31.01.2009 · Kurz und für Dinara Safina schmerzhaft: Serena Williams hat das Finale in Melbourne überdeutlich gewonnen. 6:0, 6:3 siegte die Amerikanerin gegen die Russin und ist damit ab Montag die neue Nummer eins im Damen-Tennis.
Von Thomas Klemm, MelbourneTeppich ausrollen, Bühne aufbauen, Fahnen hineintragen, Pokal auspacken, Grußworte verlesen - nach gefühlter Zeitrechnung dauerten die Vorbereitungen für die Ehrung der Australian-Open-Siegerin am Samstag beinahe so lange wie das Tennisspiel davor. Was aber nicht daran lag, dass die fleißigen Helfer gebummelt und die honorigen Herren lange geredet hätten, sondern daran, dass sich die beiden numerisch besten Tennisdamen der Welt ein ungleiches Finalduell lieferten.
Die 15.000 Zuschauer, die hohe Eintrittspreise für eine Veranstaltung in Unterlänge bezahlt hatten, nahmen es sportlich und quittierten es dankbar, als sich Dinara Safina in der Rod Laver Arena für ihre Leistung mit einem „Sorry“ entschuldigte: „Ich war nur wie ein Balljunge auf dem Platz.“ Serena Williams hingegen ließ sich richtig feiern: „Ich habe diesen Titel gewollt und gebraucht“, sagte sie.
Zum dritten Mal die Nummer eins
6:0 und 6:3 fertigte die 27 Jahre alte Amerikanerin ihre fünf Jahre jüngere Finalgegnerin ab, gewann nach dem Doppeltitel mit ihrer Schwester Venus zum vierten Mal die Australian Open und zum zehnten Mal überhaupt einen Grand-Slam-Einzeltitel. Neben einer Million Dollar Siegprämie gab es einen Bonus obendrauf: An diesem Montag rückt sie zum dritten Mal auf Platz eins der Damen-Weltrangliste. Dinara Safina, die ihrerseits im Erfolgsfall nach ganz oben gekommen wäre, wird zu ihrer ersten Verfolgerin.
Safina stößt an persönliche Grenzen
Serena Williams, die nun seit 2003 in schöner Regelmäßigkeit alle zwei Jahre in Melbourne gewonnen hat, präsentierte sich in der zurückliegenden Auflage wie ein abgeklärter Champion. In den ersten Runden wurschtelte sie sich durchs Turnier, bis sie von ihrer Mutter Oracene Price zu hören bekam, sie würde „träge“ zu spielen. Als es danach gegen stärkere Gegnerinnen drauf ankam, trumpfte die Amerikanerin auf wie in besten Zeiten. „Das war heute meine überzeugendste Vorstellung“, behauptete sie nach dem Finale mit Fug und Recht.
Nach 22 Minuten, in denen Dinara Safina gerade acht Punkte gewann, war der erste Satz vorüber. Danach ließ Serena Williams Gnade vor Gewalt ergehen und zögerte ihren zweiten Grand-Slam-Titelgewinn in Folge - im vergangenen Sommer hatte sie bei den US Open triumphiert - auf 59 Minuten hinaus. Dinara Safina haderte danach mit ihrem Aufschlag, der eigentlich zu ihren Stärken gehört, in Melbourne aber zur großen Schwäche wurde. Bei der Erklärung für ihre dürftige Darbietung stieß die Russin, die zum zweiten Mal nach den French Open im Vorjahr ein großes Finale verlor, an persönliche Grenzen: „Das war nicht ich auf dem Platz.“
Die Nerven
Anna Schuster (Anna_Schuster)
- 31.01.2009, 13:27 Uhr