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IAA Zwischen Küche und Kindergarten

23.09.2007 ·  Die neuen SUV sind vor allem kompakt und besonders flexibel. Damit reagieren die Autohersteller auf die Kundenwünsche nach geräumigen und spritsparenden Autos. Was die großen Hersteller auf der IAA zeigten, beschreibt Martina Göres.

Von Martina Göres
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Etwas höher sitzen, gute Rundumsicht, ein ungewöhnliches Auto fahren - und jede Menge Platz für Kind und Kegel: Sport Utility Vehicles (SUV) sind schicke Freizeitfahrzeuge für Individualisten. Anders sein und anders fahren ist die Maxime. Die Bezeichnung „Geländewagen“ trifft die Wünsche und Bedürfnisse der Kundschaft eigentlich nicht mehr.

In den Zeiten der Klimadiskussion sind besonders kompakte Modelle gefragt, keine martialischen Auftritte für Machos, sondern familientaugliche Allzweckautos. Dieses Segment wächst gewaltig: In den ersten acht Monaten des Jahres wurden in Deutschland fast 150.000 Fahrzeuge dieser Gattung verkauft. Von einer Nische kann kaum mehr die Rede sein. Der BMW X3 und der Toyota RAV 4 halten sich dabei hartnäckig an der Spitze der Zulassungen.

Kaum ein Autohersteller, der kein SUV in seinem Programm hat - und dort, wo entsprechende Angebote bereits im Produktportfolio vorhanden sind, wird die Palette oft nach unten hin abgerundet. Auf der IAA tummelten sich die Modellneuheiten, die seit kurzem im Handel sind oder in nächster Zukunft auf den Markt drängen.

Neuland für die Wolfsburger

Den Reigen eröffnete der mit Spannung erwartete Volkswagen Tiguan. Mit dem von November an erhältlichen Kompakt-SUV betreten die Wolfsburger Neuland in diesem Segment, nachdem der große Bruder Touareg, an dem sich der Tiguan stilistisch orientiert, in der Geländewagen-Oberklasse angesiedelt ist. Der Debutant ist 4,43 Meter lang, 1,81 Meter breit und 1,68 Meter hoch, sein Radstand beträgt 2,60 Meter. Der Fünfsitzer basiert auf dem kürzeren und schmaleren Golf Plus, von dem er auch die um sechzehn Zentimeter längsverschiebbare Rückbank übernimmt. Er teilt aber auch viele Komponenten mit dem Passat 4Motion, wie die auf den Allradantrieb abgestimmte Vierlenker-Hinterachse.

Von den zunächst geplanten fünf Motoren - ausschließlich aufgeladene direkteinspritzende Vierzylinder-Benzin- und Dieseltriebwerke, die mehr Leistung und Drehmoment bei geringerem Verbrauch und niedrigeren Emissionen versprechen - sind zwei vom Start weg verfügbar. Den Einstieg markiert der 1,4-Liter große TSI mit 110 kW (150 PS); mit ihm wird der Tiguan 26.700 Euro kosten. Der erste Common-Rail-Turbodiesel von Volkswagen (bisher verwendete VW für die Kraftstoffeinspritzung die Pumpe-Düse-Technik) schöpft aus zwei Liter Hubraum 103 kW (140 PS); er geht im Tiguan für 28.800 Euro ans Werk. Für Februar ist der gleich große Common-Rail-TDI mit 125 kW (170 PS) zum Preis von 31.125 Euro angekündigt. Bereits im Januar sollen die beiden leistungsstärkeren 1,4-Liter-TSI mit 125 und 147 kW (170 und 200 PS) an den Start gehen, für sie stehen die Preise noch nicht fest.

Der permanente Allradantrieb mit Haldexkupplung verteilt die Kraft in der Regel im Verhältnis 90:10 (vorn/hinten); bei auftretendem Schlupf können im Extremfall aber nahezu 100 Prozent Antriebsmoment an die Hinterachse geleitet werden. VW stattet den Tiguan mit zwei unterschiedlichen Frontpartien aus: eine Karosserieversion ist für den überwiegenden Einsatz auf asphaltierten Straßen zugeschnitten, während das angeschrägte Frontmodul der zweiten Variante mit einem Böschungswinkel von 28 Grad (statt 18 Grad) auch für den härteren Einsatz im Gelände ausgelegt ist. Für kommendes Frühjahr avisiert VW den 110 kW (150 PS) starken TSI auch in einer frontgetriebenen Variante, die etwas mehr als 25.000 Euro kosten soll.

