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Afghanistan Karzai droht mit Blockade der Nato-Offensive

05.04.2010 ·  Auf einer Versammlung von Stammesvertretern hat der afghanische Präsident Karzai angekündigt, die geplante Nato-Operation in der Region Kandahar zu verhindern, falls es dagegen Vorbehalte gebe. Ist das nur Taktik oder droht eine neue Konfrontation mit dem Westen?

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Der afghanische Präsident Hamid Karzai hat sein Veto gegen eine Nato-Offensive in der Region Kandahar angedroht. Sollte die geplante Operation nicht von der örtlichen Bevölkerung unterstützt werden, werde er das Vorhaben blockieren, sagte Karzai am Sonntag vor etwa 1500 Stammesältesten bei einem Treffen in der Stadt Kandahar.

Karzai wurde begleitet von dem Oberkommandierenden der Nato- und der amerikanischen Truppen in Afghanistan, dem amerikanischen General Stanley McChrystal. Dieser äußerte sich nicht über die Aussagen des Präsidenten. Die Nato plant derzeit die größte Offensive gegen die Taliban in der Region seit Beginn des Krieges vor acht Jahren.

Karzai sagte auf dem Treffen zudem, Afghanistan werde erst zur Ruhe kommen, wenn die Bürger daran glaubten, dass ihr Präsident unabhängig und keine „Marionette“ sei. Die Mitarbeiter der Regierung sollten sich nicht von „Ausländern“ in ihre Arbeit hineinpfuschen lassen. Er habe dem amerikanischen Präsidenten Barack Obama bereits gesagt, dass er das afghanische Volk nicht durch Krieg zusammenhalten könne. „Seit acht Jahren geht das nun schon so“, sagte Karzai. „Wir wollen Frieden und Sicherheit.“

Zu der geplanten Nato-Offensive sprach Karzai die 1500 Stammesvertreter direkt an. „Ich weiß, dass ihr besorgt seid“, sagte Karzai und fragte dann: „Seid ihr besorgt?“ Einige der Stammesvertreter antworteten „Ja, das sind wir“, worauf Karzai entgegnete: „Wenn ihr besorgt seid, wenn ihr damit nicht glücklich seid, dann wird es keine solche Operation geben.“

Der amerikanische Generalmajor William Mayville deutete die Äußerungen Karzais so, dass der Präsident bei der Offensive „mit an Bord“ sei und lediglich versuche, Unterstützung bei den Stammesältesten zu gewinnen.

Karzai hatte am Donnerstag westlichen Staaten vorgeworfen, ihn schwächen zu wollen. „Sie wollen, dass das Parlament und ich als Präsident wirkungslos sind“, hatte er gesagt und dem Westen unterstellt, an Wahlen in Afghanistan nicht interessiert zu sein. Die Vereinigten Staaten hatten daraufhin eine Klarstellung verlangt. Am Freitag dann hatte ein Sprecher Karzais erklärt, der Präsident und die amerikanische Außenministerin Hillary Clinton hätten in einem Telefongespräch die Partnerschaft zwischen beiden Staaten bekräftigt. Karzai und das afghanische Volk seien dankbar für die Unterstützung und die Opfer der internationalen Gemeinschaft.

Unterdessen gestand die Nato ein, bei einer nächtlichen Razzia im Februar fünf Zivilisten getötet zu haben. Das teilte das Verteidigungsbündnis am Sonntag mit. Unter den Toten seien drei Frauen gewesen. Die Soldaten hätten angenommen, dass sich in dem Haus ein Taliban-Rebell befinde. Die beiden Männer seien getötet worden, weil sie Waffen getragen hätten. Die Frauen seien bei der Schießerei ums Leben gekommen. „Wir wissen jetzt, dass die getöteten Männer lediglich ihre Familien beschützen wollten“, sagte ein Isaf-Sprecher.

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