

Irak und Den Haag

In Oren Movermans „The Messenger“ spielt Hollywoodstar Woody Harrelson einen Irak-Heimkehrer, der als Armee-Bote den Familien gefallener Soldaten die Todesnachricht überbringt. Im deutschen Wettbewerbsbeitrag „Sturm“ erzählt Regisseur Hans-Christian Schmid über das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag. Tykwers Eröffnungsfilm „The International“ läuft im offiziellen Wettbewerb um den Goldenen Bären ebenso außer Konkurrenz wie der deutsche Episodenfilm „Deutschland 09“. An dem Werk haben Regisseure wie Tykwer, Fatih Akin, Hans Weingartner und Dani Levy mitgewirkt. Um die Festivalpreise konkurrieren wie im vergangenen Jahr zwei deutsche Regisseure: Neben Schmid mit „Sturm“ ist es Maren Ade mit dem Beziehungsdrama „Alle Anderen“.

Drei der interessantesten deutschen Beiträge haben keine Bären-Chancen, da sie im Berlinale-Spezial-Programm laufen: Die mit Spannung erwartete Filmbiografie „Hilde“ mit Heike Makatsch als Hildegard Knef (Regie Kai Wessel) und Hermine Huntgeburths Verfilmung von Fontanes Roman „Effi Briest“ mit Bären-Gewinnerin Julia Jentsch („Sophie Scholl - Die letzten Tage“) in der Titelrolle. Nicht im Wettbewerb ist auch das Drama „John Rabe“ von Oscar-Preisträger Florian Gallenberger. Ulrich Tukur spielt darin den deutschen Kaufmann John Rabe, der kurz vor dem Zweiten Weltkrieg 250.000 Chinesen das Leben rettete.

Gute Filme, prima Schauspieler

„Es gab dieses Jahr mehr deutsche Filme mit Wettbewerbs-Qualität als wir in den Wettbewerb nehmen konnten“, sagte Kosslick dazu. Dem deutschen Film stellt Kosslick ein gutes Zeugnis aus: „Es steht gut um den deutschen Film. Die Stimmung ist gut, die Filme sind gut, die Schauspieler sind prima. Es gibt eine sehr differenzierte Produktionslandschaft, es gibt alle Arten von Filmen. Und die Leute gehen ins Kino. Und obendrauf gibt's noch eine Oscar-Nominierung“, sagte der Berlinale-Chef mit Blick auf Bernd Eichinger RAF-Film „Baader Meinhof Komplex“, der Chancen auf einen Auslands-Oscar hat.

Auf dem roten Teppich wird es auch in diesem Jahr wieder eng. Erwartet werden die oscarnominierte Kate Winslet („Der Vorleser“), Renée Zellweger („My One And Only“), Michelle Pfeiffer („Cheri“), Demi Moore und Ellen Barkin („Happy Tears“) sowie Julianne Moore und Winona Ryder („The Private Lives of Pippa Lee“). Ihr Kommen zugesagt hat auch eine stattliche Riege männlicher Stars, darunter Keanu Reeves („The Private Lives of Pippa Lee“), Michel Piccoli und Willem Dafoe („The Dust of Time“), Woody Harrelson („The Messenger“), Steve Martin („Pink Panther II“) und Gael Garcia Bernal („Mammoth“). Zur traditionellen „Cinema for Peace“-Gala hat sich Leonardo DiCaprio angesagt.

Die Filme im Wettbewerb

„Alle Anderen“ (Deutschland), Regisseur: Maren Ade, Hauptdarsteller: Birgit Minichmayr, Lars Eidinger, Hans Jochen Wagner

„Chéri“ (Großbritannien/Deutschland/Frankreich), Regisseur: Stephen Frears, Hauptdarsteller: Michelle Pfeiffer, Kathy Bates, Rupert Friend

„Darbareye Elly“ (Iran), Regisseur: Asghar Farhadi, Hauptdarsteller: Golshifteh Farahani, Taraneh Alidousti, Mani Haghighi

„Forever Enthralled“ (Volksrepublik China), Regisseur: Chen Kaige, Hauptdarsteller: Leon Lai, Zhang Ziyi, Sun Honglei

