16.08.2007 · Die ständigen Doping-Affären haben für den Radsport auch finanzielle Folgen. Der Bund Deutscher Radfahrer verliert mit dem Arzneimittelhersteller Stada seinen wichtigsten Geldgeber; Edeka möchte als Sponsor der Deutschland-Tour lieber im Hintergrund bleiben.
Von Rainer SeeleNot macht erfinderisch – und so gibt es auch im Radsport in Zeiten des Dopings manch erstaunliche Wendung. Das ist zum Beispiel bei der Deutschland-Tour zu sehen. Einer der Hauptsponsoren der Rundfahrt deutscher Art ist der Lebensmittelkonzern Edeka. Er erfüllt zwar auch in diesem Jahr seine Verpflichtungen – allerdings entschloss er sich, bei der Deutschland-Tour 2007 wegen der anhaltenden Doping-Diskussionen nicht in Erscheinung zu treten. Dis bislang verwendeten Werbeflächen stellte Edeka der Anti-Doping-Initiative „Bleib sauber – live clean“ zur Verfügung. Derzeit wird geprüft, ob die Kooperation mit der Deutschland-Rundfahrt weitergeführt werden soll.
Andere Finanziers haben die Zeichen bereits auf Stopp gestellt, sie wollen mit dem durch Doping-Skandale schwer belasteten Radsport nichts mehr zu tun haben. Davon ist nun auch der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) betroffen, der zum Jahresende mit dem Arzneimittelunternehmen Stada einen seiner wichtigsten Geldgeber verliert. Stada steigt vorzeitig aus dem bis 2008 laufenden Vertrag aus. „Wir haben insgesamt nicht mehr feststellen können, dass unser Sponsoring eine positive öffentliche Wahrnehmung hat“, sagte Stada-Sprecher Axel Müller.
„Böswilligkeiten zeigen Wirkung“
Den Entschluss, sich vom BDR zu lösen, teilte Stada dem von Rudolf Scharping geführten Verband vor etwa einer Woche per Fax mit. Scharping, der sich gerade im Urlaub befindet, bedauert diesen Schritt – er sagte aber auch, dass er ihn nachvollziehen könne. Er habe, behauptete Scharping, mit den fortwährend hergestellten Verbindungen zwischen einem Hersteller von Arzneimitteln mit Epo und Doping zu tun. „Das ist zwar böswillig, aber solche Böswilligkeiten zeigen Wirkung.“ Wegen der vorzeitigen Kündigung wird der BDR von Stada eine kleine Abstandszahlung erhalten; wahrscheinlich wird sie noch in diesem Jahr überwiesen werden.
Die Doping-Affären im Radsport haben dem BDR mithin einen beträchtlichen finanziellen Schaden zugefügt. Die dadurch entgangenen Einnahmen – inklusive des Rückzugs von Stada – belaufen sich angeblich auf eine Million Euro. Allerdings verwies Scharping auch darauf, dass der BDR in den vergangenen beiden Jahren „eine ganze Reihe von zusätzlichen Sponsoren“ gewonnen habe; demnächst sollen zwei weitere Partner hinzukommen. Trotzdem, sagte Scharping am Mittwoch, stehe der BDR vor enormen Herausforderungen. In anderen Worten: „Die Welt ist nicht immer so schön, wie man sie sich malen möchte.“
Imageverlust durch die ständigen Doping-Debatten
Der Schriftzug von Stada taucht unter anderem auf den Trikots der deutschen Radsport-Nationalmannschaften auf. Müller sagte am Mittwoch, dass die Trennung vom BDR nichts mit dem Verband selbst zu tun habe. „Wir haben ein gutes Verhältnis zum BDR.“ Müller lobte dazu die Bemühungen des Bundes Deutscher Radfahrer im Kampf gegen Doping. „Er unternimmt durchaus Anstrengungen, das Ganze in den Griff zu bekommen.“ Dennoch fürchtete Stada offensichtlich einen Imageverlust durch die ständigen Doping-Debatten im Radsport. Den BDR scheint dieser Ausstieg unvorbereitet getroffen zu haben. „Mich überrascht die Kündigung zum jetzigen Zeitpunkt“, sagte BDR-Vizepräsident Dieter Kühnle.
Am Wochenende wird Scharping aus den Ferien zurückkehren. Er will dann nicht zuletzt die Verhandlungen mit den neuen potentiellen Geldgebern abschließen. Die neue wirtschaftliche Entwicklung dürfte auch ein Thema bei der nächsten BDR-Präsidiumssitzung am 29. August sein. Dabei werden einige heikle Themen behandelt werden – die Personalie Udo Sprenger beispielsweise und die Nominierung der Mannschaften für die Weltmeisterschaften Ende September in Stuttgart. Dabei sollen, so Scharping, nicht nur die sportlichen, sondern „auch alle anderen Gesichtspunkte“ berücksichtigt werden. Mit Überraschungseffekt? Scharping kündigte auf alle Fälle an: „Manche Leute werden sich ziemlich verdutzt angucken.“
Stada übrigens geht zwar zum Radsport auf Distanz, nicht aber zum Sport im Allgemeinen. Es unterstützt seit Jahren schon die Rollstuhl-Basketballspieler des RSV Lahn-Dill. „Selbstverständlich werden wird das fortsetzen“, sagte Müller. Das Umfeld dort sei schließlich positiv.