13.09.2007 · Es war wie so oft auf der IAA: Nicht das Gesagte stand im Vordergrund. Die Motive für die Fotografen transportierten die Botschaften, während die Kanzlerin ihren Rundgang auf der Automesse machte. Dabei zählte für sie vor allem eins: Als „Klima-Kanzlerin“ wahrgenommen zu werden.
Von Henning PeitsmeierDie Internationale Automobil-Ausstellung ist eine grüne Messe. Doch an diesem Morgen ist sie blau. Auf die Bühne der Frankfurter Festhalle fällt blaues Licht und an die Wände wird eine blaue Weltkugel projiziert, als die Bundeskanzlerin Angela Merkel, in rosa Kostümjacke und schwarzer Hose, schwungvoll die vier Stufen zum Podium nimmt, um in ihrer halbstündigen Rede eine grüne Botschaft loszuwerden.
„Wir haben keine andere Wahl, als auf den Klimawandel zu reagieren“, sagt die ehemalige Umweltministerin. Und die Branche ruft sie auf, „an jeder Stelle des Automobils“ daran zu arbeiten, wie der Kohlendioxid-Ausstoß vermindert werden kann.
Bloß schnell vorbei an der S-Klasse
Wie das Deutschlands Vorzeigeindustrie macht, davon überzeugt sich Merkel auf ihrem IAA-Rundgang. Nicht das Gesagte steht im Vordergrund, die Motive für die Fotografen transportieren die grünen Botschaften.
Deshalb lässt sich Merkel bei Daimler-Chrysler von Konzernchef Dieter Zetsche die Tür des Öko-Winzlings Smart öffnen und meidet die Mercedes S-Klasse. Deshalb setzt sich die bekennende Golf-Fahrerin bei Volkswagen in das politisch korrekte Stadtauto „Up“ und nicht in den Phaeton. Deshalb geht sie mit BMW-Chef Norbert Reithofer zuerst zum Dreier mit dem Ökoantrieb „Efficient Dynamics“, der laut Werbung „mehr aus jedem Tropfen“ Sprit herausholt. Drei Minuten pro Stand, dann geht's weiter zum nächsten. Immer in Begleitung von VDA-Präsident Matthias Wissmann, ihrem früheren Parteifreund.
Klimaschonend - das gefällt
Von Deutschlands Autobossen erfährt Merkel, dass die Fahrzeuge nicht mehr nur noch groß und stark sind, sondern sauber und klimaschonend. Das gefällt der „Klima-Kanzlerin“ und deshalb verspricht sie der Industrie, sich persönlich für bessere Straßen, Verkehrleitsysteme und eine CO2-basierte Kfz-Steuer einzusetzen.
Auch für die Gleichbehandlung jedes eingesparten Gramms CO2 spricht sie sich aus: „Wenn es darum geht, dass wir bis 2012 auf 120 Gramm CO2 pro Kilometer im Durchschnitt kommen wollen, dann hat die deutsche Automobilindustrie meine Unterstützung, dass dies auf die Segmente fair verteilt werden muss“, sagt sie. Zetsche, Reithofer & Co. können aufatmen.
Keine Konkurrenz mehr vom Autokanzler
Merkel selbst wirkt entspannter als vor zwei Jahren. Damals kam sie als Kanzlerkandidaten auf dem Höhepunkt des Bundestagswahlkampfes zur IAA, musste erleben, wie der „Auto-Kanzler“ Gerhard Schröder ihr die Show stahl. Jetzt ist alles anders.
Um das zu zeigen, beginnt sie den Rundgang nicht wie früher bei den Autoherstellern, sondern beim Zulieferer Bosch. Geschäftsführer Franz Fehrenbach erklärt ihr ein sparsames Einspritzsystem und Merkel, ganz die Physikerin, spricht „vom Kern des Geschehens“, ohne den alle Autos nichts wären. Und sie besucht wie selbstverständlich kleine Zulieferer, zum Beispiel den Partikelfilter-Hersteller Emitec. Auch diese Botschaft kommt bei der Wirtschaft an: Deutschlands Mittelstand als Motor des Wohlstands.
Einen Seitenhieb kann sich Merkel bei allem Lob für „deutschen Erfindergeist“ und dem „Auto als Wachstumsbranche“ nicht verkneifen: Als ihr Audi-Chef Rupert Stadler allzu selbstbewusst vom „besten Hybrid“ aller Zeiten vorschwärmt, diesen aber nur in einer Studie zeigt, wird Merkel schnippisch: „Wenn man sich ein paar Jahre nicht gekümmert hat“, sagt sie, „kann man es nicht von einem auf den anderen Tag aufholen.“
Es gibt viele Möglichkeiten, sich umweltschonend zu verhalten
Luisa Gärke (Luisa26)
- 14.09.2007, 20:31 Uhr