An Konkurrenz mangelt es nicht

In einer sehr seriennahen Version präsentierte Ford den Tiguan-Konkurrenten Kuga auf der Messe. Das Außendesign des 4,50 bis 4,60 Meter langen Focus-Derivats soll sich nicht mehr ändern, innen werden nur noch leichte Modifizierungen vorgenommen. Ford positioniert den für die erste Hälfte 2008 angekündigten Kuga als Crossover-Modell, der die Fahrdynamik des Focus mit dem Raumangebot des C-Max verbinden soll; weitere Komponenten stammen vom Land Rover Freelander. Der schicke Fünfsitzer startet wahlweise front- oder allradgetrieben zunächst mit dem Zweiliter-Vierzylinder-Duratorq-TDCI-Turbodiesel mit 100 kW (136 PS), die Preise beginnen bei rund 27.000 Euro. Die Kölner rechnen sich für den Kuga, der mit der jüngsten Interpretation des Ford Kinetic Design aus seiner Klasse hervorstechen soll, gute Verkaufschancen in Europa aus. Das saarländische Produktionswerk Saarlouis hat eine Jahreskapazität von mehr als 60.000 Fahrzeugen.

Die französische Antwort auf den Nissan X-Trail zeigte Renault mit dem immer noch als Konzept-SUV verbrämten Koleos, der von Juni nächsten Jahres an auf den Markt kommt. Der 4,52 Meter lange, 1,89 Meter breite und 1,70 Meter hohe Wagen - eine Gemeinschaftsentwicklung mit Nissan und dem koreanischen Hersteller Samsung - fügt sich nahtlos in die Klasse der kompakten Freizeitfahrzeuge ein. Die günstigste Version mit Frontantrieb wird rund 23.500 Euro kosten, der Aufpreis für die 4x4-Variante wird mit etwa 2400 Euro veranschlagt. Der Allradantrieb von Nissan verteilt das Drehmoment über eine elektronisch geregelte Aktivkupplung je nach Haftungsniveau auf Vorder- und Hinterachse, zudem sollen ESP, Bremsassistent sowie Bergabfahr- und Anfahrhilfe den Fahrer unterstützen. Der Koleos wird in Korea gebaut, er kommt mit dem 2,5-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 124 kW (169 PS) von Nissan und dem Renault-eigenen Zweiliter-Vierzylinder-Turbodiesel in zwei Leistungsstufen mit 110 und 132 kW (150 und 180 PS) und Sechsgang-Schaltgetriebe.

Bereits im Handel sind der neue Mitsubishi Outlander (21.990 bis 35.190 Euro) und die beiden auf ihm basierenden französischen Brüder Citroën C-Crosser (33.590 bis 37.590 Euro) und Peugeot 4007 (29.590 bis 37.590 Euro). Die 4,64 Meter langen Vielzweckfahrzeuge bieten bis zu sieben Personen Platz, sie unterscheiden sich nicht nur äußerlich, sondern auch in Ausstattung und Motorisierung.

Noch geheim

Keine Chance hatte man auf der IAA, einen Blick auf die brandneuen SUV-Interpretationen von Audi, Mercedes-Benz und Volvo zu werfen, die für die zweite Jahreshälfte 2008 avisiert sind. Der Audi Q5 wird als sehr dynamisches Fahrzeug mit typischer Audi-Formensprache und Quattro-Antrieb angekündigt, die Dimensionen sollen etwas über denen des BMW X3 liegen. Mercedes-Benz will mit dem auf der C-Klasse basierenden, 4,50 bis 4,60 Meter langen GLK herausragende Onroad-Eigenschaften gepaart mit 4-Matic-Antrieb bieten und das SUV, dessen Preise bei knapp 30.000 Euro beginnen sollen, später auch mit sparsamer Bluetec- und Hybridtechnologie ausstatten.

Volvo hält sich mit Informationen bedeckt und wird den XC60 erst im ersten Halbjahr 2008 vorführen. Land Rover indes hatte auf der IAA die Silhouette eines Premium-SUV unterhalb des Freelander gezeigt. Der Baby-Landy wird rund fünfzehn Zentimeter kürzer als der Freelander sein, er debütiert als Konzeptfahrzeug auf der Detroit Motorshow Anfang 2008 und soll 2009 in Serie gehen. Und schließlich hat Seat mit dem Tribu sein Konzept für ein künftiges kompaktes SUV enthüllt, mit dessen Serienfertigung nicht vor 2009 gerechnet wird.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 23.09.2007, Nr. 38 / Seite V9
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