01.08.2007 · Die italienische Radsportlegende Francesco Moser fordert im Kampf gegen Doping eine „Null-Toleranz-Politik“ und ein sofortiges Berufsverbot für Betrüger. Die Entscheidung über die Austragung der Straßenrad-WM in Stuttgart fällt an diesem Donnerstag.
Die italienische Radsportlegende Francesco Moser fordert im Kampf gegen Doping eine „Null-Toleranz-Politik“ und ein sofortiges Berufsverbot für Dopingsünder. „Wenn derzeit noch einer versucht zu betrügen, ist es das Beste, er sucht sich einen anderen Beruf. Wir müssen hart durchgreifen: Mit einem Berufsverbot schon nach dem ersten Dopingvergehen“, sagte er der italienischen „Gazzetta dello Sport“.
Moser ist Präsident der Radprofi-Vereinigung Cyclistes Professionels Associés (CPA), und kennt sich in Doping-Fragen aus. Bei seinem Stundenweltrekord 1984 hatte er sich von den Blutdoping-Spezialisten Francesco Conconi und Michele Ferrari beraten lassen.
„Aus dem Radsport entfernen“
Moser kritisierte zugleich die unzureichenden Dopingkontrollen: „Sie flößen nicht viel Angst ein“, beklagte der 56jährige Alt-Profi. „Wenn die Fahrer die Gewissheit hätten, erwischt zu werden, würden sie sich anders verhalten“, erklärte der Giro-d‘Italia-Sieger von 1984. Er forderte „strengere Kontrollen“. Mit Doping schade sich der Radprofi nicht nur selbst, sondern schädige auch noch seine Teamkollegen. Dopende Profis gefährdeten die wirtschaftliche Existenz von Teams und damit von ehrlichen Radprofis, betonte Moser. „Allein das ist Grund genug, solche Leute aus dem Radsport zu entfernen.“
Zumindest eine Pause zum Nachdenken hat sich das kasachische Profiradteam Astana genommen. Einen Monat lang will der Rennstall nach den Doping-Vorfällen um Kapitän Alexander Winokurow und dem vorzeitigen Ausstieg aus der Tour de France seine Aktivitäten auf Eis legen. Das Astana-Management will neue Regeln im Bezug auf die Teamstruktur und ethische Grundsätze aufstellen. Das Team von Andreas Klöden wird also auch auf die Teilnahme an der Deutschland-Tour vom 10. bis 18. August sowie den Hamburger Cyclassics am 19. August verzichten. Die Veranstalter der Deutschland-Tour hatten bereits angekündigt, Astana nicht starten lassen zu wollen.
Beide Veranstaltungen werden in der ARD live übertragen. Das haben die Intendanten auf ihrer Schaltkonferenz am Mittwoch einstimmig beschlossen. „Wir haben uns diese Entscheidung im Lichte der Ereignisse bei der Tour de France nicht leicht gemacht“, sagte der ARD-Vorsitzende Fritz Raff. Grundlage für die Zustimmung war ein umfangreiches Antidoping-Programm, das der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) und die Veranstalter vorgelegt hatten. Sollte es nicht eingehalten werden, würden die Übertragungen sofort beendet. Rennställe, die sich nicht an die Auflagen halten, und Fahrer, die unter Dopingverdacht stehen, sollen von der Teilnahme ausgeschlossen werden.
ARD überträgt Deutschland-Tour
Laut Sportchef Roman Bonnaire vom für die Deutschland-Tour federführenden Saarländischen Rundfunk wird die Vor- und Nachberichterstattung das Thema Doping intensiv behandeln. Dies werde zu Lasten der Livebilder gehen. Unter Leitung der Nationalen Antidoping-Agentur Nada sollen die Kontrollen im Vergleich zur Tour de France „engmaschiger und effektiver“ werden. Ausgeloste Fahrer müssen sich sofort nach Zieldurchfahrt beim Begleiter (Chaperon-System) melden. Die „Bringschuld“ liegt bei ihnen und ihren Teams. Siegprämien werden erst nach negativem Testergebnis ausgezahlt. Jeder Fahrer muss vor Beginn der Rennen eine Ehrenerklärung unterschreiben.
Auch die Veranstalter der Weltmeisterschaften, die vom 25. bis 30 September in Stuttgart geplant sind, wollen noch einmal die Ernsthaftigkeit des Radsports im Kampf gegen Doping prüfen. Die endgültige Entscheidung über die Austragung soll an diesem Donnerstag fallen. Eine WM-Absage könnte Stuttgart teuer zu stehen kommen. Der Gesamtetat für die Titelkämpfe beträgt fünf Millionen Euro, davon trägt die Kommune 2,3 Millionen. Drei Millionen sind bereits ausgegeben. Eine zweite Rate in Höhe von 150.000 Euro an den Bund Deutscher Radfahrer hat die Stadt bereits eingefroren.
Stuttgarts "DRECKIGE" WM absagen
Peter Slater (Wales-Rhondda)
- 01.08.2007, 18:06 Uhr
Zuviel des Guten?
Manuel Gradwohl (mGradwohl)
- 01.08.2007, 18:20 Uhr
Wiederholungstäter ja, aber kein generelles Berufsverbot
Harald Kiri (haraldkiri)
- 02.08.2007, 13:56 Uhr
Lachnummer
hermann koch (olmiro)
- 03.08.2007, 12:53 Uhr