02.07.2007 · Im September wird auf der Frankfurter IAA wieder zehn Tage lang alles zu sehen sein, was in der Welt der Automobile Rang und Namen beansprucht. Doch einige Autozulieferer kehren der Ausstellung aus Kostengründen den Rücken.
Von Jochen RemmertVom 13. September an wird in Frankfurt wieder zehn Tage lang alles zu sehen sein, was in der Welt der Automobile Rang und Namen beansprucht – auf der 62. Internationalen Automobil-Ausstellung. Doch dieser Tage sind unter den Zulieferern Stimmen zu hören, die am Nutzen der Veranstaltung für solche Unternehmen zweifeln, die nicht komplette Automobile auf die Reifen stellen, sondern lediglich Bauteile für die Endmontage zuliefern. Mehr noch – einige namhafte Unternehmen haben der IAA den Rücken gekehrt.
Von einem Abwandern der Zulieferer will der Verband der Automobilindustrie, der IAA-Veranstalter, deshalb aber nicht sprechen. Es habe immer wieder mal Unternehmen gegeben, das sich für das ein oder andere Jahr zurückgezogen hätten, meint ein Sprecher. Er sei sich aber sicher, dass dies kein strukturelles Problem der Messe sei. Schließlich stießen auch veritable neue zu den rund 1000 Ausstellern – zuletzt beispielsweise der Reifenhersteller Pirelli.
Recaro: Frankfurter Messe lohnt sich nicht
Beim traditionsreichen Autositzehersteller Recaro aus dem schwäbischen Kirchheim heißt es gleichwohl, gemessen an dem Aufwand und den Kosten sei die Automobil-Ausstellung in Frankfurt nicht lohnend, weil man alte und potentielle neue Kunden in jedem Jahr über Neuheiten informieren wolle und nicht nur alle zwei Jahre. Deshalb habe sich Recaro dafür entschieden, den vorhandenen Etat in einen Stand beim Autosalon in Genf zu investieren, der jedes Jahr veranstaltet werde und nicht nur alle zwei wie die Frankfurter Ausstellung. Der Beleuchtungsanbieter Hella aus Lippstadt ist inzwischen dazu übergegangen, bei Hausmessen der Hersteller in Erscheinung zu treten. „So können wir Kunden schneller unsere neuen Produkte vorstellen“, erläuterte eine Unternehmenssprecherin gestern.
Auch bei der Ludwigsburger Beru AG, als Spezialist für Zündkerzen, Zündspulen und Glühkerzen für Dieselmotoren seit Jahrzehnten etabliert, ist zu hören, dass sich ein Gesamtaufwand von bis zu 300.000 Euro für Standmiete, zusätzliches Personal und sonstige Kosten nicht rechne. Die Möglichkeit, nur einige Tage an der Ausstellung teilzunehmen, gebe es nicht. Der Schwerpunkt der IAA liege klar in der Präsentation neuer Modelle der Automobilhersteller.
Die richtige Messe für Unternehmen wie Beru, bei der seit zwei Jahren das amerikanische Unternehmen Borg Warner knapp 70 Prozent der Anteile hält, sei die Automechanika, eine Messe für die Zuliefererindustrie, für Werkstattausrüster und Zubehöranbieter, die die Messe Frankfurt GmbH alle zwei Jahre im Wechsel mit der IAA in der Mainmetropole veranstaltet. Wenn dagegen auf der IAA kein Autohersteller in derselben Halle wie ein Zulieferer seine neuen Modelle präsentiere, bekomme man an den Publikumstagen kaum einen Besucher zu sehen, weil diese nur kurz hereinschauten und dann gleich weiter zu denjenigen Hallen liefen, in denen viel glänzendes Blech zu sehen sei, meinte ein Beru-Sprecher.
Continental: IAA ist unerlässlich
Der österreichisch-kanadische Autoteilehersteller Magna, der nicht nur beispielsweise BMW Autoteile zuliefert, sondern auch ganze Fahrzeuge im Auftrag der Bayern baut, wird zwar auch auf der diesjährigen IAA nicht vertreten sein. Ein Sprecher hob aber hervor, dass dies keine grundsätzliche Entscheidung sei. Sein Haus werde auch wieder auf der IAA ausstellen.
Der Bremsanlagen- und Reifenhersteller Continental hält es dagegen für unerlässlich, immer auf der Autoausstellung in Frankfurt und auch auf sämtlichen anderen Messen der Branche vertreten zu sein: „Die IAA in Frankfurt ist dabei ein ganz besonders wichtiges Forum für uns“, sagte eine Unternehmenssprecherin. Dass man sich die eine oder andere Messe vielleicht sparen könne, glaube sie nicht.
Diese Einschätzung vertritt schließlich auch die Sprecherin des Friedrichsdorfer Peiker Acustic GmbH, die nach eigenem Bekunden vor allem Premiumfirmen unter den Autobauern mit Freisprechanlagen und anderen Systemen beliefert. Die Frankfurter Automobil-Ausstellung biete eine zusätzliche Chance zum direkten Gespräch mit den alten oder potentiellen Kunden. Das sei umso wichtiger, als die Zulieferer inzwischen längst nicht mehr nur vorgegebene Teile fertigten, sondern die Autobauer vielmehr von vornherein berieten. Abgesehen davon liege die IAA fast vor der Haustüre von Peiker, da verstehe sich der Besuch von selbst. Von den zuletzt rund 950.000 Besuchern, die zur IAA nach Frankfurt kamen, waren nach Angaben des Veranstalters nahezu 40 Prozent Fachbesucher.