„Gigante“ (Uruguay/Deutschland/Argentinien/Niederlande), Regisseur: Adrián Biniez, Hauptdarsteller: Horacio Camandulle, Leonor Svarcas, Néstor Guzzini

„Happy Tears“ (Vereinigte Staaten), Regisseur: Mitchell Lichtenstein, Hauptdarsteller: Demi Moore, Parker Posey, Rip Torn

„In The Electric Mist“ (Frankreich/Vereinigte Staaten), Regisseur: Bertrand Tavernier, Hauptdarsteller: Tommy Lee Jones, John Goodman, Peter Sarsgaard

„Katalín Varga“ (Rumänien/Großbritannien/Ungarn), Regisseur: Peter Strickland, Hauptdarsteller: Hilda Péter, Norbert Tankó, Tibor Pálfy

„Lille Soldat“ (Dänemark), Regisseur: Annette K. Olesen, Hauptdarsteller: Trine Dyrholm, Finn Nielsen, Lorna Brown

„London River“ (Algerien/Frankreich/Großbritannien), Regisseur: Rachid Bouchareb, Hauptdarsteller: Brenda Blethyn, Sotigui Kouyate, Roschdy Zem

„Mammoth“ (Schweden/Deutschland/Dänemark), Regisseur: Lukas Moodysson, Hauptdarsteller: Gael García Bernal, Michelle Williams, Sophie Nyweide

„The Messenger“ (Vereinigte Staaten), Regisseur: Oren Moverman, Hauptdarsteller: Ben Foster, Woody Harrelson, Samantha Morton

„My One And Only“ (Vereinigte Staaten), Regisseur: Richard Loncraine, Hauptdarsteller: Renée Zellweger, Kevin Bacon, Logan Lerman

„Rage“ (Großbritannien/Vereinigte Staaten), Regisseur: Sally Potter, Hauptdarsteller: Judi Dench, Jude Law, Dianne Wiest

„Ricky“ (Frankreich/Italien), Regisseur: Francois Ozon, Hauptdarsteller: Alexandra Lamy, Sergí Lopez, Mélusine Mayance

„Storm“ (Deutschland/Dänemark/Niederlande), Regisseur: Hans-Christian Schmid, Hauptdarsteller: Kerry Fox, Anamaria Marinca, Stephen Dillane

„Tatarak“ (Polen), Regisseur: Andrzej Wajda, Hauptdarsteller: Krystyna Janda, Pawel Szajda, Jan Englert

„La teta asustada“ (Spanien/Peru), Regisseur: Claudia Llosa, Hauptdarsteller: Magaly Solier, Susi Sánchez, Efraín Solís

Außer Konkurrenz

„Deutschland '09 - 13 kurze Filme zur Lage der Nation“ (Deutschland), Regisseure: unter anderem Fatih Akin, Tom Tykwer, Wolfgang Becker

„I skoni tou chronou“ (Griechenland/Italien/Deutschland/Russland), Regisseur: Theo Angelopoulos, Hauptdarsteller: Willem Dafoe, Bruno Ganz, Michel Piccoli

„Eden à l'Ouest“ (Frankreich/Griechenland/Italien), Regisseur: Costa-Gavras, Hauptdarsteller: Riccardo Scamarcio, Juliane Köhler, Ulrich Tukur

„The International“ (Vereinigte Staaten/Deutschland), Regisseur: Tom Tykwer, Hauptdarsteller: Clive Owen, Naomi Watts, Armin Mueller-Stahl

„Notorious“ (Vereinigte Staaten), Regisseur: George Tillman Jr., Hauptdarsteller: Angela Bassett, Derek Luke, Jamal Woolard

„Pink Panther 2“ (Vereinigte Staaten), Regisseur: Harald Zwart, Hauptdarsteller: Steve Martin, Jean Reno, Emily Mortimer

„The Private Lives Of Pippa Lee“ (Vereinigte Staaten), Regisseur: Rebecca Miller, Hauptdarsteller: Robin Wright Penn, Alan Arkin, Keanu Reeves, Julianne Moore, Monica Bellucci

„The Reader“ (Vereinigte Staaten/Deutschland), Regisseur: Stephen Daldry, Hauptdarsteller: Kate Winslet, Ralph Fiennes, David Kross

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa
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