13.12.2009 · Voneinander abweichende Darstellungen gibt es nicht allein über die Ereignisse in Afghanistan, sondern auch über das Folgegeschehen im Verteidigungsministerium - darunter zwei Versionen über ein Gespräch zwischen Generalinspekteur Schneiderhan, Staatssekretär Wichert und Minister Guttenberg.
Voneinander abweichende Darstellungen zum Fall Kundus gibt es nicht allein über die Ereignisse in Afghanistan, sondern auch über das Folgegeschehen im Verteidigungsministerium in Berlin. So war bislang berichtet worden, Verteidigungsminister zu Guttenberg (CDU) habe die beiden mächtigen, nach mancher Lesart übermächtigen Männer in seinem Haus, Generalinspekteur Schneiderhan und Staatssekretär Wichert, deshalb entlassen, weil sie ihm in einem Gespräch am 25. November auf mehrfaches Nachfragen die namentliche Nennung und Herausgabe aller im Verfügungsbereich des Ministeriums existierender Berichte verweigert hätten.
Guttenberg, der es nach einer Vorabinformation durch die "Bild"-Zeitung besser gewusst haben soll, sei nach diesem Gespräch zur Entlassung des verdienten Soldaten und des verdienten Beamten geschritten. Dreimal habe, so wurde später berichtet, Guttenberg nach der Existenz weiterer Berichte gefragt, dreimal hätten die beiden Männer das geleugnet.
Diese Geschichte, die ein wenig biblisch klingt und jedenfalls nach gerechtem Zorn, wird - aus anderen Quellen gespeist- mittlerweile anders berichtet. Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" berichtete, Wichert und Schneiderhan hätten in der Unterredung auf die allererste Nachfrage Guttenbergs im Wechsel die einzelnen Berichte aufgezählt, von denen sie wussten. Die Unterredung habe zehn Minuten gedauert, Wichert und Schneiderhan hätten "spätestens jetzt" gemerkt, dass Guttenberg von anderer Art sei als sein Vorgänger Jung und die fehlenden Berichte nicht nur haben, sondern auch lesen wollte. Sie eilten los und beschafften dem neuen Minister die gewünschten Texte. Innerhalb von zwei Stunden noch am selben Tag hatte Guttenberg den Feldjägerbericht (den Jung ungelesen weitergeleitet hatte), den ersten Bericht des Oberst Klein, einen Bericht vom Roten Kreuz und einen Bericht eines Bundeswehr-Rechtsberaters auf dem Tisch.
Demnächst als Zeugen geladen
Doch Guttenberg sei es nicht um die Berichte gegangen, er habe sich offenbar schlecht beraten gefühlt. Die beiden Männer, Schneiderhan und Wichert, seien einzeln in das Ministerbüro gebeten worden, so die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung", und hätten dort erfahren, dass der Minister beabsichtige, sie in den einstweiligen Ruhestand zu versetzen.
Die Version über die Mitarbeiter, die nicht wahrheitsgetreu geantwortet hätten, wurde dem Bericht zufolge "aus dem Umfeld des Ministers" in Umlauf gebracht. Das aber habe die beiden Hauptbetroffenen, den Ex-General und den Ex-Staatssekretär, empört. Wichert habe sogar einen Brief an den Minister geschrieben und um Klarstellung gebeten, insbesondere gegenüber der Zeitschrift "Der Spiegel". Das sei aber nicht geschehen. Offenbar haben die Betroffenen daraufhin ihre eigenen Möglichkeiten genutzt, ihre Version bekanntzumachen. Inzwischen hat die Zeitschrift "Der Spiegel" davon Kenntnis erhalten und berichtet in ihrer jüngsten Ausgabe davon. Sofern die Version "aus dem Lager Schneiderhan/Wichert" stimme, hätte Guttenberg die Öffentlichkeit belogen und lediglich Sündenböcke für seinen eigenen Irrtum - die Einschätzung, der Bombenangriff auf die Tanklaster und die Taliban sei verhältnismäßig gewesen - gesucht. Die beiden Entlassenen werden ihre Darstellung der Ereignisse demnächst als Zeugen dem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss vortragen können, der sich mit dem Fall Kundus beschäftigen soll.