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Berlinale 2009 Bilderzauber

11.02.2009 ·  Schön wollten Chen Kaiges Filme immer sein, brisant aber waren nur die frühen. Kaiges neustes Werk „Forever Enthralled“ ist zwar nie langatmig, aber stets kurzsichtig: Manche Themen versinken regelrecht im Prunk der Bilder.

Von Andreas Platthaus
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Dies ist die Geschichte eines Genies und seines - sagen wir - Managers. Sie selbst nennen sich Brüder. Doch der eine, das Genie, changiert zwischen den Geschlechtern: Mei Lanfang ist ein chinesischer Opernsänger, spezialisiert auf Frauenrollen, denn im Kaiserreich hat Weibsvolk auf der Bühne nichts zu suchen. Genauso wenig wie individuelle Ausdeutung der Rollen. „Ich habe keinen Fuß falsch gesetzt“, bestätigt sich Meister Shisan, Altstar der Peking-Oper. Doch als er das sagt, hat er gerade vor leerem Haus gespielt, während sein früherer Bühnenpartner Mei nebenan einen rauschenden Erfolg mit einer emotional interpretierten Vorführung feiert. Verantwortlich für dieses ästhetische Wagnis ist Qiu Rubai. Der Operngesang von Mei hat ihn derart in den Bann geschlagen, dass er die eigene Karriere quittiert und sich um die des Künstlers kümmert. Er ist der zweite „Bruder“, und er wird im nächsten halben Jahrhundert so eifersüchtig über den anderen wachen, dass er dessen Privatleben fast zerstört.

Chen Kaige hat die wahre Geschichte des 1894 geborenen Sängers Mei Lanfang um ein Geschwisterdrama zwischen Freunden erweitert. Das gleicht in der Kombination von Kunst und Politik und Liebe und Verrat Chens Film „Lebewohl, meine Konkubine“, mit dem der chinesische Regisseur 1994 die Goldene Palme und im Jahr darauf den Oscar gewann. Seitdem sind seine Werke immer kunstgewerblicher geworden - mit dem Tiefpunkt von „Wu Ji“, der vor drei Jahren als computergeneriertes Mythenspektakel hier im Wettbewerb lief. Nun ist Chen zurückgekehrt mit „Forever Enthralled“ (Ewig verzaubert), der fast nur in Innenräumen angesiedelt und von Zhao Xiaoshi so subtil fotografiert wurde, dass Vermeer vor dieser Lichtführung erblassen müsste.

Das schönste Gesicht des chinesischen Sozialismus

Schön wollten Chens Filme immer sein, brisant aber waren nur die frühen. „Forever Enthralled“ berührt zwar fünf historische Epochen: Kaiserreich, Republik, japanische Besatzung, Bürgerkrieg, Volksrepublik. Doch nur die Jahre von 1911 bis 1945 und damit die historisch eindeutig besetzten Phasen werden in den zweieinhalb Stunden breit geschildert. Die Besatzungszeit bietet natürlich reine Willkür, die Republik erscheint dagegen als ästhetisch wie politisch wagemutige Zeit. Frauen dürfen plötzlich auf die Bühne und sogar Männerrollen singen, wie es die bildhübsche Meng Xiaodong tut, die von Zhang Ziyi, dem schönsten Gesicht des chinesischen Sozialismus, gespielt wird. Sie bringt Unruhe in die Brüderschaft von Mei und Qiu, und nur mit einem Trick, der sich als Karriereplanung tarnt, gelingt es dem Manager, Sänger und Sängerin zu trennen.

Wie Leon Lai als Mei und Sun Honglei als Qiu ihre schicksalhafte Partnerschaft vorführen, hat etwas Erschreckendes, weil hier die bis zuletzt bedingungslose Devotion des einen und das für lange Zeit blinde Vertrauen des anderen jeweils verständlich sind - so ist Freundschaft. Doch diese Ebene des Films ist eine, die hinter dem Prunk der Bilder und der Magie des Klangs stärker hätte freigelegt werden müssen, als Chen es wagt, wenn er schon politisch nichts mehr riskiert (Mei stirbt 1961, also vor der Kulturrevolution, die der Peking-Oper fast den Todesstoß versetzt hätte). Der Regisseur verlässt sich jedoch allein auf die akribische Rekonstruktion des Bühnenzaubers, und so ist ein zwar nie langatmiger, aber stets kurzsichtiger Film entstanden, der gegenüber dem thematisch so verwandten „Lebewohl, meine Konkubine“ abfällt. Es mag Chens persönliches Drama sein, dass ihn dieses Meisterwerk sein Leben lang verfolgen wird.

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