01.02.2009 · Einen Namen im Tenniszirkus muss sich Alexandros-Ferdinandos Georgoudas noch machen, aber den ersten Schritt zur Prominenz hat er hinter sich. Erst im Finale des Junioren-Turniers verlor er. Dennoch machte der Deutsche Hoffnung.
Von Thomas Klemm, MelbourneFür die einen ist er „Freddie“, die anderen nennen ihn „Greece“. Als er Roger Federer begegnete, weil er sein Idol zwanzig Minuten für dessen Melbourner Halbfinale einschlagen durfte, sagte er: „Hallo, ich bin Alex.“ Ob Federer, der sich gleichfalls höflich vorstellte, weiß, wie sein Sparringspartner aus der vergangenen Woche wirklich heißt? Einen Namen im Tenniszirkus muss sich Alexandros-Ferdinandos Georgoudas noch machen, aber den ersten Schritt zur Prominenz hat er hinter sich.
Zwei Wochen vor seinem 18. Geburtstag kam er bei den Australian Open so weit wie kein anderer Teilnehmer des Deutschen Tennis Bundes (DTB), stand als erster Deutscher seit Daniel Elsner 1997 im Junioren-Endspiel eines Grand-Slam-Turniers. Auch wenn Georgoudas seine Nervosität am Samstag in der großen Rod Laver Arena nie in den Griff bekam und dem topgesetzten Inder Yuki Bhambri 3:6 und 1:6 unterlag: „Es war eine ganz große Erfahrung“, sagte der Sohn eines griechischen Vaters und einer deutschen Mutter.
Als einem von fünf Teenagern, die in Melbourne den DTB vertraten, gelang Georgoudas im heißen Melbourne ein Kaltstart sondergleichen. Bei seinem Grand-Slam-Debüt durfte er gleich an der Siegerehrung teilnehmen, mit allerlei Brimborium wie bei den Großen. Georgoudas bekam eine Trophäe, ein paar Händedrücke und durfte vor 250 Zuschauer und einigen Tennisfunktionären eine kurze Dankesrede halten, bei der er sich achtbarer aus der Affäre zog als im vorangegangenen Endspiel.
„Ich konnte heute im Kopf nicht stark bleiben“, sagte der Junior mit den zwei Pässen. Geboren wurde Georgoudas in Thessaloniki, zum Tennis kam er mit drei Jahren durch seinen Großvater. Im Alter von zehn wurde sein Talent offenkundig. Mit fünfzehn, als sein Trainer von Saloniki nach Kreta ging und sich der griechische Verband nicht um den Jungen kümmerte, suchte „Alex“ in der Heimat seiner Mutter nach einer Förderung, die seinen Fähigkeiten entsprach.
Er fand sie in Hannover, wo er seit drei Jahren im Leistungszentrum des Niedersächsischen Tenniszentrums lebt und lernt. Zu seinen Trainern gehört Sascha Nensel, der Coach von Nicolas Kiefer. Der derzeit verletzte Davis-Cup-Profi kennt den 1,78 Meter großen Georgoudas vor allem aus dem gemeinsamen Winter-Trainingslager jüngst in Thailand. Mit seinem starken Aufschlag und seiner gewaltigen Vorhand verfüge Georgoudas über gute Anlagen, sagte Kiefer, der 1995 als Junior die Australian Open gewann. Er sei „ein Haudrauf Marke Philippoussis. Bei ihm muss alles zügig und schnell gehen.“
Auch mit der angestrebten Profikarriere will sich Alexandros-Ferdinandos Georgoudas nicht allzu viel Zeit lassen, auch wenn Junioren-Bundestrainer Peter Pfannkoch ihn und die Öffentlichkeit zur Geduld mahnt. In diesem Jahr schlägt Georgoudas noch bei Juniorenturnieren auf mit dem Ziel, unter die besten zehn der Weltrangliste vorzustoßen. Nebenbei hofft er auf Wildcards bei deutschen Challenger-Turnieren, so dass er auch schon ein paar ATP-Punkte sammeln kann. Im nächsten Jahr wolle er dann „durchstarten“, sagt Georgoudas: „Wenn es so weitergeht, hoffe ich, irgendwann ein Guter zu werden.“ Der gute Ruf käme dann wie von allein: Hey, hier kommt Alex.