11.02.2009 · Das Schöne an einfachen Gesten ist ja, dass sie über Sprach- und Kulturgrenzen hinweg verstanden werden, was bei einem internationalen Filmfestival sehr hilfreich ist. Doch manche Geste ergibt auch auf der Berlinale keinen Sinn.
Von Peter KörteDas Schöne an einfachen Gesten ist ja, dass sie über Sprach- und Kulturgrenzen hinweg verstanden werden, was bei einem internationalen Filmfestival sehr hilfreich ist. Wenn Birgit Minichmayr in „Alle anderen“ den Zeigefinger ausstreckt und den Daumen hochreckt, weiß jeder, dass sie dem kleinen Mädchen einen Schuss vorführen will. Da bräuchte es gar keine Untertitel (siehe: Berlinale 2009: „Alle anderen“ von Maren Ade).
Und in „John Rabe“ wissen alle Zuschauer, warum der arme chinesische Arbeiter angeraunzt wird, der als Einziger in der langen Reihe den linken Arm schräg nach oben zum sogenannten deutschen Gruß hält. Aber man muss gelegentlich doch darauf achten, wen man vor sich hat, wenn man einen Ring aus Daumen und Zeigefinger bildet und die übrigen Finger abspreizt. Ein Italiener jedenfalls könnte das persönlich nehmen.
Und dann gibt es noch, was Raymond Chandler in seinem Roman „Die kleine Schwester“ über die Titelfigur geschrieben hat: „Sie verfügte über die sinnloseste Kollektion von Gesten, die ich je gesehen hatte.“ Man versteht sie irgendwie, aber einen Sinn ergeben sie in ihrem aktuellen Kontext nicht. Auch da wird man auf der Berlinale fündig, wenn man nur lange genug hinschaut. Zum Beispiel, als neulich Moritz de Hadeln, der ehemalige Direktor der Berlinale, den roten Teppich betrat, sehr langsam ging, sich umschaute, dann den rechten Arm hob und einem imaginären Publikum zuwinkte wie die Stars Woody Harrelson und Steve Buscemi, auf welche die Leute gewartet hatten.
Peter Körte Jahrgang 1958, Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.
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