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Thomas Haas Das Zwicken stört, das Kribbeln lockt

 ·  Vom Tennisspielen will Thomas Haas nicht lassen, obwohl Schulter und Ellenbogen danach schmerzen. Bei den Australian Open gelingt ihm wieder einmal ein Comeback. „Ich bin froh, dass der Körper durchgehalten hat.“

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Tennis ist für Thomas Haas in den vergangenen Jahren zu einem Zweikampf geworden. Die eine Disziplin ist das Spiel, das der deutsche Profi so liebt und im fortgeschrittenen Alter zunehmend zu genießen versteht. Die andere Herausforderung aber ist dazu angetan, ihm den Spaß an seinem Traumberuf gehörig zu verhageln: Immer wieder muss er sich nach Verletzungen zurückkämpfen auf die Tour, immer wieder einen Anlauf nehmen und sich neu motivieren, um mit der nachrückenden Konkurrenz mithalten zu können.

Meistens waren es Schulterverletzungen, die Haas zurückwarfen, in den vergangenen Wochen zwickte ein entzündeter Ellenbogen, der ihn zu einer Auszeit zwang. „Je älter man wird“, sagte der Dreißigjährige am Dienstag, als er gerade sein x-tes Comeback erfolgreich hinter sich gebracht hatte, „desto schwieriger ist es, nach einer längeren Pause zurückzukehren.“ Über die Leichtigkeit bei seiner jüngsten Rückkehr schien der Hamburger selbst am meisten überrascht. Er könne nicht sagen, „wie das Spiel abgelaufen ist“, sagte Haas, der mit dem 6:3, 6:3 und 6:4 über den Argentinier Eduardo Schwank in die zweite Runde der Australian Open einzog. „Ich bin froh, dass der Körper durchgehalten hat.“

Hin- und hergerissen zwischen Lust und Wehmut

Das Gefühl für den Filzball ist ihm während seiner letzten Zwangspause zwar nicht abhandengekommen, aber das Empfinden für die eigene Leistungsstärke. Wohl hat Haas in den vergangenen drei Wochen ständig auf dem Trainingsplatz gestanden, um Schläge und Schritte einzuüben. „Aber das bringt alles sehr wenig, wenn man die Kleinigkeiten nicht auf dem Platz umsetzen kann.“ Vor dem zweistündigen Spiel gegen Schwank hatte Haas fünf Monate lang kein Match mehr bestritten; seinen letzten Einsatz hatte er bei den US Open in New York, als er in der zweiten Runde dem Luxemburger Gilles Muller unterlag.

Danach vermied es der Deutsche zunächst, den Tennisschläger oft in die Hand zu nehmen, war hin- und hergerissen zwischen dem Bedürfnis, sich Ruhe zu gönnen, und der Wehmut nach dem Wettbewerb. Bis zum Ende des Tennisjahres trudelte Thomas Haas auf Weltranglistenposition 84 – so tief stand er zuletzt nach der Saison 1996.

Sorge um seinen empfindlichen Ellenbogen

„Auf mein Ranking schaue ich aber nicht mehr“, sagte der Hamburger, der zwar elf ATP-Turniere gewonnen hat, dem gleichwohl sein Traum von einem Grand-Slam-Sieg bislang verwehrt geblieben ist. „Ich habe mir zehn Jahre lang selbst zu viel Druck gemacht.“ Seine jetzige Rückkehr in den Profizirkus hatte Haas bis zum letzten Moment hinausgezögert. Nach seinem achtwöchigen Wintertraining in Las Vegas bei Gil Reyes, dem langjährigen Fitnesscoach von Andre Agassi, und einer Reihe von Trainingstagen im Dezember hatte der deutsche Davis-Cup-Spieler seine Turniereinstand eigentlich schon vor zwei Wochen geben wollen.

Eine Wildcard für das ATP-Turnier in Doha, die er wegen seines 79. Weltranglistenplatzes benötigte, war ihm sicher gewesen; doch aus Sorge um seinen empfindlichen Ellenbogen lehnte Haas im letzten Moment dankend ab. Erst vier Tage vor seinem Melbourner Erstrundenspiel schnupperte er ein wenig Turnierluft, besiegte bei einem Schaukampf in Kooyong den Amerikaner Mardy Fish.

Hier stand er drei Mal im Halbfinale

Als es dann bei den Australian Open ernst wurde, sei er „nervös“ wie ein Anfänger gewesen. Dabei ist Melbourne ein gutes Pflaster für den Deutschen. Hier stand er 1999, 2002 und 2007 jeweils im Halbfinale – bei keinem anderen Grand-Slam-Turnier war er so erfolgreich. Bei seiner neunten Teilnahme erwartet Haas keine Großtaten mehr von sich wie früher; auch wenn ihm eine ganze besondere Begegnung bevorstehen könnte. Sollte er in der zweite Runde den Italiener Fabio Cipolla besiegen, träfe er voraussichtlich auf Rafael Nadal.

Das Duell mit dem Weltranglistenersten aus Spanien käme ihm aber durchaus gelegen, hat Haas für diese Saison doch vor allem zwei Ziele: „das Tennisjahr ohne Verletzungen und Pausen durchspielen“ und „die großen Jungs ärgern“. Ein großer Junge war der Hamburger selbst einmal, damals im Mai 2002, als er hinter dem Australier Lleyton Hewitt auf Position zwei der Weltrangliste stand.

„Das Zwicken wird bleiben, da kann man nichts ändern“

Die Zeiten, als dem hochtalentierten Thomas Haas die Tenniswelt offenstand und er als potentieller Grand-Slam-Turniersieger galt, sind in der Ära Federers und Nadals passé. Damit hat sich Haas aber abgefunden, ebenso wie mit der Tatsache, dass der Schmerz im Ellenbogen nicht mehr verschwinden wird, solange er seinem Beruf nachgeht.

„Das Zwicken wird bleiben, da kann man nichts ändern.“ Irgendwann wird er sich aber doch entscheiden müssen, was ihm wichtiger ist: das Zwicken im Arm oder das Kribbeln in der Hand. „Wenn ich noch einmal operiert werden müsste, wäre Schluss für mich“, sagte Thomas Haas. Ohne Zwang mag er den Tennis-Zweikampf nicht aufgeben.

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Jahrgang 1966, Sportredakteur.

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