30.01.2009 · Es ist nicht ausgemacht, dass aus einem vielversprechenden Junior ein erfolgreicher Profi wird. Doch Boris Beckers verbreitete Schwarzmalerei, dem deutschen Tennis stünde „eine Dürrezeit“ bevor, wurde von Alexandros-Ferdinandos Georgoudas schnell und schlagfertig widerlegt.
Von Thomas KlemmAls Siebzehnjähriger hat Boris Becker das Wimbledon-Finale gewonnen, nun muss er sich selbst einem Siebzehnjährigen geschlagen geben: Der Junge heißt Alexandros-Ferdinandos Georgoudas, er ist Deutsch-Grieche und hat den Altmeister bei den Australian Open korrigiert. In der Nacht verlor der Teenager in der Rod Laver Arena das Junioren-Endspiel des ersten Grand-Slam-Turniers des Jahres zwar klar mit 3:6, 1:6 gegen den Inder Yuki Bhambri. Aber Beckers jüngst verbreitete Schwarzmalerei, dem deutschen Tennis stünde „eine Dürrezeit“ bevor, wurde von Georgoudas, der im Leistungszentrum in Hannover trainiert, mit seinen Auftritten in Melbourne schnell und schlagfertig widerlegt.
Nun ist lange nicht ausgemacht, dass aus einem vielversprechenden Junior ein erfolgreicher Tennisprofi wird. Zwar liest sich die Liste der Junioren-Weltmeister, die Namen wie Federer, Roddick, Gasquet oder Baghdatis ziert, wie ein Who’s who von Champions. Auf der anderen Seite steht aber eine große Zahl der Vergessenen, die zwar in jungen Jahren mit einigem Talent gesegnet waren, aber körperlich oder mental nicht in der Lage waren, sich im harten Profigeschäft zu bewähren.
Zeiten des Hätschelns und Tätschelns sind längst vorbei
Dem einen war die Schule wichtiger, dem anderen die Freundin, vielen fehlte der Mumm, sich Woche für Woche durchzubeißen. Dabei führt manchmal sogar ein Sonderweg zum großen Erfolg: Rafael Nadal hat die meisten Jugendturniere links liegenlassen und sich frühzeitig voll auf die Profikarriere konzentriert. Der Spanier trat als Junior nur einmal bei einem Grand-Slam-Turnier an. Als Sechzehnjähriger erreichte er in Wimbledon das Halbfinale.
Wie weit sich Becker vom heutigen Tennisgeschehen entfernt hat, bewies er mit seiner Generalkritik an der Nachwuchsarbeit des Deutschen Tennis Bundes (DTB). Die Zeiten, als ein Junior wie Daniel Elsner nach drei Grand-Slam-Titeln Ende der neunziger Jahre als Nachfolger des Leimeners hochgejubelt wurde, sind längst vorbei. Elsner beschwerte sich im Rückblick auf seine unvollendete Profikarriere selbst darüber, dass er vom Verband gehätschelt und getätschelt worden sei, aber nie konstruktive Kritik mit auf den Weg bekommen habe.
Ein Name, den sich Boris Becker leicht merken kann
Heute hingegen lässt der DTB seine Juniorinnen und Junioren nicht mehr im eigenen Saft schmoren, sondern schickt sie durch die Welt, damit sie sich bei ITF-Turnieren mit Gleichaltrigen messen und ihre Profitauglichkeit beweisen können. Und das mit einigem Erfolg, der an der Öffentlichkeit weitgehend vorbeigegangen ist: Im vergangenen Jahr gewann Cedrik-Marcel Stebe drei Einzeltitel bei ITF-Turnieren sowie den Doppel-Titel bei den US Open. Und dieser Tage in Melbourne machte neben Georgoudas noch ein zweiter siebzehnjähriger Deutscher mit der Viertelfinalteilnahme auf sich aufmerksam: Dessen Namen sollte sich Boris Becker leicht merken können: Er heißt Becker, Richard Becker.
Wird ja immer toller hier...
Nicht Sowichtig (Dr.Dr)
- 31.01.2009, 07:13 Uhr