25.12.2009 · Die radikal-islamischen Taliban haben neue Videoaufnahmen eines in Afghanistan verschleppten amerikanischen Soldaten veröffentlicht. In den Aufzeichnungen warnt der Soldat vor einer drohenden Niederlage für Amerika.
Die radikal-islamischen Taliban in Afghanistan haben ein Video veröffentlicht, das einen verschleppten amerikanischen Soldaten zeigt. Die Internationale Schutztruppe Isaf verurteilte das am ersten Weihnachtsfeiertag ins Internet gestellte Video scharf. „Dieser abscheuliche Akt (...) zeigt das gewalttätige und hinterlistige Gesicht der Aufständischen“, erklärte die Nato-geführte Isaf in einer am Freitag in Kabul verbreiteten Erklärung.
Gleichzeitig bestätigte die Isaf, dass es sich bei dem Soldaten im Film um den im Juli im Südosten Afghanistans verschleppten amerikanische Gefreiten Bowe Bergdahl handelt. In dem Video identifiziert sich der Soldat in Uniform auch selbst als der 23-jährige Bergdahl. Er fordert die Amerikaner auf, gegen den Afghanistankrieg zu protestieren. „Ich fürchte, ich muss euch sagen, dass uns dieser Krieg aus den Händen geglitten ist. Afghanistan wird das nächste Vietnam, wenn das amerikanische Volk nicht aufsteht, um diesem Wahnsinn ein Ende zu setzen.“ Zugleich gab der junge Soldat an, er werde in seiner Gefangenschaft menschlich behandelt.
Ein gut organisierter und geduldiger Feind
Seine Kameraden warnt er, diese stünden einem äußerst gut organisierten und geduldigen Feind gegenüber. Wann die Aufnahmen gemacht wurden, ist unklar. Ein Taliban-Sprecher sagte, der Soldat sei bei guter Gesundheit. Die amerikanische Regierung forderte er zu einem Gefangenenaustausch auf. Ein Sprecher des amerikanischen Militärs verurteilte die Aufnahmen und den Zeitpunkt der Veröffentlichung. Der Soldat sei offensichtlich gezwungen worden, eine vorbereitete Erklärung zu verlesen. Die Freigabe der Aufnahmen an Weihnachten bezeichnete er als Affront für Familie und Freunde des Soldaten. Zugleich bekräftigte er, die Suche nach dem Soldaten werde fortgesetzt.
Die Marines sollen Afghanistan beim Aufbau einer friedlichen Demokratie helfen - doch viele der amerikanischen Soldaten im Südwesten des Landes schlagen sich nur noch mit von Aufständischen gebauten Sprengsätzen herum, sogenannten IEDs.
Die Gewalt in Afghanistan ist derzeit auf dem höchsten Stand seit dem Sturz der Taliban 2001. Die amerikanische Regierung hat daher mit der Entsendung von 30.000 weiteren Soldaten begonnen. Derzeit kämpfen in Afghanistan rund 110.000 ausländische Streitkräfte gegen die Aufständischen, mehr als die Hälfte von ihnen Soldaten aus den vereinigten Staaten.