VW-Vorstandschef Martin Winterkorn hat sich vorbehaltlos hinter den geltenden Haustarifvertrag seines Unternehmens gestellt. „Wir stehen zum Haustarifvertrag“, sagte Winterkorn am Dienstag in Frankfurt und reagierte damit auf Aussagen von VW-Hauptaktionär Porsche, in denen Kritik an dem Vertragswerk aus dem Jahr 2006 laut geworden war.
Porsche-Chef Wendelin Wiedeking hatte vergangene Woche in einem Interview auf die Frage nach dem VW-Haustarifvertrag und der hervorgehobenen Rolle des Betriebsrates von „heiligen Kühen“ gesprochen und von „Themen, die auf die Tagesordnung kommen“. Dagegen erklärte Winterkorn, man halte am Volkswagen-Weg fest.
„Eine gute Struktur“
„Wir haben in dieser Beziehung überhaupt kein Problem“, sagte Winterkorn direkt auf die Kritik vor Porsche angesprochen. Als Volkswagen-Weg wird die starke Einbeziehung der Belegschaft in Entscheidungsprozesse bezeichnet. Winterkorn erinnerte daran, wie wichtig die Motivation der Belegschaft beim laufenden Programm der Produktivitätssteigerung sei.
Die aktuelle Eigentümerstruktur von Porsche mit knapp über 30 Prozent und dem Land Niedersachsen mit 20 Prozent nannte Winterkorn „eine gute Struktur für uns“.
Indirekte Kritik erneuert
Porsche-Chef Wiedeking erinnerte auf der IAA dagegen daran, dass Porsche über Optionen für die Aufstockung der VW-Beteiligung verfüge. Sobald das VW-Gesetz gefallen sei, womit er fest rechne, werde es weitere Diskussionen und Entscheidungen über das Vorgehen bei VW geben, sagte Wiedeking.
Er erneuerte seine indirekte Kritik an den Verhältnissen bei VW mit den Worten: „Wer sich der Diskussion der Zukunftsfähigkeit nicht stellt, hat keine Zukunft“, sagte er. Das Hinterfragen der eigenen Arbeit sei bei Porsche „Tagesgeschäft, das sollte auch in jedem anderen Unternehmen so sein“. Das sei auch „zum Schutz der Arbeitnehmer“, sagte Wiedeking. In einem Interview hatte Wiedeking vergangene Woche angedeutet, die Bereitschaft zu Veränderungen sei bei VW noch nicht ausgeprägt genug.
„Der VW-Konzern hat noch viele Baustellen“, sagte er am Dienstag weiter. Als Beispiele nannte er die Angebotspalette, die noch „ausgeweitet werden“ könne, sowie die Abstimmung der Konzernmarken untereinander: „Da kann noch viel optimiert werden“. Gleichzeitig lobte er die Arbeit von VW-Chef Martin Winterkorn: „Der macht einen tollen Job mit seinem Team.“
„Kurzfristig kampfbereit“
Die kritischen Anmerkungen des Porsche-Chefs zum Haustarifvertrag hatten eine gereizte Reaktion der IG Metall ausgelöst: IG-Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine hatte gesagt: „Die IG Metall lässt am Haustarifvertrag nicht rütteln. Ich warne auch davor, weil damit der Porsche-Chef einen Großkonflikt mit den VW-Mitarbeitern produziert. Wir sind kurzfristig kampfbereit.“
Zwischen Porsche und dem VW-Betriebsrat herrscht seit längerer Zeit Spannung, unter anderem wegen der Besetzung des Aufsichtsrates der geplanten Porsche-Holding.
