16.07.2009 · Die einen bewundern seine analytischen Fähigkeiten, die anderen stoßen sich an seinem kämpferischen Stil, der keiner Auseinandersetzung aus dem Weg geht. Der SPD-Chef von Schleswig-Holstein, Ralf Stegner, gilt schon lange als „roter Rambo“.
Von Frank PergandeRalf Stegner wurde 1959 in Bad Dürkheim geboren. Er studierte in Freiburg und an verschiedenen Hochschulen in Amerika. Mit einer Arbeit über „Theatralische Politik made in USA“ wurde er promoviert. Anfang der neunziger Jahre kam er nach Kiel, zunächst als Sprecher im Sozialministerium. 1996 wurde er Staatssekretär im Sozialministerium, von 1998 an im Bildungsministerium. Schon damals galt er als „roter Rambo“. Die einen bewunderten seine analytischen Fähigkeiten und seine Beredsamkeit, die anderen stießen sich an seinem kämpferischen Stil, der keiner Auseinandersetzung aus dem Weg geht, ja die Auseinandersetzung besonders mag.
2003 wurde Stegner Finanzminister. Ministerpräsidentin war damals Heide Simonis. Stegner übernahm das Amt von Claus Möller, dem er dann noch einmal nachfolgen sollte: im März 2007 als Parteivorsitzender. Nach der Landtagswahl 2005 wurde Stegner in der großen Koalition Innenminister. Schon damals gab es erhebliche Spannungen zwischen ihm und der CDU, insbesondere zu Ministerpräsident Peter Harry Carstensen, über den er sich gern lustig machte und mit dessen mitunter vor Lebenslust dröhnenden Auftritten er nichts anzufangen weiß.
Stegner dürfte Zukunft haben
Politik ist für Stegner nicht heißes Herz, sondern kühler Verstand. In der CDU wurde das als überheblich empfunden und drückte die Stimmung in der Koalition. Carstensen zwang seinen Gegenspieler Anfang des vergangenen Jahres, aus dem Kabinett auszuscheiden. Stegner tauschte den Posten mit dem Fraktionsvorsitzenden Lothar Hay, den das nicht erfreute.
Im neuen Amt erhielt Stegner nur 20 von 29 Stimmen. Seitdem aber konnte er unter seinen Genossen seine Beliebtheit verbessern, zumal er im persönlichen Umgang freundlich und unterhaltend sein kann. Stegner wurde schon im vergangenen Jahr Spitzenkandidat seiner Partei für die nächste Landtagswahl. Auch in der Bundes-SPD hält man viel von ihm. Er dürfte Zukunft haben, ob nun in Kiel oder in Berlin.
Frank Pergande Jahrgang 1958, politischer Korrespondent für Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern mit Sitz in Schwerin.
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